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Abschwung bestätigt: Ifo-Geschäftsklimaindex fällt deutlich

Eines der wichtigsten Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft ist von Dezember auf Januar überraschend deutlich gefallen.

Der gestern veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex gab von 108,6 auf 107,3 Punkte nach.

Vor allem die Aussichten für das kommende Halbjahr bewerten die Unternehmen nun deutlich pessimistischer. „Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ist nun die schlechteste seit einem ganzen Jahr.

Vor allem der in die Zukunft gerichtete Erwartungsindex brach hier überdurchschnittlich stark ein, was für die kommenden Monate nicht unbedingt Besserung erwarten lässt. Vor allem exportorientierte Branchen wie der Maschinen- und Fahrzeugbau leiden.

Der im Herbst 2014 begonnene Aufschwung des ifo-Geschäftsklimaindex scheint damit nicht nur zu pausieren, sondern erst einmal beendet zu sein. Gerade der kräftige Einbruch der Geschäftserwartungen lässt diese düstere Prognose entstehen.

Ähnlich schwach zeigten sich zuletzt auch weitere Wirtschaftsdaten, die bereits in der vergangenen Woche gemeldet wurden. So wurde Produktion zu Jahresbeginn so gering gesteigert wie seit acht Monaten nicht mehr.

Der deutsche Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleister fiel im Januar um 1,0 auf 54,5 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert sei drei Monaten. Immerhin konnte hier noch die Wachstumszone (hier bei 50 Punkten) verteidigt werden, was bei Produktion und ifo-Index nicht mehr gelang.

Angesichts einer rekordverdächtig lockeren Geldpolitik in der Eurozone, eines zuletzt deutlich anziehenden Binnenkonsums und zusätzlich dramatisch gefallener Ölpreise müssten wir eigentlich die Mutter aller Aufschwünge sehen.

Stattdessen wird der Abschwung immer hartnäckiger. Und wo bleibt eigentlich der vielgepriesene Flüchtlingsaufschwung aus den Gefälligkeitsgutachten der Wirtschaftsinstitute für die Bundesregierung (BIP-Effekt angeblich +0,25% in diesem Jahr, leider rein steuerfinanziert, ohne selbsttragende Effekte und damit völlig sinnlos)?

Was soll erst werden, wenn die stabilisierenden Faktoren wegfallen oder wenn gar wirklich starker Gegenwind – etwa von einer einbrechenden Weltkonjunktur oder einer neuen Terrorwelle in Europa – entsteht?

Wie haben wir denn für die nächste Krise vorgesorgt? Schulden abgebaut, Arbeitsmarkt flexibilisiert, Investitionen in Bildung, Sicherheit und Infrastruktur getätigt? Nichts von alledem!

Die Schlafmützen der Politik haben bisher nur an den windfall profits einer stabilen Weltwirtschaft und niedriger Ölpreise schmarotzt haben, anstatt dringend notwendige Hausaufgaben zu erledigen, die eine Versicherung für die nächste Krise gewesen wären, die offenbar bereits begonnen hat.

Stattdessen gab es weltfremde Phrasen einer übersättigten Möchtegern-Elite, die in der nächsten Finanzkrise die dann zu bringenden Opfer einmal mehr auf die unteren zwei Drittel der Gesellschaft abwälzen wird.

Das „Gürtel-enger-schnallen-Mantra“ betrifft ja sowieso nur die anderen Gürtel, nie den eigenen, der für gewöhnlich am längsten ist. Pfui Teufel!

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert

P.S.: Die Kurserholung an den Börsen geriet gestern bereits wieder ins Stocken. Kein gutes Zeichen. Ein paar Tage Ringen um einen Boden sind okay. Neue Tiefs dürfen nun jedoch keinesfalls entstehen.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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