SAP wird abgestraft: Aktie nach Q2-Bilanz tiefrot

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In den meisten Bereichen hat SAP die Markterwartungen erfüllt – doch ausgerechnet im zukunftsträchtigen Kerngeschäft, dem Cloud-Angebot, schwächelte Europas größter Softwarekonzern zuletzt.

Knapp 20 Prozent Wachstum – und doch nicht genug

Zwar wuchs der Umsatz im Zeitraum von April bis Ende Juni in der Cloud-Sparte um knapp ein Fünftel auf 3,3 Milliarden Euro, Beobachter hatten allerdings mehr erwartet. Auch der Vorstand zog nun Konsequenzen und kappte die Jahresprognose. Ursprünglich sollte der Umsatz des Cloudgeschäfts im laufenden Jahr um 23 bis 26 Prozent zulegen, nun liegt die Zielspanne nur noch bei 23 bis 24 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahr.

In Q2 kletterte der Konzernumsatz insgesamt leicht auf 7,55 Milliarden Euro nach 7,21 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten jedoch auch bei dieser Kennziffer die Messlatte höher angesetzt und den Quartalsumsatz vorab auf 7,6 Milliarden Euro geschätzt.

Durchwachsene Q2-Bilanz

Positiv entwickelte sich dagegen das operative Ergebnis, das um 23 Prozent zulegen konnte auf gut 2 Milliarden Euro nach knapp 1,7 Milliarden Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. In diesem Punkt konnte SAP die Erwartungen der Analysten übertreffen – und die Jahresprognose nach oben korrigieren: Anstelle der bislang erwarteten 8 bis 11 Prozent soll das operative Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr um 8 bis 12 Prozent zulegen, es gibt also etwas mehr Luft nach oben.

Dass das Nettoergebnis sich im Vergleich zum Vorjahresquartal vervielfachte von 203 Millionen auf 3,38 Milliarden Euro lag indes an einem einmaligen Sondereffekt: Der im März angekündigte Verkauf der Qualtrics-Anteile wurde im Juni vollzogen und spülte einen Sondererlös von rund 3,2 Milliarden Euro in die Konzernkassen von SAP.

Kein grundlegendes Cloud-Problem

Ein grundsätzliches Problem mit dem Cloudgeschäft sieht man bei SAP indes nicht. Vielmehr hätten sich zahlreiche Kunden aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Verunsicherung für eine Lizenzlösung entschieden, bei der ein höherer Einmalbetrag gezahlt wird anstelle eines längerfristig bindenden Abos, das beim Cloud-Abschluss üblich ist. Hier sind die Einnahmen für SAP zwar in der Momentaufnahme niedriger, auf lange Sicht aber besser planbar.

Doch auch Kunden, die vorerst mit dem Lizenzmodell fahren, hätten sich aus Sicht von SAP nicht grundsätzlich gegen die Cloud entschieden, sondern den Einstieg lediglich verschoben. Ähnlich sehen das auch Analysten von Goldman Sachs, die überwiegend positive Worte für die SAP-Bilanz fanden und keinen Anlass zur generellen Besorgnis mit Blick auf das Cloud-Geschäft sehen. Ähnliche Einschätzungen äußerten Experten von JP Morgan sowie auch der Berenberg Bank.

Analysten optimistischer als Anleger – SAP Aktie tiefrot

Die US-Großbank JP Morgan bestätigte in einer aktualisierten Studie die Kaufempfehlung, senkte zugleich aber das Kursziel für die SAP Aktie von 140 auf 138 Euro. Die meisten anderen Analysten bekräftigten ebenfalls ihre Kaufempfehlungen, beließen die Kursziele dabei aber unverändert. Diese bewegen sich meist in einem Korridor zwischen 135 Euro (Berenberg Bank, Baader Bank, Barclays) und 150 Euro (Goldman Sachs).

Erheblich pessimistischer als die Analysten reagierten dagegen Anleger auf das jüngste Zahlenwerk der Walldorfer: Sie schickten das Dax-Schwergewicht am Freitag auf Talfahrt. Die SAP Aktie rutschte ans Schlusslicht im Leitindex und verlor mehr als 4 Prozent. Zeitweise war das Papier für weniger als 120 Euro zu haben.