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Geldpolitik: US-Notenbank bleibt hart

Mit großer Spannung erwartete der Markt die gestrige US-Notenbanksitzung. Wohl auch in der Hoffnung, die üblichen „Anleger-Geschenke“ zu erhalten.

Diese bleiben jedoch aus. Der geldpolitische Wind in den USA hat ja spätestens im Dezember auf „widrig“ gedreht, als die erste von mehreren Zinserhöhungen nach zweijähriger Ankündigungszeit über die Bühne ging.

Schlussendlich reagierte der Markt enttäuscht auf die gestrige Zinssitzung. Wie eben kleine Kinder so sind.

Die US-Notenbank steckt in der Zwickmühle. Hebt sie die Zinsen nicht weiter an, verliert sie möglicherweise an Glaubwürdigkeit, da sie eingestehen müsste, dass die Zinswende zur Unzeit kam.

Hebt sie die Zinsen mitten im gegenwärtigen Abschwung der US-Wirtschaft jedoch weiter an, riskiert sie (wie schon in den Jahren 2007 und 2000) den Absturz in eine Rezession, die man ihr anlasten kann. Gestern versuchte man sich daher mit Unentschlossenheit.

Die mag der Markt aber auch nicht. An der Zinsschraube wurde erwartungsgemäß noch nicht wieder gedreht. Doch das wird sich bald ändern.

Die Fed lässt in ihren begleitenden Kommentaren nun etwas weniger Optimismus erkennen, sieht aber die Wirtschaft weiterhin auf Kurs. Die angestrebten Fortschritte werden nun nicht mehr mit „signifikant“ oder „stark“ bejubelt, sondern nur noch mit „moderat“ umschrieben.

Sonst bleibt alles beim Alten. Markt-Turbulenzen – US-Aktien verloren allein zu Jahresbeginn zwischenzeitlich 12 Prozent an Wert – wurden nicht einmal erwähnt. Von einer Umdenken in der Geldpolitik einmal ganz zu schweigen. Das kann nur bedeuten, dass die Fed die Anleger diesmal nicht windeln wird.

Das wiederum bedeutet, dass es vorerst bei den vier Zinserhöhungen in diesem Jahr bleiben wird, die die Mehrheit der Notenbankmitglieder bis zum Jahresende vornehmen will. Klugerweise wurde das so nicht kommuniziert, denn ansonsten hätte es gestern wohl eine deutlichere Verkaufswelle an den Börsen gegeben.

So blieb es bei einem enttäuschten Abverkauf, der den Nasdaq Composite immerhin auf ein neues 52-Wochen-Tief schickte. Bei den meisten anderen US-Indizes haben die jüngsten Tiefs gehalten. Deshalb kann hier weiterhin auf eine laufende Bodenbildung gehofft werden.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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