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Kann man von der Börse leben?

Es gibt im Leben eines Chefredakteurs Fragen, welche immer wieder auftreten. Ein Klassiker ist die Frage, ob man von der Börse leben, also seinen Lebensunterhalt durch Trading bzw. Investieren bestreiten könne. Sicherlich hat mein Vorgänger, Herr Dr. Schoor, hierzu auch schon den ein oder anderen Artikel verfasst, aber heute möchte ich kurz meine Ansicht zu diesem Thema mit Ihnen teilen und meine Antwort ausnahmsweise bereits vorweg nehmen:

 

Prinzipiell ja, jedoch würde ich es den wenigsten Menschen empfehlen

Begründung:

Es ist heutzutage sehr leicht, sich ein Depot oder einen Trading-Account zu eröffnen. Ein paar Formulare ausgefüllt, Unterschriften darunter gesetzt und schon kann man sich „Trader“ nennen. Doch leider zeigt es die Realität immer wieder: Selten hält die Freude wirklich lange.

90% aller „Trader“ scheitern in weniger als den ersten vier Jahren und enden mit einem Totalverlust bzw. noch weiteren Schulden (wenn sie sich z.B. bei Hebelprodukten mit Nachschusspflicht grob verhoben haben sollten).

Die Gründe hierfür sind m.E. vielfältig. Zu oft gehen Menschen mit den falschen Vorstellungen an die Sache heran. Viele haben das Bild vom „dicken Geld, was durch ein paar Knopfdrücke“ kommt, aber sehen nicht die harte Arbeit und Vorbereitung der Trades oder etwa die Energie, die in die Sache hineingesteckt werden muss, um sein Handwerk zu lernen und stets zu verbessern.

Andere wiederum suchen den „Kick“ und für sie stellt Trading eine Art Ersatz für die Spielothek um die Ecke dar. Die Motivationen sind hier sicher so verschieden wie die Menschen auf dieser Erde.

Heißt das jedoch, Trading ist nicht gut und sollte nicht betrieben werden?Keinesfalls!

Viel mehr erscheint es mir am sinnvollsten, Trading als eine Art eigenständiges Geschäft zu sehen, dessen Erfolg nur daran gemessen werden kann, wie viel Gewinn am Ende des Monats erwirtschaftet wurde. Jeder Trader hat Ausgaben (Research, Tools, Hilfsmittel, etc.), ohne die eine professionelle Arbeit so gut wie nicht möglich wäre. 

Auch spielt in diesem Job die persönliche Komponente sehr stark mit (vgl. auch die Artikel, welche hierzu bisher bei Investoren Wissen erschienen), weshalb sich auch nicht jeder für diese Tätigkeit eignet.

Es ist ein großer Unterschied, ob man privat etwas Geld für sich anlegt oder von der Geldanlage bzw. Spekulation leben möchte und hierauf zu 100% angewiesen ist, denn das Niveau auf dem Sie im zweiten Fall spielen müssen, ist deutlich höher – aber nicht unerreichbar. 

Auch ich verdiene meinen Lebensunterhalt bewusst nicht zu 100% aus Trading.

Böse Zungen behaupten über Börsenbriefschreiber gerne, dass diese keine Ahnung hätten und daher nur ihre Publikationen verfassen würden. Der wahre Grund, warum viele meiner Kollegen und ich Publikationen verfassen, sieht jedoch fast immer anders aus.

Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber ich denke, wir alle lieben die Börse und sind ihr wohl zu einem gewissen Grad verfallen (sonst wäre es kaum möglich, täglich hierzu etwas zu schreiben). Wer aber nur vom Trading bzw. Investieren leben möchte, setzt sich einem starken psychologischen Druck aus, wenn er kein weiteres Einkommen hat. Dieser kann oftmals die nötige Ruhe und Gelassenheit, die beim Trading erforderlich ist, zerstören.

Wer jedoch weiß, dass seine Grundbedürfnisse einigermaßen gedeckelt sind, der kann mit einer ganz anderen Einstellung an die Sache herangehen.

Ich würde die durch Trading erzielten Profite keinesfalls missen wollen! Jedoch gibt es gerade in Zeiten, in denen es vielleicht einmal nicht zu 100% läuft eine gute Sicherheit zu wissen, dass das Nötigste anderweitig abgedeckt ist.

Gleichzeitig gibt z.B. das Schreiben von Investoren Wissen mir die Möglichkeit, etwas zurückzugeben und vielleicht dem ein oder anderen von Ihnen ein wenig zu helfen, etwas besser durch diese Krise zu kommen. Alleine die Aussicht hierauf erfreut mich und motiviert mich täglich neu.

Um es nochmals kurz zusammenzufassen: Ja, man kann vollständig und alleine von der Börse leben. Aber es ist viel Arbeit, erfordert charakterliche und persönliche Eignung und eine gewisse Standfestigkeit.

Jeder sollte hier ehrlich mit sich selbst sein und seiner eigenen Mentalität entsprechend handeln. Auf die Börse verzichten sollte sicher niemand…

 

Beste Grüße

  Alexander Hahn

P.S.: Anbei die aktuellen Charts:

 

 

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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