MenüMenü

Aktien : Sechs Fragen führen Sie zu den Gewinnern der neuen Ost-West-Krise

Ich möchte Ihnen diesen Fragenkatalog anhand des amerikanischen Cannabis-Sektors vorstellen. Die erste Frage: Wird der amerikanische Cannabis-Markt von den Sanktionen der russischen Wirtschaft betroffen? Nein. Überhaupt nicht. Zu Null Prozent. Anders als z.B. der europäische Bankensektor oder viele deutsche und österreichische Mittelstandsfirmen aus dem Maschinenbau.

Zweite Frage: Werden die Geschäfte der amerikanischen Cannabis Firmen durch den Abbruch von Geschäftsaktivitäten westlicher Firmen in Russland mittelfristig betroffen? Ebenfalls nein. McDonalds erzielt z.B. rund neun Prozent seiner Umsätze in Russland. Der geschäftsträchtigste McDonalds der Welt liegt in Moskau. Aber amerikanische Cannabis-Firmen machen 100 % ihrer Umsätze in den USA.

Welche Wirtschaftszweige sind von der neuen Eiszeit zwischen Ost und West betroffen?

Dritte Frage: Wird die Nachfrage für Cannabis bei den Konsumenten durch steigende Inflation bei Energie und Lebensmitteln negativ beeinflusst? Sehr unwahrscheinlich. Die Covid-Krise in 2020 hat bereits gezeigt, dass Cannabis ein krisenresistenter Wirtschaftszweig ist. Die Konsumenten verzichten nicht auf ihre Cannabis-Produkte.

Während der Hochphase der Covid-Krise im Frühling 2020, als die Verunsicherung über die US-Wirtschaft auf dem Höhepunkt stand, stiegen die Verkäufe von Cannabis in den USA sogar massiv an. Dabei handelte es sich jedoch um Hamsterkäufe. Das wird sich in der Russland-Krise nicht wiederholen.

Fakt ist jedoch: Cannabis-Apotheken, wo man Cannabis in den Bundesstaaten, die legalisiert haben, legal erwerben kann, wurden in der Corona-Pandemie von der US-Regierung als „existentielle Geschäfte“ eingestuft – auf einer Ebene mit Supermärkten, Drogerien und Apotheken. Das beantwortet die vierte Frage: Ist das Produkt ein Luxusgut, auf das Konsumenten auch mal eine Zeit lang verzichten können, oder ist es ein für Konsumenten notwendiges Gut?

Die Einstufung von Washingtons zeigen Ihnen, wie wichtig Cannabis – vor allem medizinisches Marihuana – für die Konsumenten ist. Das Wachstum im amerikanischen Cannabis-Sektor ist sehr hoch und dürfte deshalb auch in 2022 weiter wachsen – ungeachtet der neuen geopolitischen Eiszeit zwischen Russland und dem Westen.

Welche Sektoren werden von den hohen Rohstoffpreisen getroffen?

Fünfte Frage: Werden die hohen Rohstoffpreise die Kostenseite der amerikanischen Cannabis-Unternehmen belasten? Die Antwort: Nur partiell. Kaum ein Sektor kann sich den gestiegenen Rohstoffpreisen vollständig entziehen, da alle Bereiche des Rohstoffmarktes betroffen sind.

Die größten Probleme haben Firmen, die sowohl von den steigenden Preisen bei Energie, Industriemetallen und/oder Agrarwaren betroffen sind. Dazu gehört z.B. die Autoindustrie. Den Cannabis-Markt werden von steigenden Energiepreisen und vor allem steigenden Düngemittelpreisen belasten.

Aber: Die Anstiege der Energiepreise dürften in den USA in einem Wahljahr wesentlich geringer ausfallen als in Europa. Zudem sehen wir im Cannabis-Sektor ein hohes Wachstum, wodurch Cannabis-Firmen steigende Produktionskosten wesentlich besser kompensieren können als Unternehmen aus vielen anderen Wirtschaftszweigen.

Können Konsumenten auf die Produkte verzichten?

Die sechste und letzte Frage: Können die Unternehmen die Kostenanstiege an die Kunden weitergeben, da man aufgrund eines Markennamens oder der Popularität der Produkte so genannte „Pricing-Power“ besitzt? Das ist im Cannabis-Sektor nicht der Fall.

Fazit: Diesen Fragenkatalog müssen Sie bei der Sektorenanalyse ansetzen, um die richtigen Sektoren herauszufiltern. Dann werden Sie z.B. sehen, dass sich der Boom bei E-Autos zwar noch mal beschleunigen wird – aber die Produktionskosten für die Autobauer nun viel höher ausfallen werden.

Aktien

Ryanair nach Zahlen: Ist die Zeit reif für einen Turnaround?Die optisch günstigen Kurse von Fluggesellschaften locken Schnäppchenjäger. Doch sollten Sie schon jetzt einen Einstieg in Aktien wie Ryanair wagen? Viele Belastungsfaktoren warnen vor zu viel Euphorie, was auch die jüngsten Zahlen zeigen.  › mehr lesen

 

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
daniel-wilhelmi3
Daniel Wilhelmi

Daniel Wilhelmi ist Jahrgang 1972 und gehört zu der „neuen Generation“ der Finanzjournalisten, die das Erbe der großen bekannten Namen aus TV und Zeitungen antreten.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "Mick Knauff Daily". Hrsg.: Investor Verlag | FID Verlag GmbH. Jederzeit kündbar.

Hinweis zum Datenschutz