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Pandemie zurück am Parkett: Reiseaktien stürzen ab

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Wie gewonnen, so zerronnen? Der Andrang bei Lufthansa und Co. war riesig, als die USA Anfang des Monats ihre Einreisebestimmungen lockerten. Zuvor hatten die Vereinigten Staaten aufgrund der Pandemie ihre Grenzen für Touristen und Reisende aus anderen Ländern weitgehend dichtgemacht. Mehr als anderthalb Jahre war die Einreise nur unter engen Voraussetzungen möglich.

Gleich mehrere Flüge pro Stunde hoben allein in Frankfurt am Main vom internationalen Flughafen ab, als es endlich wieder losgehen konnte. Doch nun, nur wenige Wochen danach, könnte es mit der großen wiedergewonnenen Reisefreiheit schon bald wieder vorbei sein.

Wegen hoher Infektionszahlen: USA warnen vor Reisen nach Deutschland

Grund ist die derzeit in Deutschland wieder massiv grassierende Pandemie, die mit täglich steigenden Inzidenzen und Infektionszahlen auf Rekordniveau die Politik in Atem halten. Deutschland, Dänemark und weitere Länder Europas wurden von den US-Behörden nun mit Reisewarnstufe 4 versehen: Reisen Sie nicht dorthin.

Normalerweise tummeln sich in dieser höchsten Reisewarnstufe Krisengebiete und Staaten, die generell als sehr unsicher eingeschätzt werden. Nun aber stehen weite Teile Mitteleuropas wieder auf der Liste, und es könnte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Einreisebeschränkungen zurückkehren und striktere Kontrollen gelten.

Virusvariante Omikron versetzt Europa in Alarmstimmung

Hinzu kam zum Ende der Woche noch die Meldung, wonach in Südafrika eine neue, mehrfach mutierte Variante des Virus zirkuliert, die potenziell um ein Vielfaches ansteckender sein könnte als die bislang dominierende Delta-Variante. Auch die Weltgesundheitsorganisation stufte die neue Mutante noch am selben Tag als besorgniserregend ein, zahlreiche Länder kappen seither die Flugverbindungen von und nach Südafrika. Wer von dort einreist, unterliegt strengen Quarantäneregeln, unabhängig vom Impfstatus. Stand Freitag setzte die Lufthansa zwar Flüge von und nach Südafrika fort, die Ein- und Durchreise nach Deutschland unterliegt aber strengeren Regeln als zuvor.

Fraglich ist jedoch, ob diese Maßnahmen überhaupt noch rechtzeitig kommen, um die neue Variante aufzuhalten oder zumindest Zeit zu gewinnen – denn bereits am Freitag wurde bekannt, dass ein erster Fall in Belgien festgestellt wurde. Kurz darauf meldeten auch die Niederlande dutzende Fälle, in Großbritannien und auch in Deutschland wurden ebenfalls Fälle der Omikron getauften Virusvariante identifiziert – und das zum Teil erst Tage nach der Ankunft der jeweiligen Reisenden, deren Tests am Reisetag noch unauffällig und Omikron noch gar nicht entdeckt war.

Wahrscheinlich ansteckender – aber auch gefährlicher?

Gut möglich also, dass sich noch vor Weihnachten eine neue, aggressive Variante in Europa ausbreitet, mit völlig unabsehbaren Folgen – wobei bislang noch nicht absehbar ist, ob Omikron neben mutmaßlich höherer Ansteckungskraft tatsächlich gefährlicher sein wird als die bisher dominierende Delta-Variante. Die bisherigen Infizierten klagten über andere Symptome, bei ihnen treten Körperschmerzen und extreme Müdigkeit auf, dagegen aber beispielsweise kein Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn, der bei bisherigen Varianten oftmals beobachtet wurde.

Die meisten weisen bislang zudem eher leichte Symptome auf, was jedoch nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit von Omikron zulässt, denn die Betroffenen sind überwiegend jung und häufig auch vollständig geimpft – beides Faktoren, die einen vergleichsweise leichten Krankheitsverlauf begünstigen.

Biontech prüft Anpassung seines Impfstoffs

Wissenschaftler warnen schon seit langem davor, dass das Coronavirus permanent mutiert und grundsätzlich auch lernen könne, den Impfschutz zu umgehen. Biontech prüft seinen Impfstoff nach eigenen Angaben bereits auf Wirksamkeit gegen die neue Variante, erste Daten dazu sollen in zwei Wochen vorliegen. Mit einer Auslieferung eines daraufhin womöglich angepassten Vakzins rechnet das Mainzer Unternehmen binnen 100 Tagen.

Bis dahin aber droht der Pandemie-Winter erneut ungemütlich zu werden. Bereits jetzt müssen zahlreiche Patienten innerhalb Deutschlands von einem Bundesland ins andere verlegt werden, weil die Intensivbetten knapp werden. Die vorschnelle Schließung der Impfzentren just zu Beginn der vielfach vorhergesagten Herbstwelle erweist sich als folgenschwerer Fehler, denn sowohl die Booster- als auch die Erst- und Zweitimpfungen sorgen derzeit für eine Überlastung von Arztpraxen. Andere Krankheiten sowie auch planbare Operationen müssen vielfach bereits wieder verschoben werden, angesichts der tagtäglich steigenden Fallzahlen droht schon bald in etlichen Regionen Europas und auch Deutschlands eine Triage-Situation bislang ungekannten Ausmaßes während dieser Pandemie.

Black Friday am Parkett: Ausverkauf bei Reiseaktien

Am Parkett jedenfalls war ausgerechnet am Black Friday – also jener Rabattschlacht, die nach Thanksgiving das umsatzträchtige Weihnachtsgeschäft einläutet – die Partystimmung der vergangenen Wochen vorbei. Rund um den Globus rauschten die Indizes in den Keller, in Frankfurt gerieten vor allem die Aktien all jener Unternehmen stark unter Druck, die in irgendeiner Form mit dem Reise- oder Flugverkehr zu tun haben.

So landeten Papiere von Airbus mit einem Verlust von mehr als 11 Prozent am Dax-Ende, Zweitletzter wurde nur knapp dahinter der Triebwerkshersteller MTU. Insgesamt gab der Leitindex nach seiner jüngsten Rekordrally nun auf Wochensicht gut 4 Prozentpunkte nach und schloss am Freitag mit 15.257 Zählern rund 1.000 Punkte unterhalb der erst kürzlich erzielten neuen Bestmarke von 16.290.

Der Reiseanbieter Tui verliert auf Wochensicht rund 6 Prozent, die Aktie der Lufthansa stürzt gar um 10 Prozentpunkte ab, und auch bei der europäischen Konkurrenz sieht es nicht besser aus. So ging es auch für Anteilsscheine von der französisch-niederländischen Airline AirFrance-KLM auf Wochensicht um gut 6 Prozentpunkte abwärts.

Es droht ein weiterer harter Winter vor allem für die Tourismusbranche zu werden.