Warum das keine Aktienblase ist
Wenn Sie Börsennachrichten verfolgen, kennen Sie dieses Gefühl nur zu gut: Kaum läuft es ein paar Jahre gut, heißt es wieder überall „Blase!“.
Genau das hören wir auch jetzt nach einem starken Börsenjahr 2025. Der US-Aktienmarkt hat zum dritten Mal in Folge zweistellig zugelegt, der S&P 500 markierte 39 neue Allzeithochs, und große Tech-Konzerne dominieren die Schlagzeilen. Klingt gefährlich? Nur auf den ersten Blick.
Die nüchterne Wahrheit lautet: Wir erleben gerade die enttäuschendste Blase aller Zeiten – weil es schlicht keine ist.
Hohe Bewertungen – aber bitte richtig einordnen
Ja, die größten Aktien im Markt sind teuer. Die fünf größten Werte im S&P 500 handeln aktuell bei einem sogenannten Forward-KGV von etwa 32. Forward-KGV bedeutet: Man setzt den heutigen Aktienkurs ins Verhältnis zu den erwarteten Gewinnen der nächsten zwölf Monate. Das klingt hoch – ist aber kein Ausnahmezustand.
Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende, kurz vor dem Dotcom-Crash, lagen diese Bewertungen bei über 50. Der entscheidende Unterschied: Damals war der Abstand zwischen den Top-Aktien und dem Rest des Marktes extrem.
Heute beträgt dieser Abstand nur rund zehn Punkte. Die restlichen 495 Aktien im Index liegen bei etwa 22 – also keineswegs überhitzt.
Gewinne statt Fantasie
Der wichtigste Punkt für Sie als Anleger: Diese Marktstärke basiert nicht auf Träumen, sondern auf echten Zahlen. Die Gewinnmargen der Unternehmen liegen auf einem 30-Jahres-Hoch. Margen sind vereinfacht gesagt das, was nach Kosten übrig bleibt – also echter Unternehmensgewinn. Und die Erwartungen gehen davon aus, dass diese Margen weiter steigen.
Besonders spannend: Rund 79 % der Rendite im letzten Jahr kamen aus echtem Gewinnwachstum, nur 21 % aus steigenden Bewertungen. In einer echten Blase wäre es genau umgekehrt.
Wo echte Blasen wirklich anders aussehen
Blasen erkennt man nicht an hohen Kursen, sondern an Euphorie ohne Schwankungen. Genau das sehen wir aktuell nicht.
US-Tech legte im vergangenen Jahr nur rund 19 % zu, der breite Markt etwa 13 %. Gleichzeitig schwankte der Nasdaq an 77 Tagen um mindestens ein Prozent nach oben oder unten. Zum Vergleich: 1999 waren es 168 solcher Tage – kurz vor dem großen Knall.
Hohe Schwankungen bedeuten: Zweifel, Diskussion, Vorsicht. Das ist das Gegenteil von Euphorie.
Das ist keine Garantie, aber ein klarer Hinweis: Panik ist aktuell fehl am Platz.