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Börsen: Saisonale Gefahr bis Anfang Oktober

Anlegen an der Börse könnte so schön sein. Wenn nur die Monate August und September nicht wären. Je nach Land markiert der September nämlich für gewöhnlich den schwächsten Börsenmonat.

Der August (in selteneren Fällen auch der Oktober) gehört den zweitschlechtesten. Warum das so ist, weiß kein Mensch. Aber dass es so ist, lässt sich statistisch belegen.

Von daher ist die Wahrscheinlichkeit schwächerer Kurse in den kommenden Monaten besonders hoch. Diesem Umstand sollten Sie als Anleger Rechnung tragen.

Was den DAX angeht, so waren von 28 Augusten seit dem Jahr 1988 14 negativ und 14 positiv. Nun klingt eine 50 %-ige Gewinnwahrscheinlichkeit für den Monat August nicht sonderlich schlecht.

Doch im Durchschnitt kommt die Gewinnwahrscheinlichkeit für alle Monate des Jahres auf immerhin 66 % (weil Aktien nun einmal häufiger steigen als fallen). Der August ist somit ein unterdurchschnittlicher Börsenmonat.

Wenn der August negativ wird, dann richtig negativ

Erschwerend kommt hinzu, dass der August richtig mies ausfällt, wenn er denn schon mal negativ wird. Das durchschnittliche Minus aller miesen Augustmonate der letzten Jahre belief sich nämlich auf erschreckende -7,25 %. Die Crasherfahrungen vom August 2015 oder (schlimmer noch) vom August 2011 sind vielen Anlegern sicher noch in Erinnerung geblieben.

An der US-Leitbörse S&P 500 sieht die Sache ähnlich mies aus. Das war nicht immer so. Im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts war der August der beste Börsenmonat überhaupt.

Denn immer, wenn im August die Ernte abgeschlossen war, wurde ein Teil der Erlöse an der Börse investiert, was die Kurse trieb. So zumindest der offizielle Erklärungsansatz.

Inzwischen hat sich das Bild komplett gewandelt. Der August ist immer häufiger ein schwacher Börsenmonat geworden. Wenn er negativ ist, dann gleich richtig stark negativ.

Ein Grund für diese schwache Performance heute mag darin liegen, dass das Umsatz-Volumen an den Märkten dünn ist, weil zu viele Anleger und Investoren im Urlaub sind.

Schon kleinere Orders können dadurch für große Bewegungen sorgen. Seltsam ist jedoch, dass diese Bewegungen nur nach unten so groß ausfallen und höchst selten nach oben.

Es ist ratsam, dieses Saisonalmuster ernst zu nehmen. Ich befürchte sogar, dass es zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden ist.

Weil viele Anleger einen schwachen August/ September fürchten, sind sie schneller bereit, bei den geringsten Anzeichen einer Kursschwäche zu verkaufen. Wenn alle das gleichzeitig tun, haben wir den nächsten Blitzcrash. Automatische Handelssysteme verstärken den Effekt zusätzlich.

Mein Rat: Eine Korrektur ist auch ein Geschenk

Als Anleger sollten Sie daher in den kommenden Wochen nicht den Helden spielen und übermäßig große Positionen halten. Schauen Sie auf den Trend. Zeigen sich Anzeichen einer größeren Kursschwäche, überprüfen Sie Ihre Investitionsquoten.

Aber handeln Sie nicht kopflos. Verkaufen Sie nicht gleich alle Aktien. Denn die Börsenmonate August und September müssen ja nicht zwangsläufig in jedem Jahr schwach ausfallen, nur weil eine statistische Wahrscheinlichkeit dafür spricht. Gerade mit soliden Langfrist-Anlagen können Sie eine Kursschwäche auch aussitzen.

Die saisonale Spätsommer-Schwäche hat auch Ihr Gutes: Sie bringt voraussichtlich wieder richtig günstige Einstiegskurse. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk der Börse quasi.

Denn es gibt noch ein anderes saisonales Muster: die Jahresendrally. Sie beginnt für gewöhnlich Anfang Oktober und dauert bis Silvester.

Auch sie war in den letzten Jahrzehnten immer sehr zuverlässig. Von daher sollten Sie die mögliche Spätsommerschwäche als Chance nutzen und nicht als Gefahr sehen.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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