Uranmarkt: Ein Land dominiert fast alles

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Sie wundern sich vielleicht, warum Uran in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen macht. Der Grund ist simpel: Der Markt ist extrem konzentriert.

Und genau diese Konzentration sorgt für politische Macht, Preisschwankungen und strategische Abhängigkeiten – mit klaren Auswirkungen für Sie als Anleger.

Weltweit werden pro Jahr rund 60.000 Tonnen Uran gefördert. Davon entfallen allein auf Kasachstan etwa 23.000 Tonnen – also knapp 40 % der gesamten Weltproduktion. Das ist keine normale Marktstellung, das ist Dominanz. Kasachstan ist damit nicht nur der größte Produzent, sondern faktisch auch der wichtigste Preissetzer am Uranmarkt.

Warum Kasachstan so günstig fördern kann

Der entscheidende Vorteil liegt in der Fördermethode. Kasachstan nutzt überwiegend sogenanntes In-situ-Leaching. Das bedeutet vereinfacht: Das Uran wird direkt im Boden gelöst und an die Oberfläche gepumpt, ohne klassische Bergwerke. Das ist deutlich günstiger, schneller und weniger personalintensiv als traditioneller Abbau. Niedrige Kosten bedeuten: Kasachstan kann auch bei fallenden Preisen weiter produzieren – andere Länder oft nicht.

Politisch ist das Land zudem eng verflochten mit Russland und China. Für den Westen ist das ein sensibles Thema, denn Uran ist kein normaler Rohstoff. Es geht um Energieversorgung, Grundlaststrom und nationale Sicherheit.

Kanada als westlicher Gegenpol

An zweiter Stelle folgt Kanada mit rund 14.000 Tonnen. Kanada gilt als politisch stabil, technologisch führend und verlässlich. Allerdings ist die Förderung dort deutlich teurer. Genehmigungen dauern länger, Umweltauflagen sind strenger. Für den Markt heißt das: Kanada ist ein Stabilitätsanker, aber kein billiger Ersatz für Kasachstan.

Namibia und Australien spielen eine wichtige Rolle für die langfristige Diversifizierung. Doch beide kämpfen mit typischen Problemen: Infrastruktur, Umweltauflagen, politische Verzögerungen. Diese Länder sind strategisch wertvoll, aber kurzfristig keine Lösung für Angebotsengpässe.

Russlands stille Macht hinter den Kulissen

Russland selbst fördert offiziell nur rund 2.700 Tonnen Uran. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Über den Staatskonzern Rosatom kontrolliert Russland große Teile der Weiterverarbeitung: Anreicherung, Umwandlung und internationale Handelsströme. Das ist die eigentliche Macht im Uranmarkt – oft unterschätzt, aber strukturell enorm wichtig.

Ein weiterer Player ist Usbekistan mit rund 4.000 Tonnen. Das Land entwickelt sich leise, aber stetig zum zweiten Pfeiler Zentralasiens. Für den Weltmarkt erhöht das zwar die Angebotsbasis, ändert aber nichts an der dominanten Rolle Kasachstans.

Was bedeutet das für Sie als Anleger?

Der Uranmarkt ist kein freier, ausgeglichener Markt. Er ist politisch, konzentriert und strategisch aufgeladen. Kleine Störungen – politische Spannungen, Sanktionen oder Förderprobleme – können große Preisbewegungen auslösen. Gleichzeitig steigt weltweit der Bedarf an Kernenergie als CO₂-arme Stromquelle.

Für Sie heißt das: Uran bleibt ein sensibler, aber hochrelevanter Rohstoff. Wer den Markt verstehen will, muss weniger auf einzelne Zahlen schauen – und mehr auf Machtverhältnisse, Förderkosten und geopolitische Abhängigkeiten.