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Mit dem Open Interest die Terminmärkte durchleuchten

Viermal im Jahr wird dem konservativ orientierten Börsianer deutlich, dass es neben dem Kassamarkt, an dem Aktien und Derivate sofort bezahlt und geliefert werden, auch einen Terminmarkt gibt.

An den großen Verfallsterminen (3. Freitag im März, Juni, September und Dezember) beobachten Börsianer mit Spannung, wie der Aktienmarkt auf die Verfallstermine der Aktien- und Indexoptionen sowie der Futures reagiert. Denn an diesem Tag sterben die alten Kontrakte und neue Kontrakte mit längeren Laufzeiten werden geboren, was häufig zu Kursbewegungen in die eine oder andere Richtung führt.

Wenn ein DAX-Future-Kontrakt, angenommen seine Laufzeit endet im März 2013, am 15. März sein Leben aushaucht, dann ist auch für all die Optionen Schluss, die sich auf diesen Kontrakt beziehen. Wie Sie vielleicht wissen, sind große Kapitalsammelstellen, Fondsmanager und Vermögensverwalter häufig am Markt, um Optionen zu schreiben.

Wenn sich aber ein Verfallstermin anbahnt, kann das dazu führen, dass sich die großen Investoren mit Käufen zurückhalten oder zu Verkäufen veranlasst sehen, um einzelne Aktien auf Kursniveaus zu bewegen, die den größtmöglichen Vorteil aus dem Verfall bestimmter Optionen ermöglichen.

Open Interest: Wichtig bei Terminmärkten

In diesem Zusammenhang sprechen technische Analysten häufig von einer Analyse des „Open Interest“ (OI). Diesen Begriff wortwörtlich zu übersetzen, ist nicht sinnvoll, denn Interest bedeutet in der Börsensprache in der Regel Zins und damit haben wir es ganz und gar nicht zu tun. Halten wir uns also an die Definition: Es handelt sich um die Anzahl der nicht geschlossenen Options- und Futureskontrakte am Schluss eines Handelstages.

Ein Anstieg oder eine Reduzierung gibt dem Marktbeobachter eine wichtige Information darüber, ob spekulatives Kapital in den Markt hineinfließt oder abgezogen wird. Sie erinnern sich bestimmt an den Chaikin Money Flow Index, den ich Ihnen in der letzten Woche erklärt habe. Hierbei handelt es sich um eine Kapitalflussanalyse für Wertpapiere, während das Open Interest den Kapitalfluss in Kontrakte des Termingeschäfts analysiert.

Wegen des geringen Kapitaleinsatzes und der aufgeschobenen physischen Lieferung der Ware (wo sollte er auch das gehandelte Erdöl oder den gehandelten Weizen lagern?) bewegt sich der Spekulant auf dem Terminmarkt, aber indirekt beeinflussen diese Kapitalströme auch die Aktienmärkte, die einen unmittelbaren Bezug zum jeweiligen Rohstoff haben.

Hier lohnt sich z. B. eine Analyse des OI am Ölmarkt in Verbindung mit den Kursbewegungen der Aktien von Ölförderunternehmen oder eine Untersuchung des Goldterminmarktes und der Goldminenaktien usw. Um es mit einem Satz zu sagen: Das Open Interest misst die Liquiditätsveränderungen am Terminmarkt und anderer Marktsegmente, die mit ihm verbunden sind.

Wichtig: Das Open Interest steigt bei jeder Börsentransaktion, die sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer eine neue offene Position erzeugt, um eins (A kauft erstmals einen Kontrakt, B leerverkauft erstmals einen Kontrakt).

Das Open Interest bleibt unverändert bei einer Transaktion, die eine Position eröffnet und eine andere (bereits offene) glattstellt (A verkauft seinen Kontrakt an C).

Das Open Interest sinkt, wenn die Transaktion sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer eine Position glattstellt (C verkauft an B).

Mein Tipp: Auf der Webseite der CME Group können Sie sich unter anderem das Open Interest für Devisenoptionen live ansehen. Sie finden dort aber auch die Daten aller wichtigen Agrar- und Energiemärkte.

Maikupfer im Tageschart (26.Februar 2013)

Maikupfer im Tageschart (26.Februar)

Wie Sie den Bund Future nach dem "Rollover" behandeln solltenBeim Bund Future gibt es 2 Probleme, die charttechnische Situation korrekt beurteilen zu können. › mehr lesen

(Quelle: ProRealtime.com)

Beispiel: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am 18. Mai 2012 meldete, ist die Anzahl der offenen Kupferkontrakte an der London Metall Exchange auf ein Zweijahrestief zurückgegangen. Ich habe Ihnen zu dieser Meldung den Kupferkontrakt Mai 2013 abgebildet.

Sie können an der roten Linie erkennen, wie sich der Kupferpreis in New York im Preis abschwächte. Interessanterweise fiel der Chaikin Money Flow (CMF, rote Balken) sogar stärker zurück als der Kurs, was die Vermutung bestärkt, dass Sie, wenn Sie das Open Interest nicht ermitteln können, auch auf den CMF (ProRealtime.com und StockCharts.com) zurückgreifen können.

Wie funktioniert das Open Interest?

Ich habe außerdem den aktuellen Open-Interest-Wert (OI) der Kupferkontrakte in Chicago (CME Group) für Sie ermittelt, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, ob die gestrige leichte Kurserholung im Kupfer mit einer Veränderung des OI einhergeht.

Wenn Sie auf der Webseite der CME Group nachschauen, werden Sie schnell sehen, dass der Maikontrakt mit einem Totalvolumen von 53.364 Kontrakten der meistgehandelte Kontrakt ist. In der Spalte Open Interest (OI) sehen Sie eine Zunahme der offenen Maikontrakte um plus 4.382 auf 98.119 Kontrakte.

Aktueller Open-Interest-Wert (OI) der Kupferkontrakte in Chicago

Im unteren Chartbereich sehen Sie, dass sich die Anzahl der offenen Maikontrakte (rote Kurve, OI) im Februar stetig erhöht hat. Ebenso hat sich das gehandelte Kontraktvolumen (Säulen, blau) auf zuletzt 53.364 stetig erhöht. Es darf vermutet werden, dass die Kurse für Kupfer weiter fallen werden, weil sich die Anzahl der offenen Kontrakte im Abwärtstrend verstärkt hat. Sollte sich das Open Interest eines Tages zurückbilden, ist mit einer Konsolidierung im Preis zu rechnen.

 

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