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Osteuropa: Für dieses Land sind die goldenen Zeiten vorbei

4 der Top 10 besten Börsen 2016 kommen aus Mittel- und Südamerika. Unter den Top 20-Börsen befinden sich sogar 7 Latino-Länder (wenn wir den Karibik-Staat Jamaika dazurechnen sind es sogar 8).

Zum Vergleich: Aus Asien kommen nur 3 Länder. Aus Osteuropa stehen 4 Länder (inklusive der Türkei) in den Top 20. Außerhalb der Top 20 finden sich jedoch direkt 5 weitere osteuropäische Börsen „in Lauerstellung“. Interessant ist die geografische Struktur dieser Länder.

Neben Russland und der Türkei kommen die besten Börsen in Osteuropa aussschließlich aus dem Baltikum und Zentralosteuropa. Das vor 10 Jahren hochgejubelte Südosteuropa (Stichwort (SETX-Region) findet sich überhaupt nicht mehr unter den Spitzenbörsen.

Ich hatte Ihnen schon vor Wochen geschrieben, dass ich für diese Region und die kleinen Länder nicht sehr positiv gestimmt bin. Meine Favoriten in Osteuropa sind Russland und Polen. Lange Jahre war auch Tschechien ein Darling der Börse. Ich war in den letzten Jahren einige Male dort, um mich nach Investmentchancen umzusehen.

Und ich muss Ihnen sagen: Als Börseninvestment ist unser östliches Nachbarland einfach nicht geeignet. Mit einer Bevölkerung von 10 Mio. Einwohnern wird man nie einen wirklich wachstumsstarken Binnenmarkt aufbauen können. Wir schauen uns stattdessen in Polen und vor allem in Russland nach spannenden antizyklischen Investmentchancen um.

Tschechien vs Polen: Wo Ihre Investmentchancen liegen

Tschechien war Ende der 90er Jahre bis 2005/06 einer der großen Börsenstars in Europa. Doch für vergangene Leistungen kann man sich im Leben bekanntlich nichts kaufen. Das gilt auch für die Börse in Prag.

Der gesamte Boom vor rund 15 Jahren basierte auf 4 Faktoren: 1. Fördermitteln aus dem Westen. 2. Den Konvergenzeffekten von Reformen. 3. Dem ultra-niedrigen Konsumnievau. 4. Einem Outsourcing-Boom deutscher und österreichischer Mittelständler in das Nachbarland.

Doch diese Effekte sind inzwischen alle aufgebraucht. Vor allem das Ende des Outsourcing-Booms ist ein Problem für Tschechien. Inzwischen können deutsche Firmen in anderen osteuropäischen Ländern zu günstigeren Preisen produzieren.

Viele größere Unternehmen haben ihre Produktionen sogar nach Asien verlagert (wobei gerade die Auslagerung nach China für viele deutsche Firmen schiefgelaufen ist).

Das BIP in Tschechien wächst inzwischen um 2,0% bis 2,5% pro Jahr. Das ist okay, aber für einen Emerging Market wenig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Tschechien nicht vom Rohstoff-Kollaps betroffen ist und enge Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland besitzt – dem einzigen Land in Westeuropa, das in den vergangenen Jahren wirtschaftlich überzeuge.

Vergleichen Sie dies mit Polen. Dort lag das BIP-Wachstum im 4. Quartal bei 3,9% (3. Quartal: 3,7%). Da es geographisch und in der politischen Entwicklung der Länder kaum Unterschiede gibt (beide Länder gehören zur 1. Generation der Westintegration), lautet die Antwort: In Polen leben 40 Mio. Menschen.

Manchmal ist Börse ganz einfach. Und wo wir gerade beim Thema Börse sind: Der tschechische Kapitalmarkt ist extrem klein. So besteht der tschechische Leitindex PX gerade mal aus 12 Werten.

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Über den Autor Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

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