Wachstum: KI treibt USA doch nicht so stark?
Sie hören ständig: KI ist der Wachstumsmotor der USA. Doch jetzt kommt Gegenwind – ausgerechnet von Goldman Sachs.
Chefökonom Jan Hatzius stellt klar: Die gewaltigen KI-Investitionen von Microsoft, Alphabet und Meta Platforms treiben das US-Wachstum weniger stark an als gedacht.
Warum? Ganz simpel erklärt.
Beim Bau von KI-Rechenzentren fließen rund 75 Prozent der Kosten in Chips und Komponenten – und die werden überwiegend in Asien produziert, vor allem in Taiwan und Südkorea.
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: In der Wirtschaftsrechnung eines Landes (dem Bruttoinlandsprodukt, also der Summe aller im Inland erzeugten Werte) werden Importe abgezogen. Wenn also US-Firmen teure Chips im Ausland kaufen, hebt das den Wachstumseffekt der Investitionen fast wieder auf.
Mit anderen Worten: Das Geld fließt raus.
Der eigentliche Engpass: Speicher
Besonders spannend ist der Bereich Hochleistungsspeicher. Moderne KI-Chips brauchen gigantische Mengen RAM, also Arbeitsspeicher. Dieser schnelle Zwischenspeicher entscheidet darüber, wie leistungsfähig ein KI-System ist.
Hier dominieren vor allem Samsung Electronics und SK Hynix. Beide liefern sogenannten HBM-Speicher – High Bandwidth Memory, also extrem schnellen Hochleistungsspeicher für KI-Anwendungen.
Die Nachfrage ist so stark, dass Teile der Produktion für kommende Jahre bereits ausverkauft sind. Prognosen sprechen von außergewöhnlich hohen Gewinnmargen – also dem Anteil vom Umsatz, der als Gewinn übrig bleibt.
Aber Vorsicht: Chipgeschäft ist zyklisch
Zyklisch bedeutet: Auf Boom folgt oft Überangebot. Wenn zu viele Fabriken gebaut werden und die Nachfrage später nachlässt, fallen Preise schnell.
Das ist in der Halbleiterbranche schon mehrfach passiert.
Was heißt das für Sie?
Die KI-Revolution läuft. Aber der größte kurzfristige Profiteur ist womöglich nicht die US-Softwarewelt, sondern die asiatische Hardwareindustrie.
Das Pendel schwingt aktuell in Richtung Hardware. Doch ob daraus ein nachhaltiger Superzyklus entsteht oder nur der nächste Boom mit anschließendem Preisverfall. Genau das entscheidet die Börse der kommenden Jahre.