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Optionen handeln: Machen Sie sich die Volatilität zum Freund

Wer Optionen kauft, hasst Volatilität. Denn je höher die Volatilität ist, desto teurer machen die hohen Aufgelder die Optionen.

Daher gilt es, sich die Volatilität zum Freund und nicht zum Feind zu machen. Mit den passenden Strategien und Instrumenten profitieren Sie von hoher oder anziehender Volatilität.

Zur falschen Zeit gekauft, ist ein Verlust wahrscheinlicher

Gekaufte Optionen sind für den Käufer tückisch. Eine zur falschen Zeit gekaufte Option kann Verluste verursachen, obwohl sich der Basiswert wie gewünscht entwickelt. Nichts ist ärgerlicher, als mit einem Call Verluste zu machen, obwohl die Kurse steigen. Und doch passiert das Tradern immer wieder.

Wenn es passiert, dann liegt das am ungünstigen Kaufzeitpunkt zum Volatilitäts-Hoch. Denn je höher die implizite Volatilität einer Option beim Kauf ist, desto teurer wird sie auch. Das Problem dabei: Bis zum Laufzeitende der Option sinkt der Volatilitätsaufpreis grundsätzlich auf 0. Eine beim Kauf mitbezahlte hohe Volatilität zahlt sich also niemals aus, wenn die Option bis zur Endfälligkeit gehalten wird.

Die Volatilität hat teils entscheidenden Preiseinfluss

Welchen Einfluss die Volatilität auf den Optionspreis vor allem lang laufender Optionen hat, zeigt jeder Optionspreisrechner. Nehmen wir als Beispiel die Aktie von K+S. Nach dem Kurssturz vor einigen Tagen ist die implizite Volatilität der Optionen bei K+S besonders hoch.

Ein Call-Optionsschein mit Laufzeit März 2015 und Strike 15 Euro wird derzeit bei einer sehr hohen impliziten Volatilität von 53 % mit 5,60 Euro bepreist. Halbiert sich die implizite Volatilität bei ansonsten unveränderten anderen Bedingungen, sinkt der Preis der Option um 32 %.

Das Beispiel zeigt: Als Trader gilt es, den Kauf zu Zeiten hoher Volatilität um jeden Preis zu verhindern. Das ist bitter, denn gerade in den interessantesten Marktphasen ist die Volatilität besonders hoch. Immer, wenn die Kurse besonders rasant korrigieren, schießt die implizite Volatilität durch die Decke.

Nutzen Sie die Volatilität für sich aus

Doch als Trader können Sie auch Instrumente und Strategien nutzen, um von hoher Volatilität zu profitieren. Am einfachsten sind natürlich Handelsinstrumente, deren Basiswert die Volatilität selbst ist.

So gibt es verschiedene Turbo- und Faktor-Zertifikate zum Beispiel für den VStoxx, den Volatilitätsgradmesser des Euro Stoxx 50 Index. Mit einem Call-Zertifikat auf den VStoxx verdienen Sie unmittelbar Geld, wenn die Volatilität anzieht. Umgekehrt können Sie mit einem Put-Zertifikat auf eine fallende Volatilität setzen.

Verkaufen, wenn die Volatilität hoch ist

Solche Zertifikate bieten sich jedoch nur in wenigen Marktphasen an. Ein Put-Zertifikat kauft man am besten, wenn die Volatilität seltene Spitzenwerte erreicht, so wie 2002, 2008 und 2011. Der richtige Zeitpunkt für ein Call-Zertifikat ist schwieriger zu bestimmen. Die Volatilität kann teils jahrelang auf sehr niedrigem Niveau verharren. Die Finanzierungskosten für die Hebel-Zertifikate fressen in diesen Fällen die potentiellen Gewinne bei Erhöhung der Volatilität auf.

Die beste Strategie ist es, Optionen zu Zeiten niedriger Volatilität zu kaufen und zu Zeiten hoher Volatilität vor allem zu verkaufen.

Beim Optionsverkauf, also beim Aufbau einer Short-Position in Optionen, erhalten Sie eine Optionsprämie. Und diese Prämie fällt natürlich umso höher aus, je stärker die implizite Volatilität vor dem Verkaufszeitpunkt anstieg.

Bei Devisen ist der Optionshandel am einfachsten

Am einfachsten ist der Optionsverkauf im Devisenhandel. Viele Broker bieten das Trading von Devisenoptionen schon mit kleinem Kapitaleinsatz an. Schwieriger wird es bei Aktien-Optionen. Denn hier werden in der Regel sehr große Summen bewegt. Ein Optionskontrakt bezieht sich meistens auf 100 oder gar 1.000 Aktien. Entsprechend groß ist dann auch das Risiko.

Aktienoptionen handeln Sie am besten in Wertpapierform

Natürlich kennen auch Zertifikate-Emittenten das Problem und die Vorteile von hoher Volatilität. Und sie haben entsprechende Zertifikate entwickelt, mit denen Trader von Zeiten hoher Volatilität profitieren können. In der konservativsten Variante sind das Discount-Zertifikate und Aktienanleihen ohne Hebel. Für Trader interessanter sind die gehebelten Discount-Optionsscheine.

Allen diesen Zertifikaten ist gemein, dass sie mit verkauften Optionen konstruiert werden. Der Emittent verkauft also für den Anleger oder Trader eine Option und schüttet die Optionsprämie an den Käufer des Zertifikats aus. Bei Aktienanleihen geschieht es über den Zins, bei Discount-Zertifikaten und -Optionsscheinen geschieht es über einen Rabatt beim Kauf des Zertifikats.

Der Rabatt baut sich bis zur Endfälligkeit der Zertifikate auf 0 ab – der Preis der Zertifikate steigt also auch dann, wenn sich der Kurs des Basiswerts nicht ändern sollte. So können Sie sehr interessante Renditen erzielen. Auch dazu wieder ein Beispiel mit dem Basiswert K+S.

Beispiele für Short-Optionen in Zertifikateform

Ein Discount Call mit Basispreis 15 Euro und Laufzeit bis Dezember kostet derzeit 2,12 Euro. Liegt der Preis der Aktie am 20. Dezember bei 18 Euro oder mehr, zahlt der Emittent pro Option 3 Euro zurück. Das entspricht einem Gewinn von 42%. Da die Aktie derzeit 18,70 Euro kostet, kann der Kurs der Aktie also sogar noch um mehr als 3% sinken, ohne dass das den Gewinn von 42% tangieren würde.

Ein Discount-Zertifikat mit Laufzeit bis Dezember und Cap 18,50 Euro kostet derzeit nur 16,75 Euro. Notiert die Aktie am 20. Dezember bei 18,50 Euro oder mehr, dann bekommt der Zertifikate-Käufer vom Emittenten 18,50 Euro ausgezahlt. Das entspricht bei unveränderten Aktienkursen einem Gewinn von 7,5% in nur drei Monaten.

In Zeiten niedrigerer Volatilität können Discount-Zertifikate jedoch auch unattraktiv werden. Denn dann bekommen die Emittenten beim Verkauf der Option kaum noch Prämien, die sie in Form von Rabatten an die Zertifikate-Käufer ausschütten können.

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Über den Autor
Thomas Kallwass

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