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Neues Geld – neue Regeln

„Zeit ist Geld „, so hieß es zumindest früher mal.

Sie arbeiten das ganze Leben. Sie sparen einiges von Ihren Einnahmen. Ihre Schwielen und Ihre Ersparnisse repräsentieren wahren Reichtum – nämlich den Reichtum, den Sie produziert und nicht während Ihrer Karriere verbraucht haben.

Aber in einer Negativzinswelt kann man sich die Mühe auch gleich sparen. Echte Ersparnisse scheinen keinen Wert mehr zu haben. Man stelle sich das einmal vor!

Echte Ersparnisse waren früher mal DIE treibende Kraft für den Aktienmarkt. Investoren schickten ihr Geld auf die Arbeit und kauften Aktien, um damit die Unternehmen mit den für die Expansion benötigten Mitteln zu versorgen.

Schöne neue Welt – oder?

Aber jetzt gibt es auch dafür keine Notwendigkeit mehr. Die Zentralbanken kaufen weltweit Aktien und Anleihen auf. Die Bank of Japan ist heute ein Top-10-Aktionär in 90 % der Nikkei-Aktien.

Und der Dow Jones steigt weiter, auch wenn mehr und mehr reale Investoren scheinbar das Spielfeld verlassen. Offenbar sind die Fed und andere Zentralbanken (indirekt) die Hauptquelle der Nachfrage nach US-Aktien.

„Wir müssen den Dollar vor den Angriffen der internationalen Geld-Spekulanten schützen“, sagte Nixon der Nation im August 1971, und kündigte gleichzeitig Lohn- und Preiskontrollen … und das Ende von Bretton Woods, dem Gold-gedeckten-Dollar-System, an.

Natürlich schützte er den Dollar nicht. Er tötete ihn selbst, indem er ein feierliches Versprechen, das vor ihm 35 Präsidenten einhielten, brach. Nämlich US-Papier-Dollar in Gold zu tauschen.

Stattdessen bezahlten wir unsere Rechnungen an die Ausländer in einer „neuen“ Währung.

„Die Zeit für eine neue Wirtschaftspolitik für die Vereinigten Staaten ist gekommen,“ setzte Nixon seine Fernsehansprache fort.

Zuerst dachten wir, dass die Aufgabe der Golddeckung inflationär wäre. Ein Gold-Run setzte folglich ein.

Der Preis des gelben Metalls stieg um fast das 20-fache. Aktien fielen. Inflationsbereinigt fiel der Aktienmarkt vom Hoch im Jahr 1965 aus betrachtet um etwa 65 Prozent.

Das unerbittliche und heimtückische Rentier-System

Danach nahmen die Dinge eine neue Richtung. Japan boomte. Dann folgte China mit einem noch größeren Boom. Und die Tiefpreise bei Walmart wurden täglich tiefer und tiefer, da billige Waren den Markt überschwemmten.

Die Zinsen fielen dann auch in den nächsten 35 Jahren. Mit Hilfe der Japaner und der Chinesen zähmte Fed-Chef Paul Volcker die Inflation im Verbraucherbereich.

Aber an den Aktien- und Rentenmärkten ging es wild zur Sache. Von einer Basis unter 1000 im Jahr 1982 ist der Dow nun auf neue Rekordhöhen geklettert und bei über 18500 angekommen.

Völlig unbemerkt, und vielleicht auch nicht direkt beabsichtigt, entstand so ein riesiges Rentier-System. Nur wenige der Reichen hatten wirklich eine Ahnung davon, was los war. Die Wähler und der Kongress tappten völlig im Dunkeln.

Aber das System war unerbittlich und heimtückisch. Die Reichen wurden reicher; alle anderen wurden (relativ) ärmer; und die Parasitokratie wuchs immer stärker.

In den nächsten Tagen schauen wir uns das neue Monster noch genauer an – und werden sogar das seltsame „Herz“ sezieren…

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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