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Aktien : Notenbanken unter Druck: Inflation läuft aus dem Ruder

Es muss ein Schock für die US-Notenbank gewesen sein. Die zuletzt ohnehin schon drastisch gestiegenen US-Verbraucherpreise haben ihren Anstieg im Juni noch einmal beschleunigt. Inzwischen wird eine Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,4 Prozent angegeben. Allein in den zurückliegenden sechs Monaten schossen die Konsumentenpreise auf das Jahr hochgerechnet mit einer Rate von 7,3 Prozent nach oben!

Schock: US-Inflation jetzt offiziell bei 5,4 Prozent!

Ähnlich hohe Werte gab es zuletzt kurzzeitig nur im Sommer 2008 während der letzten Rohstoffmanie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Wobei die echte Teuerung (also ohne statistische Schönungsmaßnahmen) sogar doppelt so hoch liegen dürfte wie die offiziell angegebene Rate. Das ist schon eine echte Hausnummer!

Allein gegenüber dem Vormonat Mai stiegen die Preise um 0,9 Prozent. Hier zeigt sich, dass die mit Prognosen beauftragten Ökonomen meilenweit daneben lagen. Diese hatten lediglich mit einer Rate von 0,5 Prozent auf Monatssicht gerechnet.

Offenbar, weil sie auf das seit vielen Monaten von der Notenbank verbreitete Märchen vertrauen, die Preise würden nur vorübergehend steigen und sich bald von allein wieder einpendeln. Werden Sie nicht!

Nein, das ist nicht nur „vorübergehend“!

Sicher: Wir sehen preistreibende Engpässe in der Produktion, nachdem Fracht Corona bedingt nicht rechtzeitig entladen werden konnte. Das entspannt sich nun allmählich. Die pandemiebedingten Nachholeffekte im Bereich Tourismus und Freizeit lassen allerdings noch keine preisberuhigende Abkühlung erkennen.

Daneben sehen wir ein Phänomen, dass die Inflation weiterhin treibt: die Löhne gerade im Niedriglohnsektor steigen, weil die Firmen keine Arbeitskräfte finden. Sie finden keine Arbeitskräfte, weil es in den USA eine Art bedingungsloses Grundeinkommen (als Pandemiehilfe bezeichnet) gibt. Der Anreiz, eine niedrig qualifizierte und schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen, ist somit zu gering.

Erst, wenn diese staatlichen Maßnahmen eingestellt werden, wird sich die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt allmählich entspannen können. Die Betonung liegt auf allmählich, denn ungewöhnlich viele US-Arbeitsnehmer wollen derzeit ihren Job wechseln und auf eine besser bezahlte Tätigkeit umsteigen. Die Spannungen im Niedriglohnsektor dürften also noch lange anhalten. Und damit auch der Druck der Lohninflation.

Inflation läuft aus dem Ruder, Notenbank beschwichtigt nur

Dennoch verbreiten Ökonomen und die Notenbank selbst weiterhin das Märchen, dass die Inflation schon bald wieder sinken werde – ganz von allein. Bisher lagen sie alle meilenweit daneben. Sicher wird die Rate etwas nachlassen, weil es einen Basiseffekt gibt. Die Preise sind schon hoch und sie werden künftig etwas langsamer steigen. Sinken werden sie aber nicht.

Und auch, wenn sich die Inflation um die 3 bis 4 Prozent einpendeln sollte, wäre dies verheerend gerade für untere Einkommensgruppen. Die dann wieder höhere Sozialleistungen fordern werden, was auch die Löhne höher treibt, damit die Kosten für Unternehmen, die die Preise anheben… usw. Kurz: die Inflationsspirale dreht sich immer weiter.

Es sei denn, die Notenbank fährt ihre Anleihenkäufe von derzeit 120 Milliarden Dollar zurück (das sorgt für steigende Anleihenzinsen) und hebt direkt den Leitzins an. Mit höheren Zinsen könnte aber die Staatsschuldenblase platzen.

Wenn die USA plötzlich 30 Prozent ihres Budgets für Zinsen aufbringen müssten, wäre schnell Feierabend. Deshalb vertröstet die Notenbank mit ihrem nächsten Zinsschritt auch auf das Jahr 2023. Vermutlich wird dieser nie kommen, denn dann sind wir voraussichtlich mitten im nächsten Abschwung.

Der „Inflationstrade“ lebt!

Was bleibt also? Der „Inflationstrade“ dürfte jetzt wieder mächtig an Auftrieb gewinnen!

Eine starke Inflation samt einer untätigen Notenbank ist ein ideales Szenario für Edelmetalle. Auch Aktien profitieren. Jedoch nur, solange die Inflation unter ca. 4 Prozent bleibt. Bei höheren Raten wird es für die Unternehmen schwierig, die Kostensteigerungen auf ihre Kunden abzuwälzen.

Ich sehe in der aktuellen Entwicklung noch keine Gefahr für Aktien, da sich die Inflation wahrscheinlich bei 3 bis 4 Prozent einpendeln dürfte.

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Über den Autor
170407 Invest Voigt 72 04
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen. Seit Februar 2009 obliegt ihm die Chefredaktion für den überaus erfolgreichen Börsenbrief DAX Profits.

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