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Börse: Deutschland 2029 … oder doch früher?

So etwa einmal im Jahr platziere ich den folgenden Text, zuletzt im Januar 2014 (Wahnsinn, wie die Zeit vergeht!). Bei den aktuellen Gedanken zum Bargeld-Verbot (hier können Sie sich das Ganze etwas näher anschauen), wirkt dieser Text gar nicht mehr so wie „Science fiction“ …

2029

Wir befinden uns im Jahre 2029 und heute habe ich wenig Zeit. Ich muss mich noch um 0,0675 Prozent des Vermögens einer Kundin kümmern. Ich hatte Glück, ich habe eine der Damen erwischt, die zu den 10 Prozent der Deutschen gehört, die etwa 80 Prozent von Deutschlands gesamten Vermögens hält.

Vermögensberater

Naja, gut, was heißt Glück… Ich habe so in etwa 1 Million Kollegen, die beratend tätig sind für die Vermögenden. Irgendwie muss das Geld ja immer mehr werden. Wobei ich mich manchmal frage, ob es das nicht auch ohne meine Arbeit und dies meiner Kollegen täte.

Steuerberater

Und dann habe ich auch noch ein visuelles Treffen mit meinem Steuerberater bzw. Steuerberatern. Denn einer alleine könnte so einen Wust an Formularen gar nicht mehr bewältigen. Das Interessante ist hierbei übrigens, dass auch ein Steuerberater gleich mehrere Steuerberater braucht, um seine eigene Steuererklärung zu erstellen.

Kathi im sozialen Bereich

Da lob ich mir meine Tochter Kathi. Selbige ist jetzt 34 Jahre alt und hat einen Job im sozialen Bereich. Sie betreut eine von sechs Millionen Hartz28-Familien in Deutschland. Die hat es leicht. Für ihre Steuer braucht sie nur einen einzigen Steuerberater. Denn sinnigerweise erhält ein Arbeiter im sozialen Bereich genau den selben Satz wie ein Hartz28-Empfänger. Da hat sich die Regierung mal was Sinnvolles einfallen lassen.

Oh, schon 20.00 Uhr. Ich muss meine staatlich verordnete Synapsen-Tablette nehmen. Sonst kommt die Synapsen-Polizei vorbei. Das könnte unangenehm werden.

Paula ist vermögend

Paula hat es übrigens gut. Sie hat ganz früh (mit 18, im Jahre 2025) einen der Vermögenden geheiratet. Leider habe ich sie schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen. Aber manchmal schickt sie mir eine Nachricht aus Ihrem Bunker. Leider weiß ich nicht, wo er ist, daher kann ich sie auch nicht besuchen. Sie kommt auch schon lange nicht mehr vorbei. Die Gegend, in der ich wohne, sei ihr zu unsicher. Naja, aber immerhin gehört sie zu den Vermögenden. Ich bin schon ein bisschen stolz.

Felix, das schwarze Schaf

Nur Felix macht mir Sorgen. Letztes Jahr, er wurde gerade 17, gab er mir morgens (ich lag noch im Bett) einen Kuss auf die Stirn. Ich sagte: „Morgen, Junge, denk an Deine Synapsen-Tablette“. „Ja, Papa, schlaf ruhig weiter. Alles ist gut.“

Dann verschwand er.

Vor einigen Tagen schickte er mir einen Kurzfilm, er dauerte nur vier Sekunden. Ich sah ihn lächelnd, halbnackt, braun gebrannt (und offensichtlich gut genährt) an einem Strand. Auf seiner Brust waren die Zeichen I, ein Herz und ein U als weißer Brei (Kokosnuss?) geklebt. Und er hatte eine Keule in der Hand. Dann war das Bild weg. Offensichtlich zerstörte er mit dieser Keule das Nano-Phone, mit der er mir den Kurzfilm schickte.

12 Minuten später stürmte die Synapsen-Polizei meine Wohnung und einer der Unifomierten steckte ein nadelähnliches Gerät in mein Nano-Phone. Nach einiger Zeit meinte er: „Mist, nur 4 Sekunden, für die Ortung brauche ich 5 Sekunden.“

Immer Ärger mit dem Jungen. Hoffentlich vergisst er seine Synapsen-Tablette nicht.

PS: Nicht, dass Sie denken, ich sei jetzt völlig durchgeknallt. Nur gibt mir die metastasierende Bürokratisierung einerseits, die finanzpolitische Verwerfung andererseits – nicht nur in Deutschland – langsam zu denken. Sehen Sie das Geschriebene als Science Fiction. Wollen wir hoffen, dass es eine Fiktion bleibt.

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Über den Autor Tom Firley

Der gebürtige Kölner Thomas Firley hat in Rosenheim Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit Anfang 2006 für den Investor Verlag.

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