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Nach den Q1-Bilanzen: Wie haben die Autobauer abgeschnitten?

Inhaltsverzeichnis

Die Autobauer haben ihre Bilanzen zum Auftaktquartal 2022 vorgelegt. Tesla hat das schon vor einigen Wochen erledigt, mit Volkswagen und BMW liegen seit der vergangenen Woche nun auch die Zahlen der großen deutschen Hersteller vor.

Autobauer kommen gut durch die Krise – aber wie lange noch?

Insgesamt zeigt sich: Die Autobauer kommen recht gut durch die Krise – zumindest bis jetzt. Rückläufige Absatzzahlen können oftmals kompensiert werden durch höhere Verkaufspreise. Außerdem fokussieren sich die Hersteller auf hochpreisige Premium- und Luxusmodelle: Wenn beispielsweise nur wenige Computerchips zur Verfügung stehen, werden diese vorrangig in den teuren Limousinen verbaut. Kunden mit schmalerem Geldbeutel müssen stattdessen ein wenig länger warten, bis sie ihr Neufahrzeug in Empfang nehmen können.

Durch die Bank berichten die Autobauer seit Monaten von prallgefüllten Auftragsbüchern, kommen aber mit der Produktion nicht hinterher, weil wichtige Bauteile fehlen, Lieferketten unterbrochen sind und die Chipkrise weiter andauert. Letzteres dürfte die Geschäfte noch mindestens den Rest des Jahres belasten, einige Manager gehen auch von anhaltenden Engpässen am Halbleitermarkt bis weit ins kommende Jahr hinein aus.

Zudem konnten einige Hersteller von Sondereffekten profitieren, wie der Überblick über die Quartalsbilanzen verdeutlicht.

Mercedes-Benz: Sattes Gewinnplus, hohe Umsatzrendite

Für den Traditionskonzern aus Stuttgart war es ein ganz besonderes Quartal. Nach der Aufspaltung des Daimler-Konzerns im vergangenen Herbst erfolgte nun im Februar die Umfirmierung. Seither heißt das Unternehmen wie die Hauptmarke: Mercedes-Benz.

Im Zeitraum von Januar bis Ende März steigerten die Stuttgarter ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 6 Prozent auf 34,9 Milliarden Euro. Noch stärker fiel das Plus beim Gewinn aus: Hier schaffte Mercedes-Benz einen Anstieg um 10,6 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Der Nettogewinn belief sich auf 3,9 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite fiel mit 15 Prozent stärker aus als erwartet. Das Geschäft brummt – vor allem im Luxussegment, auf das sich der Konzern künftig noch stärker fokussieren will.

BMW: Sondereffekte sorgen für starken Gewinnsprung

Gleiches gilt auch für die Konkurrenz aus München. BMW hat im ersten Quartal des Jahres vor allem davon profitiert, dass man die Beteiligung am chinesischen Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) von 50 auf 75 Prozent ausbauen konnte.

Hinzu kommt auch hier eine hohe Nachfrage, die auf ein knappes Angebot trifft: Laut Konzernchef Oliver Zipse waren die Auftragsbücher noch nie so prall gefüllt mit Vorbestellungen für Neufahrzeuge wie jetzt.

Allerdings wird BMW im Abarbeiten dieser Aufträge immer wieder ausgebremst. Weil immer wieder Materialnachschub ausbleibt, musste der Premiumhersteller in den vergangenen Monaten mehrfach die Produktion drosseln, zuletzt war davon der Standort in Regensburg betroffen.

Der Konzernumsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern fiel mit 12,2 Milliarden Euro sogar dreimal so hoch aus wie im Vergleichsquartal des Vorjahres, als BMW hier lediglich 3,8 Milliarden Euro verbuchen konnte. Dies ging jedoch wesentlich auf die Neubewertung der BBA-Beteiligung zurück.

Unterm Strich fuhr BMW einen Quartalsgewinn in Höhe von 10,2 Milliarden Euro ein. Für das Gesamtjahr rechnen die Münchener mit deutlichen Gewinnsteigerungen bei stagnierenden Absatzzahlen.

Volkswagen: Das Premiumgeschäft brummt

Bei VW machen sich ebenfalls Sondereffekte in der Bilanz bemerkbar. Finanzinstrumente, die den Konzern gegen steigende Energiepreise absichern, wurden neu bewertet – und stehen nun erwartungsgemäß deutlich höher da als zuvor.

Dadurch stieg der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten auf 8,5 Milliarden Euro – nach 4,8 Milliarden im Vorjahresquartal. Positiv wirkte sich außerdem aus, dass auch im Volkswagen-Konglomerat die Premiummodelle stark nachgefragt waren und gutes Geld in die Konzernkassen spülten.

So legte die Markengruppe Premium, zu der Audi, Bentley und Lamborghini gehören, beim bereinigten operativen Ergebnis kräftig zu von 1,5 auf 3,5 Milliarden Euro – und das bei nahezu stagnierenden Umsätzen. Porsche steigerte den Gewinn leicht von 1,2 auf 1,4 Milliarden Euro und legte beim Umsatz von 7,0 auf 7,3 Milliarden Euro zu.

Ausgebremst wurde dagegen die Markengruppe Volumen, zu der neben der Kernmarke VW auch Skoda, Seat und kleinere Nutzfahrzeuge gehören. Das Segment verbuchte einen Umsatzrückgang um 3 Milliarden auf nur noch 24,4 Milliarden Euro. Auch das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen brach um eine halbe Milliarde Euro ein auf nun 900 Millionen Euro. Der Marke VW Pkw indes gelang eine Ergebnissteigerung von 490 auf 513 Millionen Euro bei gleichzeitigem Umsatzrückgang von 17,6 auf 14,9 Milliarden Euro.

Die Jahresprognosen hat der Vorstand bestätigt, mahnt aber zur Vorsicht angesichts der vielfältigen unsicheren Rahmenbedingungen, allen voran Pandemie, Ukraine-Krieg und Chipkrise.

Tesla: Frontalangriff auf deutsche Traditionshersteller

Von den Krisen weitgehend unbeeindruckt zeigte sich dagegen Tesla. Der Elektroautopionier hat zum Jahresauftakt einmal mehr neue Rekorde eingefahren.

So stiegen Fertigung und Auslieferung von Neufahrzeugen von rund 180.000 im Vorjahreszeitraum auf nunmehr etwas über 300.000 Stück. Der Umsatz kletterte auf 18,8 Milliarden US-Dollar. Den Betriebsgewinn weist Tesla für das Auftaktquartal mit 3,6 Milliarden Dollar aus, woraus sich eine Umsatzrendite von etwa 19 Prozent ergibt. Der Nettogewinn lag mit 3,3 Milliarden Dollar ebenfalls auf Rekordniveau – und mehr als 650 Prozent über dem Vorjahreswert.

Auch für den US-Hersteller war es ein besonderes Quartal: Immerhin wurde Anfang März in Grünheide nahe Berlin der erste Produktionsstandort in Europa eröffnet. Dieser soll laut Tesla noch erweitert werden. Zudem plant das Unternehmen eine zusätzliche Gigafactory in unmittelbarer Nähe zum bereits bestehenden Werk in Shanghai.

Für deutsche Autobauer ist die Konkurrenz damit direkt vor die Haustür gezogen. Zwar beteuerten die Konzernchefs von Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz ihre Freude über den Zuzug des neuen Wettbewerbers, doch in Sachen Elektromobilität ist Tesla den hiesigen Herstellern weit voraus. Mit der stetigen Steigerung der Produktionszahlen und dem mittlerweile 10. Quartalsgewinn in Folge wird Tesla zunehmend zu einem ernstzunehmenden Player am Markt, auf den die deutschen Traditionsunternehmen reagieren müssen.

Aktienentwicklung: Autowerte kommen unter die Räder

An den Aktienmärkten stehen die Automobilwerte seit Beginn des Jahres kräftig unter Druck. In einem insgesamt schwierigen Marktumfeld gaben Papiere von BMW um rund 14 Prozent nach, Anteilsscheine von Mercedes-Benz verbilligten sich um etwa 16 Prozent und die VW Vorzugsaktie büßte ein Drittel an Wert ein.

Für Tesla ging es noch deutlicher abwärts, allerdings ist die Tesla Aktie insgesamt anfälliger für volatile Ausbrüche – allein schon wegen des exzentrischen Unternehmenslenkers Elon Musk, der oftmals sehr eigene Wege geht und dabei wenig Rücksicht auf die Kursentwicklung der Tesla Aktie nimmt. Seit Jahresanfang notieren die Anteilsscheine rund 30 Prozent im Minus.

Analysten haben zwei klare Favoriten

Bei Analysten stehen derzeit vor allem Aktien von Mercedes-Benz und Volkswagen hoch im Kurs. Hier sprechen die meisten Experten klare Kaufempfehlungen aus und sehen noch deutlich Luft nach oben. Bei BMW ist die Bewertung insgesamt etwas zurückhaltender, während sich an der Tesla Aktie seit jeher die Geister scheiden: Die einen sehen das Unternehmen und seine Aktie nun auf stabilem Erfolgskurs, die anderen halten beides für gnadenlos überbewertet und warnen vor einem Kurseinbruch.

Insgesamt dürfte das Umfeld für die Autobauer in diesem Jahr schwierig bleiben. Die chinesische Zentralregierung scheint von ihrer Null-Covid-Politik bislang nicht abrücken zu wollen, selbst wenn die Fallzahlen in Millionenmetropolen wie Shanghai trotz der strikten Lockdown-Maßnahmen kaum einzudämmen sind.

Weitere Erfolge nicht allein abhängig von unternehmerischem Geschick

Der Krieg in der Ukraine setzt sich ebenso fort wie die Konfrontation westlicher Staatenbündnisse mit Russland. Beides dürfte Materialengpässe und Inflationsdynamik weiter verschärfen. Anhaltende Probleme mit den Lieferketten sowie der fortbestehende weltweite Halbleitermangel kommen erschwerend hinzu.

Bislang manövrieren sich die Autohersteller recht souverän durch die Krisen. Wie lange ihnen das noch gelingen wird, hängt neben unternehmerischem Geschick wohl auch davon ab, wie sich die globalwirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen in den kommenden Monaten weiterentwickeln.