MenüMenü

Bilanzen lesen: Die Eigenkapitalquote

Eigenkapitalquote
Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote sind in der Regel solider und weniger krisenanfällig, jedoch hat dies ebenso Nachteile. © Adobe Stock - SBH

Ein Unternehmen hat Besitz. Angefangen von Immobilien, Werkhallen, Grundstücken vielleicht, Vorräte, Cash-Bestände, Firmenwagen, Forderungen gegenüber anderen Unternehmen, Laptops, was weiß ich. Wenn man das alles addiert, dann wird die Summe als „Aktiva” des Unternehmens bezeichnet.

Was sagt die Eigenkapitalquote aus?

Von nichts kommt nichts und diese Aktiva müssen irgendwie finanziert sein. Im Wesentlichen gibt es diese Quellen: Mit dem Geld der Aktionäre, durch Gewinne aus den Vorjahren, durch Schulden (bei Banken oder Lieferanten oder am Kapitalmarkt). Letzteres – die Schulden – sind das Fremdkapital. Die anderen Quellen (Geld der Aktionäre, Gewinnrücklagen) werden Eigenkapital genannt. Und die Eigenkapitalquote sagt nun aus, wie viel Prozent der Aktiva durch Eigenkapital gedeckt bzw. finanziert sind.

Eine Eigenkapitalquote von 100 % würde besagen, dass die kompletten Aktiva durch Geld der Aktionäre und Gewinnrücklagen finanziert sind. Keinerlei Schulden. Eine Eigenkapitalquote von 0 % würde besagen, dass überhaupt kein Geld der Aktionäre mehr vorhanden ist, auch keinerlei Gewinnrücklagen. Alles ist mit Schulden finanziert.

Eigenkapitalquote – eine wichtige Faustregel

Je höher die Eigenkapitalquote, desto solider und weniger krisenanfällig das Unternehmen. Es müssen schließlich weniger Zinsen gezahlt werden, es bleibt mehr für Investitionen. In einer Krise stehen Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote tendenziell besser da. Also Eigenkapitalquote von 100 % erstrebenswert? Warum gibt es die nur sehr selten?

Weil es für die Aktionäre durchaus besser ist bzw. sein kann, wenn ein Teil der Investitionen mit Krediten finanziert wird. Wenn eine Investition eine Rendite von 10 % bringt, dafür ein Bankkredit zu 6 % Zinsen aufgenommen werden muss, dann lohnt sich das. Vielleicht kann das Unternehmen sogar eine Anleihe zu nur 5 % am Markt platzieren. Das ist für die Aktionäre dann günstiger, als die Investition selber mit frischen Kapital zu finanzieren.

Grafik: Hände heben den Trend

Dividendendiskontierungsmodell DDM zur FundamentalanalyseMit dem Dividendendiskontierungsmodell (DDM) ermittelt man den theoretisch fairen Preis einer Aktie. › mehr lesen

Fazit: Unter 10 % ist zu niedrig

Es gibt hier kein richtig oder falsch, kein 100 % oder 0 %. Es kommt darauf an. Tendenziell gilt, dass Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote solider und weniger krisenanfällig sind, dafür ist der Aktienkurs aber vielleicht auch einen Ticken langweiliger.

Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Bei der Bayer AG liegt die Eigenkapitalquote im Bereich 35 %. Alles unter 10 % ist meiner Ansicht nach indiskutabel niedrig.

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
michael-vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Michael Vaupel. Herausgeber: FID Verlag GmbH. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz