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Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 06.08.-13.08.2018: Handelskonflikt setzt Öl unter Druck

Die Ölpreise haben sich in der vergangenen Woche volatil entwickelt. Zu Beginn der vergangenen Woche verzeichneten die Preise zunächst einen Anstieg, gaben zum Ende der Woche aber wieder deutlich ab.

Preisunterstützend wirkten Anfang der letzten Woche die ersten US-Sanktionen gegen den Iran. Diese richten sich zunächst „nur“ auf Kauf den von US-Dollar und den Handel mit Gold und Metallen. Damit könnten sie indirekt aber auch den Ölhandel beeinträchtigen. Zudem haben diverse Unternehmen bereits angekündigt, aufgrund der Drohungen seitens der US-Regierung, ab August kein Öl mehr aus dem Iran zu kaufen.

Zum Ende der vergangenen Woche überwogen dann allerdings doch wieder die Sorgen in Bezug auf den Handelskrieg zwischen den USA und China. Immerhin handelt es sich bei den beiden Staaten um die größten Ölverbrauchsländer der Welt. Die Sorgen wachsen, dass der Handelskrieg massive Auswirkungen auf das Konjunkturwachstum beider Länder haben könnte.

Ein erstes Anzeichen dafür könnten die schwachen Ölimporte Chinas und die enttäuschenden Lagerbestandsdaten der USA sein. China hatte im Juli gemäß Daten der Zollbehörde 8,48 Millionen Barrel Rohöl pro Tag importiert und damit nur unwesentlich mehr als im Vormonat, der ein 6-Monatstief markierte. Und in den USA sind die Lagerbestände für Rohöl zuletzt nur um 1,4 Millionen Barrel gesunken.

Brent zur Lieferung im Oktober handelt aktuell bei 72,96 US-Dollar pro Barrel an der ICE.

WTI zur Lieferung im Oktober notiert derzeit bei 67,03 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.

Brent-Ölpreis in USD/Barrel in der letzten Woche

 

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Zwar werden die eigentlichen Sanktionen der USA gegen den iranischen Ölsektor erst Anfang November wirksam, doch die iranischen Ölexporte dürften schon jetzt zurückgehen. Wie stark am Ende die Einbußen sein werden, lässt sich noch nicht beziffern. Jedoch dürften dem Markt mindestens 1 Million Barrel pro Tag fehlen. Das ist die Menge die bei den letzten Sanktionen der USA gegen den Iran an Einschnitten anfiel. Damals gab es allerdings keinen vollständigen Stopp der iranischen Öllieferungen und viele Ausnahmen.

Edelmetalle: Gold

Der Goldpreis handelte in der vergangenen Woche mit einer gewissen Schwankungsbreite um die 1.210 US-Dollar herum.

Weiterhin scheinen viele fundamentale Faktoren keine Bedeutung im Goldmarkt zu haben. So fanden die US-Sanktionen gegen den Iran, die das Land auch vom Goldhandel abschneiden kaum eine Reaktion im Goldpreis.

Eine gewisse Negativ-Korrelation zum US-Dollar ist vorhanden und die Spekulanten lassen mit ihrer hohen Netto-Short-Position derzeit keine echte Erholung zu. Ansonsten scheint sich der Goldpreis noch im Niemandsland zu befinden.

Aktuell handelt Gold bei 1.211,20 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis in USD/Unze in der letzten Woche

 

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Weiterhin bleibt die schwache Preisentwicklung bei Gold für Beobachter rätselhaft. Die massiven Leerverkäufe der Spekulanten können dabei nämlich nur zum Teil als Erklärung dienen. Denn die Spekulanten sind traditionell Trendverfolger, d.h. sie verfolgen derzeit lediglich einen durch andere/andere Faktoren losgetretenen Abwärtstrend. Am wahrscheinlichsten ist, dass derzeit eine große/finanzstarke Partei auf staatlicher Ebene im Goldmarkt interveniert.

Industriemetalle: Kupfer

Der Kupferpreis ist im Wochenvergleich insgesamt gestiegen, entwickelte sich aber höchst volatil.

Druck erhielten die Metallpreise insgesamt durch den Handelskrieg zwischen den USA und China.

Unterstützung erhielten die Preise dann zum Teil durch fundamentale Faktoren.

So hat China gemäß Daten der Zollbehörde im Juli mit 1,85 Million Tonnen eine rekordhohe Menge Kupferkonzentrat importiert.

Und in der weltweit größten Kupfermine Escondida in Chile sind in der letzten Woche von der Regierung geleitete Schlichtungsgespräche im Tarifstreit zwischen dem Minenbetreiber und der Gewerkschaft angelaufen. Diese dauern fünf Tage und können um weitere fünf Tage verlängert werden, sofern beide Seiten dem zustimmen. Hiermit ergibt sich eine letzte Möglichkeit, um einen Streik doch noch abzuwenden.

Daten der staatlichen chilenischen Kupferkommission Cochilco zufolge ist die Kupferproduktion in der Escondida-Mine bereits im Juni um 11% gegenüber dem Vormonat auf 102.000 Tonnen gefallen. Insgesamt sank die Kupferproduktion in Chile im Juni im Vergleich zum Mai um 3,9% auf 479.000 Tonnen. Chile ist der größte Kupferminenproduzent der Welt.

Kupfer handelt aktuell bei 2,78 US-Dollar pro Pfund.

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Kupferpreis in USD/Pfund in der letzten Woche

 

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

So lange die USA nicht vom Handelskrieg ablassen, dürften die Metallpreise übergeordnet unter Druck stehen. Eine Ausnahme könnte der Kupferpreis sein, falls es doch zu einem Streik in der Escondida-Mine kommt.

Agrarrohstoffe: Chicago-Weizen

Der Weizenpreis ist in der vergangenen Woche leicht zurückgekommen, nachdem in der Woche davor ein 1-Jahres-Hoch markiert wurde. Grund für die Gewinnmitnahmen in der vergangenen Woche waren schwächere US-Exportdaten auf Wochenbasis.

Übergeordnet bleibt die fundamentale Ausgangslage aber bestehen. Hitze und Trockenheit vor allem in Europa, insbesondere in Russland und der Ukraine haben der Ernte zugesetzt. Russlands Weizenproduktion ist besonders stark betroffen – Prognosen gehen von einem Produktionsrückgang in Höhe von 21% aus.

In den USA ist der Großteil des Winterweizens inzwischen eingeholt worden. Saisonal betrachtet beginnt jetzt ein Zeitfenster in dem die Verkäufe der US-Farmer deutlich nachlassen. Hinzu kommt, dass auch der Sommerweizen in den USA nun unter Trockenheit zu leiden beginnt.

Chicago-Weizen zur Lieferung im Dezember handelt aktuell bei 5,69 US-Dollar pro Scheffel an der CBOT.

Weizenpreis in USD/Scheffel in der letzten Woche

 

Quelle: stockcharts.com

Ausblick

Inzwischen springen auch die Spekulanten vermehrt auf Weizen auf. Ein gutes Zeichen für höhere Weizenpreise.

 

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Über den Autor
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Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

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