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Wann ich von einer Anleihe die Finger lassen würde

„Ich bin auf Hybrid Capital Funding II L.P. EO-Trust Pref.Sec.05(11/Und.), WKN A0D2FH, aufmerksam geworden. Da ist stets Umsatz. Allerdings wurde ich auf der Suche nach der verantwortlichen Firma nicht fündig. Sowohl IKB Deutsche Industriebank AG als auch Hellwig Wertpapierhandelsbank konnten keine erschöpfende Auskunft geben. Mein Ziel ist herauszufinden, ob auf diese Anleihe Zinsen gezahlt werden. Haben Sie eine Idee, wer hinter dieser Anleihe steckt?“

Meine Antwort:

Das sagt schon alles. Wenn sich noch nicht einmal der Emittent sofort bestimmen lässt. Überlegen Sie bitte: Es hängt ausschließlich von der Bonität und Solvenz des Emittenten ab, ob Sie mit dem Papier Zins- und Tilgungszahlungen erhalten. Und wenn der unbekannt ist, halte ich das für keine gute Basis.

In dem Fall hier ist der Emittent übrigens eine gewisse „Hybrid Capital Funding II L.P.“, Firmensitz ist die britische Kanalinsel Jersey. So wie es aussieht, ist diese als Briefkastenfirma der West LB gegründet worden. Tja und die West LB ist bekanntlich untergegangen, wurde am 30. Juni 2012 in drei Teile aufgespalten.

Die genannte Hybrid-Anleihe ist nachrangig (im Insolvenzfall erhalten die Besitzer dieser Anleihe ihre Forderung erst dann, wenn alle anderen Gläubiger bedient worden sind), und die West LB hatte in der Krise auch keine Zinsen mehr darauf gezahlt. Jetzt ist die Frage, welchem der Nachfolger der West LB dieses „Tierchen“ (Tier Anleihe/Hybrid Anleihe) nun überhaupt zugeordnet ist.

Transparenz nenne ich etwas anderes. Wenn ich mich damit Stunden herumplagen müsste, nur um herauszufinden, wer denn dann mein Schuldner wäre, wenn ich diese Anleihe kaufe, dann lasse ich es. Denn eine Hybrid-Anleihe begeben von der Briefkastenfirma einer inzwischen untergegangenen Bank ohne Zinszahlungen in den letzten Jahren, da bin ich mehr als skeptisch. Solange hier keine Transparenz gegeben ist (wie ist die aktuelle rechtliche Lage? Es gibt noch nicht einmal eine Internetseite des Emittenten, welcher dies klarstellen würde!) meide ich so ein Papier wie der Teufel das Weihwasser.

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Über den Autor Michael Vaupel

Michael Vaupel ist Rohstoff- und Derivate-Experte. Der 40-jährige hat an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn Volkswirtschaftslehre studiert.

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