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Türkei: Terrorschock für die Börse?

Man weiß gar nicht, wo man dieser Tage zuerst hinschauen soll:

Der Börsencrash in China, die Entwicklungen beim DAX, die Rohstoffmärkte oder die geopolitischen Entwicklungen (z.B. der Terroranschlag in Istanbul) oder die innenpolitischen Entwicklungen in unserem Land.

Eigentlich wollte ich heute wieder auf Thailand eingehen, wo ich Anfang Dezember war. Aber stattdessen sprechen wir heute über die Türkei.

Das Land am Bosporus wurde diese Woche von einem schrecklichen Terroranschlag überschattet. Auch wenn es in Istanbul stattfand, so ist es erneut ein Anschlag auf unser aller freies Leben.

Denn der Anschlag fand im Touristenviertel Sultanahmet statt. Der Selbstmordanschlag erfolgte in der Nähe der weltbrühmten und wünderschönen Blauen Moschee. Die türkische Börse reagierte auf die Anschläge jedoch überhaupt nicht. Der ISE 30, das Gegenstück zum deutschen Leitindex 30, notierte nach den Anschlägen sogar im Plus.

Dafür gibt es 2 Gründe: Einerseits wird die Türkei an der Börse nicht so stark mit dem Wirtschaftszweig „Tourismus“ verbunden wie beispielsweise das Nachbarland Griechenland.

Der andere Grund: Die Börsianer bewegt in Fragen der Türkei primär die Politik von Erdogan und was sein Machtausbau für das Land bedeuten wird.

Deshalb war der türkische Aktienmarkt, einer der Lieblinge der vergangenen Dekade, in 2015 eine der schwächsten Börsen der Welt.

Im vergangenen Jahr verlor der marktbreite ISE 100 Index knapp – 19 % an Wert. Denn Börsianer sorgen sich, dass Erdogan die demokratischen und marktwirtschaftlichen Fortschritte der vergangenen Jahre nach und nach wieder rückgängig macht.

Türkei: Die wahren Probleme

Der schreckliche Terroranschlag von Istanbul hatte keine Auswirkungen auf die dortigen Börsen. Trotzdem sollten Sie bei Türkei-Investments vorsichtig sein.

Der marktbreite ISE 100 Index befindet sich fast einem Jahr in einem mustergültigen mittelfristigen Abwärtstrend. Erst Anfang Dezember wurde ein neues Jahrestief markiert – ein prozyklisches Verkaufs-Signal.

Noch wichtiger: Der langfristige, seit 2009 gültige Aufwärtstrend ist an der türkischen Börse inzwischen nachhaltig gebrochen! Die ultra-langfristigen Aufwärtstrends sind noch intakt.

Aber der Aufwärtstrend seit dem Ende der Finanzkrise 2007/08 ist Geschichte. Dieser Aufwärtstrend hatte zu einer Verdreifachung des ISE 100 geführt.

Folglich ist der Index von seinen ultra-langfristigen Aufwärtstrends weit entfernt und besitzt dementsprechend gefährliches Rückschlagspotential – vor allem angesichts der ohnehin negativen Stimmung gegenüber den Emerging Markets.

Der ISE 100 notiert aktuell rund 5% über der entscheidenden Unterstützungszone. Sollte diese Zone gebrochen werden, ergibt ein schnelles weiteres Abwärtspotential von -10% bis -20%.

Internationale Investoren machen sich große Sorgen um die politischen Entwicklungen in der Türkei.

Sie fürchten, dass Erdogan durch die Machtkonzentration ein ähnliches System wie Putin in Russland aufbauen könnte – und dann besteht die Gefahr, dass wir als Reaktion an der türkischen Börse einen Risikoabschlag bekommen wie in Russland.

Russische Aktien werden an der Börse historisch aufgrund der unsicheren politischen Lage mit einem Risikoabschlage um -30% zu den Bewertungen des MSCI Emerging Markets Index gehandelt. Die türkische Börse ist deshalb aktuell kein Kauf.

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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