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Die Tasse mit Henkel: Chart-Formation mit 90 Prozent Trefferquote

Manche Chartformationen sind nicht einfach zu erkennen und können einen Neuling der Charttechnik leicht auf die falsche Fährten führen. Zum Beispiel mit dieser Formationen lässt sich jedoch eine Trefferquote von mehr als 90 Prozent erzielen.

Die Rede ist von der Trendfortführungsformation „Tasse mit Henkel“. Um sich in der Materie leichter zurechtzufinden, ist es unerlässlich zu wissen, ob man es mit Trendumkehr- oder Trendfortführungsformationen zu tun hat.

Bevor ich auf Chartsituationen eingehe, schauen wir uns ein Beispiel von John Murphy an, um zu erfahren, auf welche Parameter Sie besonders achten sollten. Sie sollen schließlich auch wirklich auf eine Trefferquote von 90 Prozent kommen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal darauf hinweisen, wie wichtig es ist, ein Logbuch zu führen. Bevor Sie mit echtem Geld an die Börse gehen, sollten Sie demnach Ihre Entscheidungen so dokumentieren, dass Sie jederzeit darauf zurückgreifen können. Es gibt keinen besseren Lehrmeister als die eigene Erfahrung.

„Tasse mit Henkel“- Formation am Beispiel der EMC Corp.

Aber kommen wir zu den Identifikationspunkten, die Sie kennen sollten. In der Praxis werden Sie natürlich solch einen idealen Chart nicht auf Anhieb finden, weshalb es wichtig ist, primär nach den Parametern zu suchen und erst in zweiter Linie danach, ob das Schaubild wirklich wie eine Tasse mit Henkel aussieht.

Suchen Sie nach einer Trendbewegung, die mit einer „Tasse“ korrigiert wird. Sie kennen Fortsetzungsformationen bereits, die wie Flaggen oder Wimpel aussehen. Im Beispiel haben Sie es mit einer komplexeren Gegenbewegung innerhalb des primären Aufwärtstrends zu tun, die aus zwei Teilen besteht: erstens der Tasse (Cup, blau) und zweitens, nachdem der Tassenrand (Gerade, blau) erreicht wurde, dem Henkel (Handle, rot), der durch eine kleine Seitwärtsbewegung entsteht.

Wenn Sie den Ausbruch über den Tassenrand abwarten, ist die Formation vollständig. Die anschließende Aufwärtsbewegung tritt nach Thomas Bulkowski mit einer Trefferquote von 90 Prozent ein.

Aber aufgepasst: Jetzt kommen die Parameter, auf die Sie achten sollten. Der Analyst und Entdecker dieser Formation, William O’Neil, stellt gewisse Mindestansprüche an die Bodentiefe, also den Abstand zwischen Tassenboden und Tassenrand. Dieser Abstand sollte mindestens 12 Prozent und maximal 33 Prozent betragen.

Die Erfahrung und statistische Untersuchungen von Thomas Bulkowski kommen zu etwas großzügigeren Grenzen, weshalb ich Ihnen empfehle: Nehmen Sie das Fibonacci-Retracement von max. 38,2 Prozent. Das geht am schnellsten und ist einfach nachzuvollziehen, weil die meisten Chartsoftwareprogramme die Fibonacci-Berechnungen bereits enthalten.

So jetzt kommen wir zum Handelsvolumen an der Ausbruchsstelle: Das Volumen sollte ansteigen. Übrigens sollten Sie auch wissen, dass es sich um eine Formation handelt, die weniger für Trader als vielmehr für langfristig orientierte Anleger interessant ist, weil sie sich für eine Ausbildung zwischen 7 und 65 Wochen Zeit nehmen kann.

Die Henkelbildung dauert allerdings nur 1 bis 4 Wochen. Nach dem Ausbruch kommt es in 74 Prozent aller Fälle noch einmal zu einem Test der Ausbruchslinie, die von Tradern gerne genutzt wird.

Chart: Tasse-mit-Henkel-Formation am Beispiel

(Quelle:StockCharts.com)

Die Kurszielberechnung: Nehmen Sie die rechte Spitze am Tassenrand (Pfeil, rot) und ermitteln Sie die Kursdifferenz zum Tassenboden. In unserem Beispiel sind das 9 US-Dollar. Diese 9 Dollar addieren Sie zum Ausbruchsniveau an der blauen Linie hinzu und erhalten das Kursziel von 41 US-Dollar.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Kursziel erreicht wird, liegt bei 49 Prozent. Mein Tipp: Planen Sie Ihre Positionsgröße so, dass Sie Teilgewinne bereits nach 50 Prozent der Kursdifferenz (also nach einem Plus von 4,50 US-Dollar) realisieren und den Rest, wenn der Zuwachs 9 US-Dollar erreicht. Setzen Sie zusätzlich einen Trailing-Stop, einen Stop-Loss, den Sie nachziehen, dann arbeiten Sie sich an den optimalen Exitpunkt heran.

Beispiel für Tasse mit Henkel Formation an BMW Aktie

BMW zeigt im Wochenchart einen primären Aufwärtstrend, eine wesentliche Voraussetzung für ein Fortsetzungsmuster. Denn nach O’Neil sollte die Aktie vorher mindestens 30 Prozent gestiegen sein, und das ist bei der BMW Aktie gegeben.

Die Bodentiefe der „Tasse“ erreicht mit 28,1 Prozent ebenfalls die Anforderungen O’Neils und Bulkowskis. Während der Henkelbildung haben sich die Umsätze zurückentwickelt. Der Kursrückgang in der Henkelphase beträgt 15 Prozent, was ebenfalls den Anforderungen gerecht wird.

Die Tassenränder sollten auf ähnlich hohem Niveau liegen. BMW zeigt eine leicht steigende Widerstandslinie (grün) was noch tolerierbar ist. Es gehört also viel Erfahrung dazu, diese Formation zu erkennen und zu parametrisieren aber die Arbeit lohnt sich.

Chart: BMW Aktie mit

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