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EUR/ USD Analyse: Mit Vollgas gegen die Wand

Die Euro-Aufwertung ist in aller Munde. Sie ging zuletzt so schnell vonstatten (allein 7,5% in den vergangenen 3 Monaten), dass es zu ersten Verwerfungen an den europäischen Aktienmärkten kam, weil Anpassungsprozesse der Unternehmen mit dieser Geschwindigkeit nicht mithalten können.

Die deutliche Underperformance der deutschen Aktienindizes gegenüber der US-Leitbörse in den letzten Wochen spiegelt diese Verwerfungen wider.

Der Wechselkurs ist gerade jetzt für Aktien-Anleger enorm wichtig

Gerade für Anleger am exportabhängigen deutschen Aktienmarkt ist es daher unerlässlich, den EUR/USD Wechselkurs im Auge zu behalten. Droht von dieser Seite weitere Gefahr für den Aktienmarkt oder ist mit einer Entspannung zu rechnen? Das klärt meine folgende Analyse für Sie.

Zuletzt gab es zahlreiche Äußerungen von EZB-Mitgliedern, die auf eine baldige Normalisierung der Geldpolitik schließen lassen. Erst am Wochenende von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Dieser sagte, die EZB bereite sich auf ein Zurückfahren der Geldflut vor.

„Das kommt hoffentlich und daran arbeiten wir auch, das diskutieren wir auch“, sagte Weidmann. Das Wort „hoffentlich“ in diesem Statement sollte allerdings stutzig machen.

EUR/USD Rally zuletzt stark übertrieben

Der Markt hat ähnliche Äußerungen zuletzt übertrieben erst genommen.

Es geht im Kern wohl nur um eine Rückkehr in den unteren positiven Zinsbereich (also um eine Rücknahme der Negativzinsen mit ihren schweren Nebenwirkungen), nicht um ein drastisches Anheben des Zinsniveaus in der Eurozone, die die hochverschuldeten Südländer zusammenbrechen lassen würde.

Angesichts dieser Aussichten ist die jüngste Blitz-Aufwertung übertrieben. Dennoch bewegt sich das Ganze immer noch im Rahmen der seit Anfang 2015 gültigen Seitwärtsspane zwischen 1,05 und 1,15. Inzwischen ist die Oberkante dieser Spanne erreicht. Jetzt wird es spannend.

Ein nachhaltiger Ausbruch über die 1,15er Marke würde von vielen Marktteilnehmern als Bodenformation und neue Rally interpretiert werden. Allerdings stellt sich bei 1,18 und 1,20 bereits weitere, kräftige Widerstände einer weiteren Aufwertung in den Weg.

Zudem dürfte eine solche Aufwertung nicht im Interesse der EZB liegen. Es gibt aber noch ein weiteres starkes Argument gegen eine baldige Euro-Rally über 1,15.

EUR/USD Wochenchart: Mit Vollgas gegen die Wand

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Einseitige Positionierung der Spekulanten dürfte bald zum Problem für den Euro werden

Die Spekulanten sind derzeit so massiv long im Euro wie seit Jahren nicht mehr. Sie liegen immer dann falsch, wenn Extrempositionen erreicht werden (wie jetzt). Beim Dollar hingegen sehen wir das umgekehrte Bild: Nämlich aktuell den größten Pessimismus seit Beginn der Dollar-Rally Mitte 2013.

Niemand setzt mehr auf einen steigenden Dollar.

EUR/USD steuert überhitzt und überspekuliert auf eine charttechnische Wand bei 1,15 zu. Der Vergleich mit einem Güterzug drängt sich auf, der gegen eine Wand fährt. Ob das gut geht? Was für eine Frage…

Der Kampf hat gerade erst begonnen

Erwarten Sie jedoch keinen sofortigen Dreh nach unten wegen dieser Ausgangslage. Es dürfte einen wochenlangen Kampf um diese Make geben. Überschießende Reaktionen bis auf 1,20 sind möglich. Einen nachhaltigen Ausbruch nach oben halte ich aber für unwahrscheinlich.

Damit dürfte der Druck auf den deutschen Aktienmarkt ausgehend von einem zu starken Euro in den kommenden Wochen wieder nachlassen. Es könnte jedoch ein anderes Problem geben.

Ein Katalysator für einen wieder stärkeren Dollar dürfte der anhaltende geldpolitische Straffungskurs der US-Notenbank sein. Ein weiterer die zuletzt wieder stärkeren US-Wirtschaftsdaten.

Gestern kam beispielsweise der ISM-Einkaufsmanagerindex für Juni deutlich stärker als erwartet rein (Anstieg von zuvor 54,9 auf 57,8 Punkte, Erwartung 55,0 Punkte).

2. Halbjahr 2017: Ich erwarte eine Entwicklung zugunsten von Dollar und US-Aktien

Ich erwarte, dass die zuletzt extremen Kapitalzuflüsse nach Europa im 2. Halbjahr wieder teilweise in die USA zurückfließen, was nach Extremwerten häufig der Fall ist. Ein Grund mehr für einen Dollaranstieg/ Euro-Abwertung.

Aber auch ein Grund, wieder verstärkt auf US-Aktien zu setzen, die sich in den kommenden Wochen weiter deutlich besser schlagen dürften als ihre europäischen Pendants.

Gerade europäische Aktien könnten durch die sich umkehrenden Kapitalströme weiter unter Druck geraten. Mit BASF oder Daimler warten schwere Zeiten auf Sie.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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