Ist Buy and Hold wirklich am Ende?

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Sie haben es sicher schon gehört: „Buy and Hold ist tot.“ Aktien werden heute oft nur noch Wochen oder Monate gehalten. Tatsächlich erleben wir einen tiefen Strukturbruch an der Börse – aber genau darin liegt für Sie als Anleger auch eine Chance.

Vom Miteigentümer zum schnellen Handel

Früher war eine Aktie eine Beteiligung. In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren lag die durchschnittliche Haltedauer bei rund sieben Jahren. Aktionäre fühlten sich als Miteigentümer, achteten auf Gewinne, Dividenden und solide Bilanzen. Die Märkte waren träge, Kurse schwankten weniger, Kapital war geduldig. Buy and Hold war keine Strategie, sondern Normalzustand.

Ab den späten 1960er-Jahren begann sich das langsam zu ändern. Inflation, politische Unsicherheit und das Ende fester Wechselkurse machten Anleger nervöser. Richtig Fahrt nahm die Entwicklung aber ab den 1980ern auf, mit Deregulierung, neuen Finanzprodukten und später dem Onlinehandel. Kurse wurden in Echtzeit sichtbar, Entscheidungen immer schneller.

Warum heute alles so kurzatmig ist

Um die Jahrtausendwende fiel die durchschnittliche Haltedauer von Aktien unter ein Jahr. Heute dominieren Computerprogramme den Handel. An Börsen wie der New York Stock Exchange wird ein Großteil des Volumens von automatisierten Systemen bewegt, die Positionen oft nur Sekunden halten.

Studien von Behörden wie der U.S. Securities and Exchange Commission zeigen: Diese Akteure bestimmen die kurzfristigen Preise, nicht langfristige Investoren.

Ökonomen sprechen deshalb von einer Börse, in der Aktien eher als „Durchlaufware“ dienen. Der frühere Chefökonom der Bank of England, Andrew Haldane, nennt das eine Verkürzung der Zeithorizonte: Die Zukunft wird immer weniger eingepreist.

Die Chance für Sie als Anleger

Das Spannende ist der Widerspruch: Kurzfristiger Handel dominiert das Volumen, langfristige Anleger erzielen aber oft die bessere Rendite. Auch Forscher wie Robert Shiller zeigen, dass Börsen heute stark von kurzfristigen Geschichten getrieben sind. Genau das führt immer wieder zu Übertreibungen – nach oben wie nach unten.

Fazit: Buy and Hold ist nicht tot, sondern seltener geworden. Wer Geduld hat und den strukturellen Wandel versteht, kann genau dort Chancen finden, wo andere nur Lärm sehen.