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Bollinger Bands

Mit dem Verständnis der beiden Indikatoren, dem MACD und dem RSI, hat man das Rüstzeug für die Zustandsbeurteilung eines Basiswertes erlangt. Zur Ermittlung der Schwankungsbreite einer Bewegung auf kurze bis mittlere Sicht bedarf es eines weiteren Werkzeugs.

Hierzu hat sich ein Mann namens John Bollinger Gedanken gemacht. Er entwickelte eine Untersuchungsmethode, die mittels gleitender Durchschnitte einhüllende Linien(Bänder) produzierte, die nach unten und oben verschoben werden können.

Gegenüber der normalen Verschiebung gleitender Durchschnitte um einen festen Prozentsatz nach oben und unten hat Bollinger die Standardabweichung als Maß für eine variable Verschiebung festgelegt. Diese berücksichtigt die Volatilität (Schwankungsbreite) des zugrundeliegenden Wertes. Bollinger-Bänder sind ein unglaublich vielseitiges Werkzeug, aus dem sich zahlreiche Dinge ablesen lassen.

Zentral für unseren Punkt heute ist eine Eigenschaft der Bollinger Bänder, nämlich das Zusammenziehen der Bänder als Andeutung eines bevorstehenden Preisausbruchs (entweder nach oben oder nach unten).

Betrachten wir hierzu zunächst ein historisches Beispiel:

 

Bollinger Bands im Chart der Apple Aktie vom Juli 2010

Abb.: Historischer Wochenchart der Apple-Aktie

Um den Chart möglichst übersichtlich zu halten, habe ich hier sämtliche Gleitschnitte und weitere Indikatoren entfernt und nur die Bollinger-Bänder in Standardeinstellung über den Preis gelegt.

Wie Sie sehen können, ziehen sich diese vor Ausbrüchen bzw. während Konsolidierungsphasen zusammen und dehnen sich bei Ausbrüchen wieder.

Wäre es nicht gut, wenn man systematisch nach solchen „Kurz vor dem Ausbruch“-Situationen suchen könnte?

 

Die Bollinger-Bandbreite als nützlicher Indikator beim Aktienscreening

Hier kommt die sog. Bollinger-Bandbreite ins Spiel. Sehen wir uns die ganze Sache zunächst erst noch einmal grafisch an:

 

Bollinger Bands und Bollinger Bandbreite im Chart der Apple Aktie vom Juli 2010

Abb.: Historischer Wochenchart der Apple-Aktie

Oben sehen Sie nochmals die gleichen Chart wie vorhin, nur mit einer Änderung: Ich habe dem Chart einen zusätzlichen Indikator hinzugefügt, die sog. Bollinger-Bandbreite. Diese veranschaulicht grafisch den Abstand, welchen die Bänder voneinander haben.

Wenn Sie die Tiefpunkte der Bandbreite mit dem obigen Chart genau vergleichen, sehen Sie relativ schnell, dass diese ziemlich mit den gesuchten Situationen im Chart übereinander liegen.

Wer also einen technischen Aktienscanner nutzt, kann diesem beibringen, nach Tiefpunkten in der Bollinger-Bandbreite zu suchen und dürfte damit ganz gut fündig werden, was potentielle Ausbruchskandidaten im Wertpapierbereich angeht.

 

Berechnung der Bollinger Bands

Bei den Bollinger Bands verbindet der Entwickler John Bollinger das Konzept der Trends mit dem Konzept der Beweglichkeit. Der Trend wird durch einen Gleitenden Durchschnitt berücksichtigt und die Beweglichkeit geht durch den Einsatz der Standardabweichung in die Konstruktion der Bollinger Bands ein.

Den Ausgangspunkt der Konstruktion bildet ein Gleitender Durchschnitt, der auch das mittlere Band ist. Das obere Band erhalten Sie, indem Sie die Standardabweichung mit einem konstanten Faktor multiplizieren und anschließend zum Wert des Durchschnitts addieren. Das untere Band wird durch eine Subtraktion der mit dem Faktor multiplizierten Standardabweichung erstellt.

Der Faktor ist dafür verantwortlich wie viel Prozent der Kurse statistisch gesehen innerhalb des oberen und unteren Bandes liegen. Statistisch gesehen liegen ca. 68% der Kurse in einen Bereich von +/- einer Standardabweichung um den Durchschnitt verteilt. In einem Bereich von zwei Standardabweichungen sind es schon ca. 95% und bei drei Standardabweichungen ca. 99% der Kurse.

Allerdings sollte man vorsichtig sein, wenn man im Zusammenhang mit Bollinger Bands statistische Aussagen vornimmt. Zum einen ist der Stichprobenumfang häufig zu klein, um im statistischen Sinne von einer Standardabweichung zu sprechen, hier sind mindestens 30 Werte erforderlich. Zum anderen wird bei statistischen Aussagen im Zusammenhang mit der Standardabweichung eine Normalverteilung der Daten vorausgesetzt, die bei Kursdaten nur selten gegeben ist.

John Bollinger schlägt als Standardeinstellung 20 Tage für die Berechnung des Durchschnitts und der Standardabweichung vor. Dazu empfiehlt er, den Faktor 2 zu verwenden.

F = Prozentsatz

 

Bollinger Bands %b

Der Indikator %b gibt die relative Position des Schlusskurses zu den äußeren Bändern an. Der Indikator %b wurde in Anlehnung an den Stochastic-Indikator definiert und bei seiner Berechnung wird die Differenz aus Schlusskurs und dem unteren Band durch die Differenz aus oberem und unterem Band geteilt.

Der Wertebereich des %b ist jedoch nicht wie beim Stochastic auf den Bereich von 0 bis 100 normiert, da der Schlusskurs auch außerhalb der Bänder liegen kann. Wenn Sie den %b auf den Kursverlauf anwenden, ist dieser eine andere Darstellungsweise der Bollinger Bands.

Ein Wert von 1 im %b zeigt das Schneiden des oberen Bands durch den Kursverlauf an, während ein Wert von 0 im %b den Schnittpunkt mit dem unteren Band angibt. Bei einem Wert von 0.5 befindet sich der Kurs auf dem mittleren Band.

Der Kurs befindet sich um 10% der Bandbreite unterhalb des unteren Bands, wenn der %b bei -0,1 liegt. Bei einem Wert von 1,2 im %b befindet sich der Kurs um 20% der Bandbreite oberhalb des oberen Bands.

 

Bollinger Bands BandWidth

Die BandWidth gibt die Breite der Bänder im Verhältnis zum Gleitenden Durchschnitt an und ist damit ein Indikator, der die Volatilität anzeigt.

Die BandWidth berechnet sich, indem die Differenz aus dem oberen und dem unteren Band durch das mittlere Band (dem Durchschnitt) geteilt wird.

John Bollinger verwendet die BandWidth, um einen steigenden oder fallenden Trend zu erkennen. Viele Trends haben ihren Ursprung in einer seitwärtsgerichteten Kursbewegung bei der die Volatilität und damit auch der BandWidth-Indikator niedrig ist.

Wird ein Ausbruch aus dieser seitlichen Schiebezone durch ein plötzliches Ansteigen der Band-Width begleitet, deutet dies auf den Beginn eines nachhaltigen Trends in Richtung des Ausbruchs hin.

 

Bollinger Bands und die beiden abgeleiteten Indikatoren %b und BandWidth

Grafische Darstellung der Bollinger Bands, des %b Indikators und der Bollinger Bands BandWidth im Chart des DAX für den Zeitraum von Januar 2005 bis August 2006

Die BandWidth ist ein normierter Maßstab für die Volatilität und nicht von der Höhe des Kursniveaus abhängig. Störend wirkt jedoch, dass die absolute Höhe des Indikators von dem Faktor beeinflusst wird, mit dem der Wert der Standardabweichung bei der Konstruktion der Bollinger Bands multipliziert wird.

Bei einem Faktor von 1 ist der Abstand der Bänder 2 Standardabweichungen breit, bei einem Faktor von 2 beträgt der Abstand 4 Standardabweichungen.

 

Variationskoeffizient zur Messung der Volatilität

Zur Messung der Volatilität, empfiehlt es sich, den Variationskoeffizienten zu verwenden. Der Variationskoeffizient ist nicht anderes als der Quotient aus der Standardabweichung und dem Durchschnitt. Der Variationskoeffizient bietet vergleichbare Messergebnisse für die Volatilität wie die BandWidth, die jedoch unabhängig von dem bei den Bollinger Bands verwendeten Faktor sind. Bei der Verwendung von 0,5 als Faktor sind BandWidth und Variationskoeffizient identisch.

John Bollinger geht davon aus, dass sich Volatilität zyklisch verhält, auch wenn es die Kurse selbst nicht tun. Niedrige Volatilität sorgt für hohe Volatilität und hohe für niedrige.

 

Ein praktisches Beispiel

Kurse oberhalb vom oberen Bollinger Band signalisieren einen überkauften Markt, während Kurse unterhalb vom unteren Bollinger Band eine überverkaufte Situation anzeigen.

Damit aber nicht genug! Die Bollinger-Bänder geben weitere Informationen preis. Eine große Entfernung der beiden Bollinger Bänder ist ein Hinweis auf einen zu Ende gehenden Trend. Umgekehrt deutet ein schmaler Abstand der Bollinger Bänder auf einen bald startenden neuen Trend hin.

Verengt sich ein Band durch eine gesunkene Volatilität, steht oft eine heftige Preisbewegung bevor. Gipfel und Tiefpunkte, die sich außerhalb der Bandbreite bilden und innerhalb wiederholen, deuten auf eine bevorstehende Trendwende hin.

 

Bollinger Bands im Chart des XETRA vom Juli 2007

Der vorliegende Chart des DAX vom gestrigen Montag zeigt, dass der untere Rand des Bollinger Bandes eine zusätzliche Stützfunktion für den Index gehabt hat. Am oberen Rand des Chartbildes können Sie unter dem Kürzel BBD in roter Schrift die Werte für den oberen und den Rand, zwischen denen der Kurs normalerweise hin und her schwankt, ablesen.

Die gestrichelte Linie stellt den Durchschnittswert dar. Bewegt sich also der Kurs darüber, ist dies positiv im Sinne des kurzfristigen Trends zu interpretieren, bewegen sie sich darunter ist dies ein negatives Zeichen. Aktuell befindet sich der DAX nach der Interpretation der Bollinger-Bänder auf dem absteigenden Ast.

Dass der DAX am Rand des Bandes zunächst abgedreht hat bedeutet aber nicht, dass ein möglicher Ausbruch aus dem Band auf der Unterseite unmöglich geworden ist. Im Gegenteil: Wird das Band „durchhandelt“, ist ein Fortbestehen des eingeleiteten Trends sehr wahrscheinlich.

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