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Eurozone auf dem Weg in die Stagflationsfalle

Das Jahr 2021 ist Geschichte. Damit können wir auch die Inflationsrate für das Gesamtjahr ermitteln. Hier sehen wir ein erschreckendes Ergebnis.

3,1 Prozent betrug die Teuerung im Gesamtjahr 2021, das ist der höchste Stand seit 1993! Im Monat Dezember legten die Preise sogar um 5,3 Prozent im Vergleich zum Stand vor einem Jahr zu. Eine höhere Teuerungsrate war zuletzt nur im Juni 1992 mit damals 5,8 Prozent errechnet worden.

Die Preise sind praktisch jeden Monat geklettert. Und leider ist Besserung für 2022 nicht in Sicht.

Inflation in Deutschland auf höchstem Stand seit 28 Jahren

Warum ist das so? Die meiden führen vor allem diese Ursachen als Preistreiber an:  kräftig gestiegene Energiepreise, Lieferengpässe sowie die Rücknahme der zeitweisen Mehrwertsteuersenkung. Dazu haben die Notenbanken im letzten Jahr wieder massiv die Druckerpresse angeworfen und die Geldmenge erhöht.

Alle diese Ursachen fallen jedoch unter eine gemeinsame Rubrik: katastrophale politische Fehlentscheidungen von Menschen, die mit der Situation offensichtlich völlig überfordert waren.

Sicher: So eine Pandemie mit einem neuartigen Virus ist keine leichte Aufgabe. Aber es ist nicht die erste Pandemie. Alle paar Jahre wird die Welt durch neuartige Viren durcheinandergewirbelt. Die meiste davon waren wesentlich tödlicher als Corona. Ich erinnere nur an SARS oder MERS. Für solche Vorgänge gibt es Notfallpläne bei den Regierungen und bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Und Erfahrungen aus der Vergangenheit. Eigentlich.

Inflation bleibt weiter hoch, Experten ratlos

Irgendwie scheint diesmal alles aus dem Ruder zu laufen. Volkswirte reiben sich verwundert die Augen. Wie etwa Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank:

“Der unterliegende Preisdruck ist im Dezember überraschend hoch geblieben”. Entgegen den Erwartungen sei die Inflationsrate nicht gefallen, sondern weiter gestiegen – obwohl sich Energie im Vergleich zum Vormonat minimal vergünstigte.

Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, gibt sich überrascht:

“Eigentlich war anzunehmen, dass es im letzten Monat des Jahres bereits in den Rückwärtsgang geht.” Doch es seien unter anderem höhere Nahrungsmittelpreise gewesen, die dem Rückgang der Inflationsrate einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten.

Ausgerechnet Lebensmittel und Energie am teuersten

Besonders schmerzhaft für Verbraucher ist die Tatsache, dass sich ausgerechnet unverzichtbare Dinge wie Lebensmittel und Energie am meisten verteuern. Haushaltsenergie etwas innerhalb eines Jahres um 18,3 Prozent, Lebensmitteln um 6,0 Prozent. Die Preise für Kartoffeln, Milch etc. stiegen sogar um ein Drittel.

Kontraproduktiv wirkte da die Einführung der CO2-Abgabe Anfang 2021 in Höhe von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid. Das trieb die Preise noch weiter.  Seit Beginn des laufenden Jahres werden sogar 30 Euro je Tonne fällig.

Auch die Unternehmen zahlen einen hohen Preis

Und was bedeutet die hohe Inflation für die Unternehmen? Die hohe Inflation zehrt inzwischen einen Großteil der Gewinnzuwächse von europäischen Unternehmen auf, so dass hier auch kein großartiges Kurspotenzial mehr besteht. Gewinnwachstum und Kursentwicklung gehen bekanntlich Hand in Hand, zumindest längerfristig.

Keine Besserung vor 2023?

Ist denn bei der Inflationsentwicklung jetzt endlich Besserung in Sicht? Leider nein. So rechnet das ifo Institut erst 2023 mit einer Normalisierung bei der Inflation. Im laufenden Jahr sollen die Verbraucherpreise nach Einschätzung der Münchner Ökonomen sogar um weitere 3,3 Prozent steigen.

Commerzbank-Experte Krämer sieht es so: “Die Inflationsrisiken weisen klar nach oben – nicht nur in Deutschland, sondern auch im Euroraum”. Es werde Zeit, dass die EZB den Fuß vom Gas nehme.

Aber die Zentralbank macht das genaue Gegenteil. Sie ersetzte gerade das eine Anleihenkaufprogramm durch ein anderes, noch größeres und lockert damit ihre Geldpolitik noch weiter. Damit gießt sie weiter öl ins Feuer und wundert sich, dass die Flamen der Inflation höher lodern.

Eurozone auf dem Weg in die Stagflationsfalle

Nicht wenige Experten sehen deshalb die Eurozone schon auf dem besten Weg in die Stagflationsfalle. Hier sorgen eine hohe Inflation und ein nicht mehr vorhandenes Wachstum für maximale Schmerzen bei Wirtschaft und Verbrauchern. Ein solches Szenario kenne eigentlich nur noch ältere Leser aus den 1970er Jahren.

Es gab schöne Dinge in den 1970er Jahren, in denen ich aufgewachsen bin. Die Stagflation gehört aber ganz sicher nicht dazu.

Als Anleger in deutsche Aktien müssen Sie daher sehr aufpassen, um nicht direkt in den nächsten großen Crash zu geraten. Denn diese Krisen sind nicht nur eine kurze Episode, sondern eine ernste Bedrohung vor allem für das kommende Börsenjahr. Deutsche und europäische Aktien gehören jetzt auf jeden Fall auf den Prüfstand!

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Über den Autor
170407 Invest Voigt 72 04
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen. Seit Februar 2009 obliegt ihm die Chefredaktion für den überaus erfolgreichen Börsenbrief DAX Profits.

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