Droht Deutschland eine neue Gaskrise?

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Sie merken es vielleicht schon an den Schlagzeilen: Das Thema Gas ist zurück – und zwar mit Wucht. Mitte Januar 2026 sind die deutschen Gasspeicher nur noch zu rund 45 Prozent gefüllt.

Bei anhaltend kaltem Wetter und ohne deutlich höhere Importe könnte es spätestens Anfang März richtig eng werden. Im schlechtesten Fall drohen massive Einschnitte für die Wirtschaft.

Warum die Lage so angespannt ist

Gas wird vor allem im Winter verbraucht. Wenn es kalt ist, sinken die Speicher schneller. Genau das ist zuletzt passiert. Gleichzeitig ist das Ausgangsniveau niedriger als in den Vorjahren.

Drei Szenarien – und nur eines ist entspannt

Bei mildem Wetter könnte Deutschland mit einem blauen Auge davonkommen. Die Speicher würden zwar weiter sinken, aber nicht kritisch leer laufen. Bei normalem Winterverlauf wird es bereits sehr knapp. Und bei ungünstiger Witterung – also länger anhaltender Kälte – könnten die Speicher schon Anfang März nahezu leer sein. Dann greift die Notfalllogik: Haushalte werden priorisiert, große Industriebetriebe zuerst gedrosselt oder abgeschaltet.

Deutschland hat zwar neue LNG-Terminals errichtet, doch sie kommen zu spät und liefern zu wenig, um einen längeren Kältezeitraum sicher abzufedern. Die weggebrochenen russischen Gaslieferungen wurden bis heute nicht gleichwertig ersetzt.

Besonders schwer wiegt jedoch ein politisches Totalversagen: Ein großer, ehemals von Gazprom kontrollierter Gasspeicher befindet sich inzwischen unter deutscher Kontrolle, wurde aber trotz absehbarer Risiken nicht ausreichend befüllt. Damit wurde eine strategische Lebensversicherung für Wirtschaft und Industrie fahrlässig ungenutzt gelassen. Das ist keine Fehlkalkulation, sondern ein eklatantes Versagen staatlicher Krisenvorsorge.

Folgen für Wirtschaft und Börse

Für energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl oder Grundstoffindustrie wäre eine so genannte „Gasmangellage“ ein harter Schlag. Produktionsstopps, Kurzarbeit und Lieferengpässe wären realistische Folgen. An der Börse erhöht das die Nervosität.

Steigende Energiepreise drücken Margen, Investitionen werden verschoben, und der Standort Deutschland wirkt erneut unsicher. Gleichzeitig profitieren andere Länder und Regionen, die günstiger oder stabiler mit Energie versorgt sind.

Selbst wenn der aktuelle Winter noch überstanden wird, bleibt das Grundproblem bestehen. Die Speicher müssten im Sommer 2026 extrem schnell wieder gefüllt werden, um den Winter 2026/27 abzusichern. Ohne klare politische und wirtschaftliche Lösungen droht das Thema Gas ein Dauerrisiko zu bleiben.

Fazit: Die Gaskrise ist kein Panikthema, aber ein reales Risiko. Sie zeigt, wie verletzlich Wirtschaft und Märkte bei Energiefragen sind – und warum Energieversorgung wieder ein zentrales Standortthema ist.