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Geldpolitik Jackson Hole: Platzt heute die Bombe?

Der Markt wartet auf Impulse. Nicht einfach in der umsatzschwächsten Woche des gesamten Jahres, die sich traditionell meist Ende August ausmachen lässt.

Genau in diesem Zeitfenster befinden wir uns. Immerhin findet aber gerade das Notenbankertreffen in Jackson Hole/USA statt, welches normalerweise für Kursbewegungen sorgt.

Geldpolitik am Wendepunkt

Nur selten war die Ausgangslage so spannend wie in diesem Jahr. Die US-Notenbank Fed steht kurz davor, das Abschmelzen ihrer seit der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz einzuläuten – eine geldpolitische Straffung mit größer Sprengkraft.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wiederum will „im Herbst“ entscheiden, wie es mit ihrer ultralockeren Geldpolitik weitergeht.

Genau heute erwartet der Markt, dass die beiden Hauptredner Janet Yellen und Mario Draghi (gegen 16:00 Uhr bzw. 21:00 Uhr unserer Zeit) etwas Wegweisendes bekanntgeben. Immerhin hat Draghi vor drei Jahren vor diesem Kreis die ersten Hinweise zum Anleihenkaufprogramm verlauten lassen.

Diesmal wurde im Vorfeld jedoch aus EZB-Kreisen verkündet, dass es keine konkreten Ausführungen zur künftigen Geldpolitik geben werde. Die Anleger erden daher ihre ganze Fantasie aufbieten müssen, um im drögen Kaffeesatz der Draghi-Rede das eine oder andere halb aufgelöste Zuckerl zu finden.

Von Yellen werden hingegen hawkishe Äußerungen erwartet. Bleiben diese wider Erwarten aus, könnte dies den Dollar weiter unter Druck setzen. Kommen diese wie erwartet, könnte es für die Börsen nochmals bergab gehen.

Wird Yellen heute deutlicher?

Yellen dürfte zunächst die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA bewerten und dann einen Blick in die Zukunft wagen. Hier interessiert den Markt vor allem der Inflationsausblick, der für die Geldpolitik entscheidend ist.

Im Sitzungsprotokoll zur FOMC-Sitzung vom 25./26. Juli stand noch, dass im Gremium Uneinigkeit über die zinspolitische Reaktion auf die Inflationsschwäche herrscht. Der Markt erhofft sich diesmal klarere Aussagen.

Damit dürfte sich die Notenbank jedoch Zeit lassen. Ich erwarte für die kommende Fed-Sitzung (19./20. September) die Veröffentlichung eines Fahrplans zum Bilanzabbau.

Wahrscheinlich wird es dann erst im Frühjahr zu einem erneuten Drehen an der Zinsschraube kommen, wenn man die Inflationsentwicklung ausgiebig studiert hat. Bis dahin dürfte es auch einen Wechsel an der Spitze der Fed gegeben haben, da Yellens Amtszeit abläuft.

Notenbanken testen heute die Märkte – das Ergebnis wird richtungsweisend

Die großen Notenbanken – und mit ihnen möglicherweise auch die Aktien- und Devisenmärkte – stehen an einem Wendepunkt.

Die große Preisfrage ist, ob es gelingen wird, den Märkten die seit der Finanzkrise zugeführte Liquidität wieder zu entziehen, ohne dass das gesamte Kartenhaus zusammenbricht.

Das wird nicht heute entschieden. Aber die Weichen dafür werden heute gestellt. Die Reaktion der Märkte wird aufschlussreich und richtungsweisend sein. Für die Notenbanken ist diese vor allem ein Test, wieviel an Veränderungen in der Geldpolitik möglich sein wird.

Der heutige Handelstag dürfte daher einer der wichtigsten des gesamten Jahres sein.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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