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Solange dieses Finanzsystem anhält, werden die realen Zinsen negativ bleiben

Ein Grund für die aktuelle Konsolidierung im Goldpreis sind die USA. Hier zittert Fed-Chef Jerome Powell um die Stabilität des Finanzsystems und versucht – wie alle Notenbanker – den Markt nach seinen Gunsten zu orientieren. Zu diesem Zweck sandte er dezente Signale in Richtung einer möglichen Drosselung der milliardenschweren Wertpapierkäufe. Doch in Wahrheit könnte solch ein Vorhaben sehr gefährlich werden … und dem Goldpreis schließlich wieder Unterstützung bieten.

Das Schuldensystem braucht die Nullzinspolitik

Derzeit leben wir in einem Umfeld der Null- bis Niedrigzinspolitik. Es gibt gute Gründe dafür, diese Politik aufrecht zu erhalten, vor allem in den Volkswirtschaften, die stark verschuldet sind. … Also fast überall auf der Welt.

Ein Grund, um diese Politik aufrecht zu erhalten, könnte die nach wie vor schleppende wirtschaftliche Entwicklung sein, doch natürlich kann man auch dagegen halten, dass die Nullzinspolitik gar nicht funktioniert, die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin schleppend ist und deshalb die Nullzinspolitik auch beendet werden könnte.

Ein Ende der Null- bis Niedrigzinspolitik bedeutet den nächsten Crash

Das aber wäre ein großer Fehler. Denn die Nullzinspolitik ist es, die uns aktuell davor bewahrt, dass das System implodiert.

Es ist doch so: Wir leben nun einmal in einer hochverschuldeten Welt. Das fängt bei unserem Finanzsystem an, das auf Kredit basiert, bei unserem Geld, das nichts anderes als ein Schuldschein des ausgebenden Staates ist und setzt sich fort über Unternehmen bis hin zu den Privaten.

Ein solches System der dauerhaften Hochverschuldung kann nicht funktionieren, wenn die Zinsen – also der Preis für dieses System – zu hoch sind.

Und zu hoch sind sie immer dann, wenn das Wachstum zu niedrig ist.

Gerade alte, etablierte Volkswirtschaften wie jene Europas oder der USA, die bereits systembedingte Wachstumsgrenzen erreicht haben, sind doch gar nicht in der Lage, genügend Wachstum aufzubringen, um sich jemals wieder hohe Zinsen leisten zu können.

Es bräuchte wohl eine neue technologische Revolution oder einen sonstigen Aufbruch oder Neubeginn, um die geringen Wachstumsraten der etablierten Volkswirtschaften anzukurbeln.

So lange das aber nicht der Fall ist, braucht man wohl kaum mit Wachstumsraten zu rechnen, die über 2-5 % hinausgehen – wobei 5 % schon sehr hoch gegriffen ist.

Und solange die Wachstumsraten niedrig bleiben, die Volkswirtschaften aber ihren Standard aufrechterhalten wollen, helfen nur entsprechend niedrige Zinsen, um die dauerhafte Bürde der ständigen Neuverschuldung, allein schon zur Finanzierung der Altschulden, tragen zu können.

Denn wenn die Zinslast zu hoch ist, bricht das System an irgendeiner Stelle zusammen.

Beim letzten Mal während der Finanzkrise 2008 war das schwächste Glied – und damit die Stelle an der das System brach – der Bankensektor. Später während der Eurokrise erwies sich wie zum Beispiel im Falle Griechenlands sogar der Staat als das schwächste Glied und Bruchstelle.

So oder so: Steigt die Zinslast auf ein unerträgliches Maß, folgt der nächste Crash.

Auf die Realzinsen kommt es an

Dabei kommt es gar nicht mal nur auf die reinen Zinsen an. Vielmehr muss im Endeffekt das natürlichste Zinsniveau von allen, das Realzinsniveau betrachtet werden. Realzinsen ergeben sich grob gesagt aus dem angegebenen Zinssatz abzüglich der Inflation. Je niedriger der Zinssatz und je höher die Inflation, desto tiefer der Realzinssatz. Das kann bis in den negativen Bereich gehen. Negative Realzinsen bedeuten dabei, dass der Wert des Geldes mit der Zeit aufgefressen wird. Sparer sind hierbei die Verlierer, Schuldner die Gewinner.

Derzeit liegen die Realzinsen in vielen Ländern weltweit im negativen oder höchstens sehr niedrigen positiven Bereich. Dazu gehören die Eurozone ebenso wie Japan und die USA.

Die Realzinsen sinken schon seit Jahrzehnten

RSD10.08.21

Quelle: www. longtermtrends.net/real-interest-rate/

Das Schaubild zeigt den Realzinssatz in den USA (blaue Linie), den US-Nominalzinssatz (schwarze Linie) und die US-Inflationsrate (rote Linie). Wie Sie erkennen können, steigt aktuell nicht nur sprunghaft die Inflation und sinken damit zugleich die Realzinssätze. Es lässt sich auch sehr deutlich ablesen, dass die realen Zinsen in den USA bereits seit Jahrzehnten sinken. Sparen in den USA ist damit das größte Verlustgeschäft der letzten 50 Jahre.

Dagegen ist der Goldpreis in den letzten 50 Jahren um mehr als 600% gestiegen.

Fazit

Auch Bill Gross, Gründer der größten Anleihen-Investmentfirma der Welt Pimco, geht davon aus, dass die Zinssätze über Jahre hinweg niedrig bleiben müssen und schrieb: „Wenn der Preis des Geldes die Basis für den Wohlstand einer Volkswirtschaft bildet – und in den etablierten Volkswirtschaften tritt dieser Zustand immer deutlicher zutage -, dann müssen die Notenbanken die Kosten für das Geld verringern, um diesen Wohlstand aufrecht zu erhalten.”

Ergo sind es die Zinsen, die niedrig gehalten werden müssen, damit uns unser System nicht auf den Kopf fällt. Dementsprechend glaube ich schon lange nicht mehr daran, dass die Zinsen und schon gar nicht die Realzinsen in absehbarer Zeit und vor allem nicht über einen konstanten Zeitraum hinweg deutlich steigen werden.

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Über den Autor
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Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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