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Korrektur im November = Schnäppchen vor Weihnachten?

Es gab lange keine US-Präsidentenwahl mehr, in der die beiden Kandidaten so ungeeignet waren wie in diesem Jahr. Der eine (Trump, Republikaner/ Konservative) poltrig und unüberlegt, die andere (Clinton, Demokraten/ Sozialisten) verlogen, herrschsüchtig und korrupt. Eigentlich sind beide völlig unwählbar.

Clinton hatte als erklärter Günstling der Wall Street wie schon Obama vor ihr die Medien in der Mehrzahl stets auf ihrer Seite, während Trump medial völlig verrissen wurde. Bis zuletzt lag sie in den Umfragen vorn. Dennoch wird sie die Wahl voraussichtlich verlieren.

Dies ist eine Protestwahl (die voraussichtlich Trump gewinnt)

Der Grund dafür ist einfach: Dies ist eine Protestwahl. Der Mittelstand hat in den letzten Jahren des angeblichen Aufschwunges deutlich an Wohlstand verloren, weil der Aufschwung höchstens den ganz Reichen genützt hat. Natürlich gab es einen Stellenaufbau am Arbeitsmarkt.

Aber eben hauptsächlich bei Billigjobs, während gleichzeitig gut bezahlte Industriearbeitsplätze in Massen wegfielen. Acht Jahre Demokraten haben eben nicht wie versprochen mehr Wohlstand für alle gebracht. Stattdessen ist der Schuldenberg dramatisch gewachsen. Der amtierende Präsident Obama wird als der Präsident in die Geschichte eingehen, der in seiner Amtszeit mehr Schulden angehäuft hat als alle anderen Präsidenten vor ihm zusammen.

Clinton würde in seine Fußstapfen treten und alles wohl nur noch schlimmer machen. Mit ihrer „Email-Affäre“ (in der gerade neue Ermittlungen laufen) und den Mauscheleien um die Clinton-Stiftung empfiehlt sie sich nicht gerade als das moralisch bessere Angebot neben Trump. Zudem stellt ihr Konfrontationskurs gegen Russland eine echte Gefahr für den Weltfrieden dar.

Immerhin: Republikanisches Programm hat interessante Ansätze

Trump wird zwar auch nur als Idiot wahrgenommen. Aber wenigstens drückt man mit seiner Wahl seine Verachtung gegenüber dem Establishment aus, welches die aktuelle Misere aus Überschuldung und Miniwachstum zu verantworten hat. Immerhin sind in Trumps Wirtschaftsprogramm einige neue Ansätze vertreten, die es wert sind, ausproviert zu werden.

So will er (bzw. seine Berater) beispielsweise Handelsabkommen neu verhandeln, um die ins Ausland abgewanderten, einst gut bezahlten Industriearbeitsplätze wieder heimzuholen. Ob die Handelspartner da mitziehen, bleibt abzuwarten, Den Versuch ist es aus US-Sicht sicher wert. Für die deutsche Wirtschaft wären neu verhandelte Abkommen mit den USA dann aber sicherlich weniger vorteilhaft.

Positiv bewerte ich auch das Vorhaben Trumps, sich aus den inneren Angelegenheiten anderer Länder zunehmend herauszuhalten. Das spart den USA nicht nur Kosten. Clinton verkörpert hier leider genau das Gegenteil. Sie will ggf. alle missliebigen Regierungen stürzen. Unter ihrer Herrschaft sind neue Kriege zu erwarten, die auch den Nahen Osten und damit letztlich Europa weiter destabilisieren dürften.

Börsen mögen keine Unsicherheiten, Kurse fallen zunächst

Warum hat die Börse dann offenbar so große Angst vor Trump? Nun, Trump hatte sich im Vorfeld kritisch gegenüber der Wall Street und der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank geäußert. Da ist ein gewisses Misstrauen der Märkte verständlich.

Schwerer wiegt noch der Umstand, dass sich der Markt aufgrund der Umfrage-Ergebnisse der letzten Monate auf Clinton eingeschossen hatte. Die neuesten Umfragen sehen jedoch nun Trump knapp vorn. Selbst wenn dieser bis zum 08. November leicht zurückfallen sollte, bleibt die Sache unklar. Überraschungen mögen die Märkte nicht.

Was macht der Markt daraus? Risiko (Dollar, Aktien, Öl) wird verkauft, Sicherheit (Gold) gekauft. Der Goldpreis notiert inzwischen schon wieder an der 1300-Dollar-Marke, die er im Zuge der letzten Korrektur durchbrach.

Bei einer Rückeroberung dürfte eine neue Rally bereits laufen, auch wenn politische Märkte stets mit Vorsicht zu genießen sind. Normalerweise profitieren auch US-Staatsanleihen von der Unsicherheit. Diesmal ist das jedoch anders. Vielleicht irritiert hier eine frühere (und inzwischen korrigierte) Aussage Trumps, die Staatsschulden neu verhandeln zu wollen.

Sich aktuell zu positionieren bleibt schwierig. Vor allem der Wahlausgang am 08. November hat große Auswirkungen auf die Kurse. Doch dieser und die Reaktion des Marktes darauf sind völlig ungewiss. Doch ebenso haben politische Börsen kurze Beine.

Der gestrige Absacker der Börsen zu Beginn der üblicherweise besten Zeit für Aktien ist schon ungewöhnlich genug. Er dürfte daher eher kurzlebig ausfallen. Was nicht heißt, dass die Kurse nicht doch noch ein oder zwei Wochen brutal einbrechen können – dem Computerhandel „sei Dank“.

Vielleicht das Schnäppchen des Jahres

Wahrscheinlich entpuppt sich der laufende Rücksetzer im Nachhinein aber noch als hervorragende Kaufgelegenheit. Denn üblicherweise steigen die Kurse an der Wall Street im Rahmen des Präsidentenzyklus nach der Wahl deutlich an. Einen anhaltenden Kurseinbruch haben bisher die wenigsten Präsidenten fertiggebracht.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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