Qiagen mit einem synthetischen Aktienrückkauf

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Manchmal finde ich – selbst nach mehr als  30 Jahren an der Börse – Meldungen, die ich nicht verstehe. Auf den ersten Blick zumindest nicht. Von einer solchen Meldung möchte ich Ihnen heute berichten. Eine Art Weiterbildung über Ihren Newsletter sozusagen.

Was ist ein synthetischer Aktienrückkauf?

Es geht um die Ad-hoc-Meldung, die Qiagen Anfang der Woche veröffentlicht hat. Sie ist überschrieben mit dem Satz: „Qiagen startet synthetischen Aktienrückkauf“.

Hoppla, dachte ich beim Lesen, was ist das denn? “Normale“ Aktienrückkäufe, bei denen ein Unternehmen eigene Aktien über die Börse zurückkauft und dann entweder vernichtet oder als Übernahmewährung verwendet, waren mir ein Begriff. Doch von einem „synthetischen Aktienrückkauf“ habe ich nun wirklich noch nichts gehört. Was hat es damit wohl auf sich?

Ein Blick ins Internet hat mir weitergeholfen. Bei einem synthetischen Aktienrückkauf wird eine unmittelbare Kapitalrückzahlung mit einer Aktienzusammenlegung kombiniert. Technisch läuft der synthetische Aktienrückkauf bei Qiagen in drei Schritten ab:

Drei Schritte

Im ersten Schritt wird der Nennwert der Qiagen-Stammaktien von 0,01 Euro je Aktie durch eine Entnahme der “Share Premium Reserve” aus der Kapitalrücklage erhöht. Hierdurch wird eine Kapitalrückzahlung zu ermöglicht.

Im zweiten Schritt werden mehrere Aktien zusammengelegt.

Und im dritten Schritt wird der Nennwert je Aktie wieder auf das ursprüngliche Niveau herabgesetzt. Das freiwerdende Geld kann – wie bei einer Dividende – direkt an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

„Dividende“ von 1,20 Euro je Aktie

Schon im Jahr 2017 hatte Qiagen den synthetischen Aktienrückkauf für eine Ausschüttung genutzt. Damals wurden 27 Aktien zu 26 neuen Aktien zusammengefasst. Würde dieses Verhältnis auch bei der jetzt bevorstehenden Transaktion beibehalten werden, würden bei knapp 231 Millionen ausstehenden Qiagen-Aktien einer Ausschüttung von rund 1,30 US-Dollar bzw. 1,20 Euro je Aktie entsprechen.

Bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von 45,30 US-Dollar entspricht dies einer Ausschüttungsrendite von 2,9 Prozent.

In Holland häufiger als anderswo

Für das holländische Unternehmen ist dieser Vorgehensweise effizienter und schneller umsetzbar als ein normaler Aktienrückkauf, der sich über Monate hinziehen kann. Kapitalmarktexperten zufolge ist er außerdem steuergünstiger als eine Ausschüttung über eine Dividende, weil für den Anleger keine Kapitalertragssteuer fällig wird.

Daher wurde diese Beteiligungsmethode in der Vergangenheit auch von anderen niederländischen Unternehmen wie Philips oder Ahold Delhaize genutzt.

Aktie moderat bewertet

Aktuell ist die Qiagen-Aktie nicht übermäßig hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der 2024er Gewinnschätzungen liegt derzeit bei 21,9. Für ein ertragsstarkes und wachsendes Unternehmen wie Qiagen entspricht dies einer moderaten Bewertung. Sollte die Aktie in den kommenden Monaten aber zurückkommen, könnte sich hier eine Einstiegsgelegenheit auftun.