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US-Notenbanksitzung: Zinsen steigen künftig moderater

Die gestrige US-Notenbanksitzung ist „durch“. Sie verlief offenbar so, wie sich der Markt das erhofft hatte, denn die Kurse stiegen gestern.

Das war im Vorfeld alles andere als sicher. Während der Leitzins in den USA unverändert gelassen wurde, achteten die Märkte vor allem auf die Aussagen der Notenbank in Bezug auf weitere Zinsschritte.

Im Dezember ging die Notenbank noch davon aus, dass es zu vier Zinserhöhungen im Jahr 2016 kommen werde. Jetzt sind es gemäß den mittleren Erwartungen der Fed-Mitglieder nur noch maximal zwei (zu je 25 Basispunkten).

Nach Aussage der US-Notenbank ist dieses vorsichtigere Vorgehen vor allem den internationalen Unsicherheiten geschuldet. Die Weltwirtschaft und die finanziellen Entwicklungen würden weiterhin Risiken für die US-Wirtschaft bedeuten, so die Fed.

Was die Notenbank verschweigt: Ihr eigener Zinserhöhungskurs ist die eigentliche Bedrohung für das Wachstum der US-Wirtschaft. Denn diese kam in dem Moment ins Straucheln, als das Anleihenkaufprogramm im Oktober 2014 eingestellt wurde. Seither haben auch die US-Börsen schwer zu kämpfen.

Ein wenig verwundert die jetzt wieder moderate Haltung der US-Notenbank auch angesichts der Inflation. Die Verbraucherpreisinflation ist in den letzten Monaten deutlich angesprungen – von nahe null Prozent auf deutlich über ein Prozent.

Der deflationär wirkende Ölpreisverfall ist zum Erliegen gekommen. Die Kernrate, ohne Energie- und Lebensmittelpreise, stieg hingegen von 2,2 auf 2,3 Prozent. Damit würde die Inflationsrate eigentlich im Zielbereich der Fed liegen und könnte auch eine Zinserhöhung rechtfertigen.

Offenbar will man aber erst einmal abwarten, ob sich die Dinge hier weiter in Richtung der Fed-Inflationsschwelle von 2 Prozent entwickeln. Womöglich kommt es dann auf der nächsten Sitzung zum einem neuen Zinsschritt.

Die US-Notenbank hat ihre Inflations- und Wachstumserwartungen für 2016 leicht gesenkt. Sie rechnet nun im Mittel mit einem Wachstum von 2,2 Prozent (bisher: 2,4 Prozent), einer PCE-Inflationsrate von 1,2 Prozent (bisher: 1,6 Prozent) und einer PCE-Kernrate von unverändert 1,6 Prozent.

Den Arbeitsmarkt sieht sie etwas robuster, die privaten Ausgaben würden weiter in moderatem Tempo steigen, der Hausmarkt verbessere sich weiter. Also alles Friede, Freude, Eierkuchen. Kein Wort etwa über den NFIB Small Business Survey, der im Februar auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren absackte.

Oder über die Gewinnschätzungen der US-Unternehmen, die seit dem vergangenen Sommer immer weiter nach unten geschraubt werden müssen. Zuletzt in beängstigender Rekordgeschwindigkeit.

Aber Selbstkritik ist von einer Notenbanksitzung auch nicht zu erwarten. Die Märkte werden die schöne rosa Welt der Fed nach ein paar Tage nachwirken lassen. Danach schauen wir mal.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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