Klüger werden – Diese Börsenbücher sollten Anleger (ge)lesen (haben)
Die Tage sind kurz und kalt, die Nächte lang und frostig. Was tun, wenn’s gegen 17:00 Uhr dunkel wird, doch Bett und Wärmflasche noch nicht auf Gesellschaft lauern? Sich von RTL2 verblöden lassen oder auf Netflix zum 10. Mal „Der Pate“ streamen?
Wie wär’s stattdessen mit einem guten Buch? Weltliteratur vielleicht oder aber ein nicht allzu dickleibiger Schmöker, der sich mit den Finessen der Geldanlage beschäftigt. Davon dürfte kein Anleger dümmer werden. Im Gegenteil, klüger zu sein bei Investments bewahrt oft vor schmerzhaften Verlust und verbessert nicht selten auch die Performance des eigenen Portfolios sogar spürbar verbessern.
Egal ob die besten Finanz Paperback Bücher im Regal aufs Blättern und studieren warten oder Börsenwissen handfest und ästhetisch ansprechend in Hartcover verpackt ist – gute Börsenbücher können eine rentable Investition in die Zukunft sein. Einige Beispiele für lange Abende …
Benjamin Graham: „Intelligent investieren“
Das Buch wurde erstmals im Jahr 1949 unter dem Originaltitel „The Intelligent Investor“ veröffentlicht. Bis heute ist das Werk der Klassiker über das „value investing“. Zu den bekanntesten Fans zählt Warren Buffett, das legendäre „Orakel von Omaha“ und einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Laut Buffett ist es „das mit Abstand beste Buch über Investieren, das jemals geschrieben wurde“.
Nicht ganz so bekannt, doch nicht minder bedeutsam, ist ein Buch, das Graham zusammen mit David Dodd unter dem Titel „Security Analysis“ (auf Deutsch: „Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse“) im Jahr 1934 veröffentlichte. Das Werk skizzierte die methodische Grundlage für die moderne Wertpapieranalyse.
Benjamin Graham, im Jahr 1894 in London als Benjamin Grossbaum geboren und 1976 im französischen Aix-en-Provence verstorben, galt als einer der einflussreichsten US-Wirtschaftswissenschaftler und Investoren. Er besaß die Fähigkeit, Unternehmen gleichsam bis in die letzte Ecke zu durchleuchten und zu analysieren. Berühmt ist nach wie vor sein Check des US Ölpipeline-Unternehmens Northern Pipe Line Co.
Graham bemerkte, dass die Firma hochwertige Anleihen bei seinen Vermögensbeständen auswies und schlussfolgerte daraus eine Unterbewertung an der Börse. Er kaufte die Aktie für 65 US-Dollar und trennte sich drei Jahre später zum Kurs von 110 US-Dollar.
André Kostolany: „Die Kunst, über Geld nachzudenken“
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) urteilte über das Buch: „Vermächtnis und praktischer Ratgeber zugleich …“ und der Focus schrieb: „In seinem Vermächtnis sind die Ratschläge so fein lektoriert zusammengefasst.“
Kostolany war charmant, hatte Humor und so viel Erfahrung als Investor und Spekulant wie sonst wohl kaum jemand. Das Beste: Sein Wissen konnte er auf unnachahmliche Weise vermitteln und strahlte dabei eine Gelassenheit aus, die unter Profi-Investoren heutzutage wohl ihresgleichen sucht.
Geboren wurde er im Jahr 1906 in Budapest. Nach seinem Studium der Philosophie und Kunstgeschichte beschäftigte er sich mit dem, was ihn damals am meisten faszinierte – der Geldanlage. In den 1920er Jahren lernte er an der Pariser Börse das Maklergeschäft und die Kunst der Arbitrage. 1942 emigrierte er nach New York, arbeitete an der Wall Street und kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg zurück nach Europa.
Drei Jahre nach Kriegsende investierte er in den deutschen Wiederaufbau und machte auf diese Weise ein vergleichsweise großes Vermögen. In der Folge arbeitete er als Kolumnist für namhafte Publikationen und war Autor scheinbar unzähliger Börsenratgeber, die Leser durch einfache, zugleich plausible und auch visionäre Erklärungen überzeugten. Im Alter von 93 Jahren verstarb er 1999 in Paris.
Joachim Goldberg und Rüdiger von Nitzsch: „Behavioral Finance“
Die Kapitalmärkte werden bestimmt durch Zahlen, Daten, Fakten? Das ist richtig, aber nicht ausschließlich von denen. Denn es gibt nicht zuletzt den Faktor Mensch, und dieser ist bisweilen getrieben von Gefühlen – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Was mit dem Verstand nicht zu erfassen und deshalb irrational ist.
Bei dem Buch geht es um die sogenannte Börsenpsychologie – ein über Jahrzehnte vernachlässigter Faktor zur Bestimmung, zur Begründung und auch bisweilen zur Vorwegnahme von Entwicklungen an den Märkten. Wenn es also um große Gefühle geht, von denen sich Investoren mitreißen lassen, ist dieses Buch ein Grundlagenwerk – in seiner Tiefe, Ausführlichkeit und Verständlichkeit bis dato unerreicht.
Der im Jahr 1956 in Freiburg/Breisgau geborene Goldberg arbeitete nach seiner Banklehre unter anderem als Devisenhändler bei der Deutschen Bank. 1983 spezialisierte er sich auf die seinerzeit bei uns noch relativ unbekannte technische Analyse. Deren Erklärungsmuster für die Entwicklung an den Kapitalmärkten empfand er als unzureichend und widmete sich danach der damals ebenso unbekannten „Behaviour Finance“ – ab dem Jahr 2000 gleichsam institutionalisiert dank der mitbegründeten Gesellschaft „Cognitrend“.
Prof. Dr. Rüdiger von Nitzsch wurde im Jahr 1960 geboren und studierte von 1980 bis 1986 Informatik sowie Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen. Nach mehreren Stationen im akademischen Bereich sowie bei Banken gründete er die aixigo AG. Es folgten Promotion und Habilitation an der Uni Köln. Seit nunmehr 30 Jahren lehrt er als Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen.
Robert Shiller: „Irrationaler Überschwang“ (im Original: „Irrational Exuberance“)
Der Träger des Wirtschaftsnobelpreises warnte zur Jahrtausendwende vor dem Platzen der Internetblase und sah auch die Immobilienkrise vorher, die ab dem Jahr 2008 zu einer schmerzhaften Baisse an den Aktienmärkten und zu einer handfesten Krise der Weltwirtschaft führte. Sein Werk ist nach wie vor aktuell, denn momentan gibt es – Stichwort „KI-Euphorie“ – einmal mehr extreme Risiken für die Märkte im Besonderen und die Weltwirtschaft allgemein. Ganz zu schweigen von Trumps Zoll-Eskapaden und Machtfantasien. Robert James Shiller, Jahrgang 1946, ist US-amerikanischer Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Yale University. Im Jahr 2013 erhielt er gemeinsam mit Lars Peter Hansen und Eugene Fama den Wirtschafts-Nobelpreis. In den 1980er Jahren etablierte er – gemeinsam mit den Kollegen Case und Weiss – den sogenannten Case-Shiller-Index. Dieser spiegelt seitdem – mittlerweile als führender Immobilienindex in den USA – die Entwicklung des dortigen Immobilienmarktes.