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Wirkt der große Euro-Zinsschritt gegen die Inflation?

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Gestern fand ein äußerst wichtiges Marktereignis statt, dass womöglich über das Schicksal der Eurozone mitentscheiden wird.

Gestern rang sich die Europäische Zentralbank (EZB) erstmals seit 11 Jahren zu einer Zinserhöhung durch. Aber das ist nicht der Grund. Mehr dazu in meinem heutigen Beitrag.

Wirkt der große Euro-Zinsschritt gegen die Inflation?

Die gestern vorgenommene große Zinsanhebung von 50 Basispunkten überraschte den Markt. Denn die EZB selbst war es, die im Vorfeld immer von einem Zinsschritt von nur 25 Basispunkten sprach. Ändert dieser große Zinsschritt und die Aussicht auf weitere ähnliche Schritte nun irgendwas an der Inflation in der Eurozone?

Nein, nicht im Geringsten. Die massive Inflation wurde und wird durch äußerst dämliche politische Entscheidungen verursacht. Nur durch die Rücknahme derselben ist sie noch zu bekämpfen. Dazu mehr in einem künftigen Beitrag, sonst würden meine Ausführungen heute den üblichen Rahmen sprengen.

Fakt ist: Zinserhöhungen der EZB allein werden gegen die in der Eurozone herrschende Knappheit an Energie und Gütern und damit gegen die hohen Preise nicht das Geringste ausrichten – und sind damit ein rein symbolischer Akt zur Inflationsbekämpfung.

Bekämpfung der Wechselkursinflation ist der einzige Angriffspunkt der EZB

Einzig über die Wechselkurse könnte sich ein gewisser inflationsdämpfender Effekt einstellen. Bekanntlich hat der Euro gegenüber dem Dollar alleine in diesem Jahr -9,65 % an Wert verloren. In den vergangenen 12 Monaten waren es -13,24 %, in den letzten 18 Monaten sogar -15,96 %.

All diese Wechselkursverschiebungen zuungunsten des Euro führen zu einer importierten Inflation, da für Rohstoffe auf dem Weltmarkt in der Regel in Dollar bezahlt werden muss. Das heißt, beispielsweise Öl ist nur durch den Außenwertverlust des Euro schon fast 16 % teurer geworden in den letzten eineinhalb Jahren. Hinzu kommt natürlich noch der „normale“ Preisanstieg in US-Dollar.

Positiver Nebeneffekt: Negativzinsen endlich Geschichte!

Der gestrige Zinsschritt könnte aber noch eine weitere positive Wirkung entfalten. Denn es wurde nicht nur der Leitzins von 0 auf 0,5 % angehoben, sondern auch der Einlagenzins der Banken bei der EZB von -0,5 % auf 0 %. Damit sind endlich die Negativzinsen für die Banken Geschichte!

Und damit wiederum entfällt das Argument der Banken, ihre Kunden (Verbraucher und Unternehmen) ebenfalls per Strafzinsen zur Kasse zu bitten. Laut dem Verbraucherportal Verivox haben in Deutschland bereits 51 Banken in Erwartung dieses Zinsschrittes ihre Negativzinsen für ihre Kunden aufgehoben.

Das heißt: das europäische Bankensystem bekommt eine große Last von der Schulter genommen. Es wird dadurch etwas stabiler. Verbraucher und Unternehmen werden entlastet. Freilich mit der Kehrseite, dass dafür Schulden teurer werden.

Werden jetzt Investitionen gebremst?

Was sofort Raum für das Argument liefert, dass mit einer Verteuerung der Kredite in der Eurozone Investitionen behindert werden könnten. Dazu muss ich Ihnen allerdings sagen: in der Eurozone investiert sowieso niemand mehr, seit die Versorgung mit Energie, Rohstoffen und Vorprodukten nicht mehr gewährleistet ist.

Teure Kredite sind also unser geringstes Problem. Die Geldpolitik kann nichts mehr zerstören, weil die EU-Wirtschaftspolitik hier bereist „ganze Arbeit“ geleistet hat.

Im Grunde hat sich die EZB aber ihr gestriges, eigentlich positives Inflations-Signal bereits mit einer anderen Maßnahme wieder versaut. Sie hate allerdings keine Wahl. Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag am kommenden Montag.