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Euro in Japanische Yen

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Wissen über den Japanischen Yen (JPY)

Heute ist der Yen eine der erfolgreichsten Währungen der Welt. Doch das war nicht immer so – tatsächlich fristete JPY lange ein Schattendasein und litt überdies darunter, dass er lange Zeit nicht frei konvertierbar war.

Der japanische Yen wurde 1871 von der Meji-Regierung eingeführt. 1897 folgte die Goldwährung als Antwort auf den Goldstandard in den meisten anderen Ländern. Wie ebenfalls in den meisten Ländern, wurde der Goldstandard im Laufe des I. Weltkriegs aufgegeben. Dann kam die Weltwirtschaftskrise nach 1929 und starke Konjunkturprogramme, finanziert auf Kredit, sowie die Abwertung der Währung führten schließlich zu einer steigenden Inflation, die bis nach dem II.Weltkrieg ein Problem blieb.

Mit der Verlagerung des Schwerpunkts der japanischen Industrie von der Leichtindustrie (vor allem im Textilbereich) zur deutlich wettbewerbsfähigeren Schwerindustrie (viele Firmen, zum Beispiels auch Toyota, haben ihre Wurzeln eigentlich in alten Textilunternehmen), konnte die japanische Nachkriegswirtschaft schließlich auch von erfolgreichen Stabilisierungsmaßnahmen des JPY profitieren.

Doch die Währung blieb trotzdem lange Zeit im Hintergrund, da sie erst 1964 offiziell in die Konvertibilität geführt wurde. (dennoch war Japan Mitglied des Bretton-Woods-Abkommens). Trotzdem blieben noch lange Zeit Reglementierungen bestehen. Zum Beispiel durften die japanischen Banken noch in den 70er Jahren nur bestimmte Währungen für ihre Devisenoperationen nutzen, womit JPY faktisch noch immer nicht frei in alle Währungen konvertierbar war.

Dies änderte sich erst mit dem wirtschaftlichen Boom Japans in den 80er Jahren, als 1985 schließlich auch ausländische Treuhandelsbanken und damit ein erster Schritt in Richtung Freihandel zugelassen wurden. Die komplette Aufhebung aller Restriktionen den Devisenhandel betreffend, erfolgte allerdings erst ab 1998 mit der so genannten „Big Bang“-Liberalisierung der Finanzmärkte.

 

JPY auf einen Blick

Währung: Japanischer Yen 
ISO-Code: JPY 
Anteil am täglichen weltweiten Gesamthandelsumsatz im Devisenmarkt: 19% (2010) 
Währungsgebiet: Japan 
Unterteilung: Historisch: 1 Yen ~ 100 Sen ~ 1.000 Rin (heute nicht mehr gebräuchlich) 
Umlaufmünzen: 1, 5, 10, 50, 100, 500 Yen 
Banknoten: 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 Yen 
Notenbank: Bank of Japan (BoJ) (jap. Nichigin) 
Leitzins: Overnight Call Rate 

 

JPY – die Carry-Trade-Währung

Seit 10 Jahren gilt der Yen als DIE Carry-Trade-Währung schlechthin. Unter Carry-Trades versteht man die Aufnahme eines Kredits in einer Währung mit niedrigen Zinsen und der Investition dieser Gelder in eine Währung mit hohen Zinsen.

Um zu verstehen, wie JPY zur weltweit stärksten Carry-Trade-Währung werden konnte, müssen wir erneut in die Vergangenheit reisen. Nach der Boomphase der 80er Jahre entwickelte sich in Japan eine Blasen-Wirtschaft, die 1990 platzte. Hieraus rührt das Verlorene Jahrzehnt mit der jahrelangen Deflationsspirale Japans. Die Bank of Japan reagierte 1996 mit einer Senkung des Leitzinssatzes auf 0,5%, doch 1997 belastete die Asienkrise zusätzlich und seit 1999 fährt die Bank of Japan eine ununterbrochene Null (oder nahe Null)-Zins-Politik.

Diese Nullzinspolitik führte dazu, dass Investoren verstärkt Yen-Währungskredite aufnahmen und das Geld oft in Währungsgebieten mit höherem Zinsniveau anlegten. Dies nennt man einen Carry Trade. Daraus resultierte ein relativ schwächerer Yen gegenüber den entsprechenden Währungen mit höherem Zinsniveau.

Mit Beginn der Krisen in den USA im Jahr 2007 sehen wir dagegen den Effekt der Auflösung von Carry Trades. Zunehmende Positionsglattstellungen und Repatriierungseffekte sorgten für eine Aufwertung des Yen und damit für zunehmende Wechselkursverluste der Carry Trader, die nun ihrerseits verstärkt gezwungen werden, ihre Carry Trades aufzulösen. Um den JPY-Kredit zu begleichen, müssen allerdings Yen aufgenommen werden, was wiederum die Nachfrage nach Yen erhöht und die Aufwertung des JPY begünstigt. Daraus entwickelte sich also ein Kreislauf. Verstärkt wird dieser dann auch durch Spekulationen auf eine weitere Aufwertung des Yen usw.

So hat der Yen gegenüber dem USD seit der Spitze in 2007 innerhalb von wenig mehr als 4 Jahren bereits um 39% aufgewertet. Wie hier im Chart gut zu erkennen:

 

USD/JPY seit 2000

USD/JPY seit 2000

Quelle: CFX-Trader

 

JPY – Sichere-Hafen-Währung

Die Auflösung der Carry Trades spielt also seit Beginn der Krisen eine große Rolle für die Aufwertung des JPY – allerdings nicht die einzige. Tatsächlich wird der Yen auch stark als Safe Haven Währung wahr genommen. Dies mutet seltsam an, angesichts der hohen Staatsverschuldung Japans, bei aktuell über 200% vom BIP und des nach wie vor eher anämischen Wirtschaftswachstums.

Allerdings besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Japan und anderen hochverschuldeten Staaten: Japans Schulden werden zu 94% im Inland gehalten und die japanische Zinslast ist äußerst gering, verschlingt gerade einmal 1% des jährlichen BIPs.

Sollte die Zinslast steigen, Japans Bürger sich also verstärkt von ihren Anleihen trennen, dann hätte der Staat relativ mühelos die Option sich über Steueranhebungen und/oder eine aktive Inflationierung zu entschulden. Dabei besteht tatsächlich noch hoher Spielraum nach oben. So liegt beispielsweise die japanische Mehrwertsteuer nur bei 5%.

 

Japan – größter Gläubiger der Welt

Doch es ist nicht nur die geringe Außenverschuldung, die für Japan spricht, sondern auch das extrem hohe Nettoauslandsvermögen (wo nicht nur Portfolioinvestitionen, sondern auch z. B. Direktinvestitionen einfließen und welches analog zu hohen Leistungsbilanzüberschüssen steht). Das bedeutet grob gesagt, dass die Japaner mehr Vermögenswerte im Ausland und mehr Forderungen gegenüber dem Ausland halten, als umgekehrt das Ausland gegenüber Japan. Tatsächlich ist Japan mit umgerechnet rund 3,2 Billionen US-Dollar an Nettoauslandsvermögen (Stand 2010) der größte Gläubiger der Welt, noch vor China auf Platz 2, Deutschland, Saudi-Arabien und der Schweiz.

Von diesen 5 größten Gläubigern der Welt fallen China und Saudi-Arabien, aufgrund der Wechselkursanbindung ihrer Währungen an den US-Dollar vorerst noch als Safe-Haven-Währungsländer weg, ebenso Deutschland, mit der angegriffenen europäischen Gemeinschaftswährung. Und seit der Festlegung der Untergrenze im EUR/CHF zielt auch die Schweiz darauf ab, ihren Safe-Haven-Status zu schwächen.

 

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