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VW Aktie : Volkswagen-Aktie: Starke Zahlen zu 2021 – doch so richtig freuen kann man sich nicht!

Es sind durchaus starke Zahlen, die Volkswagen kürzlich seinen Anlegern präsentierte. Doch das ist nur ein kleiner Lichtblick im Vergleich zu den aktuellen Problemen. Denn: Über der Aktie schwebt das Damoklesschwert des Ukraine-Kriegs und der steigenden Corona-Infektionszahlen in China.

Volkswagen 2021: mehr Umsatz – mehr Gewinn

Zunächst für Sie aber die Zahlen zum Gesamtjahr 2021: Volkswagen konnte im letzten Jahr einen Umsatz von 250,2 Milliarden Euro erzielen. Das ist ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem schwachen Jahr 2020. Positiv: Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr konnte man sich relativ solide behaupten. Damals hatte VW 252,6 Milliarden Euro erlöst.

Ebenfalls stark: Das operative Ergebnis verdoppelte sich gegenüber 2020 nahezu und erreichte 20,0 Milliarden Euro. Hier konnte man gar den Vor-Corona-Wert übertreffen (2019: 16.9 Mrd.). Der Nettogewinn lag indes bei 15,4 Milliarden Euro – und damit etwa 75 Prozent über dem Vorjahr.

Wie anderen Autobauern gelang es Volkswagen also in Zeiten von Lieferengpässen bei Halbleitern seine Profitabilität zu verbessern. Vor allem die Premiummarken des Konzerns erwiesen sich hier als Zugpferde.

Geldmaschine Porsche läuft

Allen voran: Porsche. Der Sportwagenbauer verdiente im laufenden Betrieb 5 Milliarden Euro vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen. 2020 hatte das operative Ergebnis der VW-Tochter bei etwa 4 Milliarden Euro gelegen.

Interessant: Trotz fehlender Halbleiterchips konnte Porsche seinen Autoabsatz um 10 Prozent steigern und erstmals mehr als 300.000 Fahrzeuge verkaufen. Offenbar hat der VW-Konzern Wert darauf gelegt, dass zumindest für die Premiummarken ausreichend Komponenten zur Verfügung stehen. Mit Blick auf die Profitabilität des Sportwagenherstellers ist das auch kein Wunder.

2021 erzielte Porsche eine operative Marge von 16,5 Prozent (Vorjahr: 15,4 %). Keine andere Marke des VW-Imperiums konnte dem das Wasser reichen. Immerhin: Audi verbesserte seine Marge von 5,5 auf 10,5 Prozent. Auch die Ingolstädter VW-Tochter hatte man offenbar in Sachen Halbleiter bevorzugt. Der operative Gewinn von Audi verdoppelte sich auf 5,5 Milliarden Euro. Der Absatz blieb mit 1,7 Millionen Fahrzeugen im Vergleich zu 2020 stabil.

Anders sieht es bei der Kernmarke VW aus. Deren Verkäufe fielen im letzten Jahr um 8 Prozent auf 4,9 Millionen Exemplare. Die Marge lag trotzdem bei soliden 3,3 Prozent, der operative Gewinn bei 2,5 Milliarden Euro.

Dunkle Zeiten: Ukraine-Krieg sorgt für Unsicherheit

Alles in allem ist das Zahlenwerk also durchaus erfreulich. Doch allzu viel Euphorie sollten Sie der Aktie nicht zukommen lassen. Denn auch Volkswagen gerät in die Wirren des Krieges. Zwar rechnet der Konzern für das laufende Jahr sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis mit weiteren Fortschritten.

Die Prognose steht allerdings unter Vorbehalt. Die Wolfsburger betonen jedenfalls, dass es derzeit noch nicht möglich sei, die Folgen des Ukraine-Kriegs auf die Wirtschaft und den Konzern vorauszusagen.

Produktionspausen wegen fehlender Komponenten aus der Ukraine

Dabei zeichnet sich bereits jetzt ab, dass Volkswagen von Putins Angriffskrieg stark betroffen ist. Wegen fehlender Kabelsysteme aus der Ukraine musste der Konzern in einigen Werken bereits Zwangspausen einlegen – unter anderem in Dresden und Zwickau.

Und auch die Marken Audi und Porsche können nicht wie gewohnt produzieren. Je nach Standort gilt der Stillstand wochen- oder tagesweise. Wann eine Rückkehr zur Normalität möglich sein wird, ist aktuell nicht abzuschätzen.

Der Ukraine-Krieg könnte also den im letzten Jahr erzielten VW-Aufschwung massiv ausbremsen. Als Anleger sollten Sie das unbedingt auf dem Schirm haben und ein entsprechendes Risiko einkalkulieren.

Chinas Null-Covid-Strategie setzt VW unter Druck

Doch Putins Invasion ist nur ein Risikofaktor. Denn auch China sorgt derzeit bei VW für Kopfzerbrechen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern die Produktion in drei chinesischen Werken vorübergehend stilllegen müssen.

Der Grund: die steigenden Corona-Zahlen im Reich der Mitte. Zuletzt hatten chinesische Behörden Rekordinfektionszahlen gemeldet. Zwar hat sich auch in Deutschland die Infektionslage zuletzt massiv verschärft. Doch China reagiert wesentlich strenger auf neue Ausbrüche. Jene Null-Covid-Strategie führt dazu, dass Behörden sehr schnell Lockdowns und Fabrikschließungen anordnen.

Für ausländische Autokonzerne wie VW ist das ein großes Problem. Der Konzern kommt im Reich der Mitte zusammen mit seinem chinesischen Partner FAW auf einen Marktanteil von 16 Prozent. Damit sind die Wolfsburger mit Abstand der dominierende Autokonzern der Volksrepublik.

Das heißt im Umkehrschluss: Volkswagen ist extrem abhängig von seinem Geschäft in China. Die Corona-Pandemie könnte dem Konzern nun abermals einen Strich durch die Rechnung machen.

Mein Fazit für Sie

Sie sehen also: Trotz der starken Zahlen zum Jahr 2021 steht Volkswagen vor erheblichen Schwierigkeiten, über die das Unternehmen selbst keine Kontrolle hat. Die Aktie bleibt also stark abhängig von äußeren Faktoren – und damit hoch volatil.

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Volkswagen: Starker Rückblick, schwacher AusblickChipkrise, Coronakrise, Ukrainekrise – die Liste an Unwägbarkeiten wird für VW auch im neuen Jahr nicht kürzer. › mehr lesen

 

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Über den Autor
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Marco Schnepf

Börse aus Leidenschaft: Marco Schnepf analysiert seit Jahren das tägliche Geschehen an den Kapitalmärkten.

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