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Deshalb bleiben deutsche Aktien anfällig für Kurseinbrüche

Die Börsen haben sich zuletzt stimmungsbedingt kräftig erholt. Einige Analysten „sehen“ sogar schon einen Boden. Doch da ist auch viel Wunschdenken dabei. Denn nach wie vor zeichnet sich bei den beiden großen „Baustellen“ der Börse (Krieg/Inflation und Geldpolitik) keinerlei nachhaltige Entspannung ab.

Zuletzt hatte Russland eine harte Antwort auf die westlichen Sanktionen angekündigt. Auch die russischen Energielieferungen sollen dabei kein Tabu mehr sein. Ich hoffe, dass das nur eine Drohung ist. Bis jetzt ist es das auch.

Russischer Lieferstopp würde Kollaps der deutschen Wirtschaft bedeuten

Aber ich muss alles auf dem Schirm haben. Würde Russland uns tatsächlich kein Gas (55 % unserer Importe kommen von dort) oder keinen Diesel (33% kommen aus Russland) mehr liefern, wären diese Mengen nicht ansatzweise kurzfristig ersetzbar. Auch wenn einige ahnungslose Schaumschläger mit lächerlichen Ratschlägen zum Energiesparen etwas anderes behaupten: die deutsche Wirtschaft könnte dann binnen weniger Wochen völlig zusammenbrechen.

Gaskraftwerke sichern neben der Wärmeversorgung die Funktion unseres Stromnetzes, das Wind und Sonne wegen ihrer nun einmal volatilen Verfügbarkeit instabil machen. Kohle oder Atomkraft können diese Rolle seit der “Energiewende” nicht (mehr) übernehmen. Norwegen, Katar oder Libyen können ausgefallene Gaslieferungen nur zum kleinen Teil ersetzen. Immerhin bemüht sich der deutsche Wirtschaftsminister um solche Ersatzlieferungen.

Doch unsere Gasspeicher sind weitgehend leer. Ohne russisches Gas wird unser Stromnetz und nachfolgend auch die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln ernsthaft gefährdet. Ganz zu schweigen vom Zusammenbruch ganzer Industriezweige mit Millionen an Arbeitslosen.

Die Versorgung mit Gas für den kommenden Winter ist nach Aussagen des deutschen Wirtschaftsministeriums nicht gesichert. Das heißt aber nicht, dass es erst im nächsten Winter Probleme geben kann.

Unsere Abhängigkeit von Russland lässt sich nur mittelfristig beheben

Wir befinden uns in einer fatalen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen, aus der wir nur mittelfristig (auf Sicht von mehreren Jahren) wieder herauskommen (müssen!). Und das auch nur zu deutlich höheren Preisen.

Ich achte deshalb sehr genau auf die Ankündigungen aus Moskau in diesen Tagen und nehme diese Risiken für Aktien zur Kenntnis. Ich hoffe, dass dieser Fall nie eintritt, weil Russland dann eine Schwächung durch erhebliche Einnahmeausfälle in einer sehr teuren Kriegssituation akzeptieren müsste.

Aber hier finden sich eher Auswege für Russland als für uns. In Asien (zuletzt in Indien) finden sich offenbar schnell neue Abnehmer für russische Energielieferungen, wenn der Preis nur attraktiv genug ist. Ich würde daher nicht darauf wetten, dass Russland von unseren Zahlungen ebenso abhängig ist wie wir von deren Energie.

Deshalb bleiben deutsche Aktien anfällig für Kurseinbrüche

Von daher ist es absolut angemessen, dass die deutsche Bundesregierung hier bisher die Bälle flachhält und keinen verschärften Wirtschaftskrieg riskiert. Deutsche Aktien bleiben in dieser Situation dennoch ein hohes Risiko. Selbst wenn kein russischer Lieferstopp die Wirtschaft in einen Kollaps zwingt, so sind die aktuellen Energiepreise bereits für einen großen teil der Unternehmen existenzbedrohend.

Unterdessen lamentiert die Bundesregierung, ob sie hier und da in ein paar Monaten vielleicht einen lächerlich geringen Tankrabatt an Bedürftige ausschütten soll, während immer mehr europäische Staaten bereits die Senkungen der Kraftstoffsteuern als Soforthilfe umgesetzt haben (Polen, Frankreich, Slowenien…). Jeder Tag des Lamentierens und Zögerns bringt unsere Wirtschaft jedoch einer schweren Rezession näher, die am Ende viel mehr koste wird als jede noch so große Energiesteuersenkung.

Setzen Sie daher Ihre (europäischen) Aktienbestände jetzt auf den Prüfstand. Alles, was in hohem Maße von Energiepreisen oder Transporten abhängig ist, muss raus!

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Über den Autor
170407 Invest Voigt 72 04
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen. Seit Februar 2009 obliegt ihm die Chefredaktion für den überaus erfolgreichen Börsenbrief DAX Profits.

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