MenüMenü

Die zehn Risiken beim Investieren: 7.-10.. Die sonstigen Risiken

Viele Anleger betrachten lediglich das Kurs- bzw. Preisrisiko. Fortgeschrittene Anleger kennen spätestens seit Lehman Brothers auch noch das meist überbewertete Emittenten-Risiko. Doch dabei handelt es sich nur um zwei der Risiken, denen man sich beim Investieren aussetzt. Ich zähle mindestens zehn verschiedene Risikoarten und betrachte nach und nach jedes davon. Heute zum Abschluss: Die sonstigen Risiken

Unter sonstige Risiken fasse ich folgende Risiken zusammen: das operationelle Risiko, das Settlement Risiko, das politische Risiko und das systemische Risiko.

Ist Ihr Depot abgesichert, wenn Sie plötzlich krank werden?

Mit operationellen Risiko werden alle Risiken beschrieben, die sich aus dem täglichen Geschäftsbetrieb entwickeln. Es betrifft vor allem Großorganisationen wie Banken, wo einzelne Mitarbeiter nur schwer zu kontrollieren und großen Schaden anrichten könnten. Aber auch beim Kleinanleger gibt es operationelle Risiken. Gibt es im Urlaub Internetzugang, um notfalls das Depot glattstellen zu können? Ist die TAN-Liste zur Freigabe von Transaktionen mit im Urlaubsgepäck? Was passiert mit dem Depot im Falle einer plötzlichen Krankheit? Wissen Angehörige, was in solchen Fällen mit dem Depot zu tun ist – oder stellen Sie nach Entlassung aus dem Krankenhaus fest, dass all Ihre Zertifikate ausgeknockt wurden? Für seltene Notfälle wie diese gilt es, Vorsorge zu treffen.

Das Settlement Risiko betrifft vor allem den außerbörslichen Handel

Das Settlement Risiko ist vor allem im außerbörslichen Handel von Relevanz. Beschrieben wird damit das Risiko in der Regel maximal 24h lang bestehende Risiko einer wegen Insolvenz des Handelspartners nicht eingehenden Überweisung oder Wertpapierlieferung. Beim außerbörslichen Handel überweist Ihr Broker an den Handelspartner Geld für Wertpapiere, im Vertrauen auf zeitgleiche Wertpapierlieferung. Ob die Wertpapiere wirklich geliefert wurden, weiß der Broker aber frühestens am nächsten Morgen. Diese Unsicherheit, ob der Handelspartner seine Pflichten aus einem Geschäft erfüllt, ist das Settlement Risiko. Absichern kann man sich dagegen, indem man grundsätzlich über Börsen handelt. Die Börse stellt die Gegenleistung des Handelspartners sicher.

Das politische Risiko – eng verknüpft mit dem rechtlichen Risiko

Das politische Risiko kennt jeder Anleger von Repsol. Repsol wurde von der argentinischen Regierung zwangsenteignet. Ähnlich dürfte es auch vielen Aktionären gegangen sein, die nach der Wahl von Hugo Chavez noch in Venezuela engagiert waren. E.On Aktionäre waren wie vor den Kopf gestoßen, als die amtierende Regierung über Nacht die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke in einen vorzeitigen Atomausstieg umwandelte.

Das politische Risiko ist eng mit dem rechtlichen Risiko verbunden. Es beschreibt salopp gesagt die Möglichkeit, dass sich auch als unumstößlich angenommene politische Grundsätze unversehens ändern und sich damit auch Investitionsgrundlagen plötzlich in Luft auflösen. Schutz gegen politische Risiken ist nur über ein möglichst diversifiziertes Depot zu erreichen. Wer nicht all sein Kapital in ein Land, eine Branche investiert, ist von politischen Entscheidungen immer nur teilweise betroffen.

Das systemische Risiko ist kaum zu bändigen

Das systemische Risiko ging im Verlauf der Finanzkrise hunderttausendfach durch die Presse. Mit diesem Risiko ist die Möglichkeit gemeint, dass kerngesunde Unternehmen durch die Pleite eines anderen Marktteilnehmers mit in den Abgrund gerissen werden. Aufgrund der engen Verflechtung aller Banken untereinander führt die Pleite einer Großbank zu einem Domino-Effekt, bei dem zahllose andere Banken zu Opfern werden könnten. Die insolventen Banken wiederrum führen zu Schockwellen in der Realwirtschaft. Unternehmen kommen nicht mehr an ihre Cashbestände, haben keinen Zugang mehr zu Krediten und gehen möglicherweise ebenfalls pleite. Die mit einer einzelnen Bankpleite begonnene Krise frisst sich durch die ganze Wirtschaft.

Gegen das systemische Risiko ist kein Kraut gewachsen. Selbst eine Depot-Diversifikation schützt dagegen nur wenig. In der Hochphase der Finanzkrise verloren praktisch alle Anlageklassen gleichermaßen an Wert. Der beste Schutz gegen das systemische Risiko ist neben Diversifikation eine strikte Begrenzung der Anlagemittel. Verwenden Sie wirklich nur verzichtbares Kapital für Ihre Investitionen, könnten Sie notfalls auf das Kapital verzichten oder Jahre warten, bis sich die Krisensymptome gelegt haben und die Kurse wieder steigen? Wenn die Antwort auf diese Fragen „Nein“ lautet… wenn Sie auf kontinuierliche Erträge Ihrer Investitionen angewiesen sind oder sogar Finanzanlagen auflösen müssen, um Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, dann ist das systemische Risiko eine reale Gefahr für Ihren Lebensstandard.

Hier gelangen Sie zu den zehn Risiken beim Investieren

Preisrisiko

Modellrisiko

Liquiditätsrisiko

Währungsrisiko

Emittentenrisiko

Rechtliches Risiko

Sonstige Risiken:

Operationelles Risiko

Settlement Risiko

Politisches Risiko

Systemisches Risiko

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

Regelmäßig Analysen über Börsenwissen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Thomas Kallwass. Über 344.000 Leser können nicht irren.