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Lufthansa Aktie: Wohin geht die Reise?

Inhaltsverzeichnis

3 Jahre, nachdem sie pandemiebedingt knapp an der Pleite vorbeigeschrammt ist und diese nur durch staatliche Hilfen vermeiden konnte, fährt die Lufthansa das beste Q2 ihrer Geschichte ein. Der Vorstand zeigte sich am vergangenen Donnerstag hocherfreut über die Entwicklungen. Anleger lenkten ihren Fokus dagegen auf die weniger rosigen Facetten der Bilanz und schickten die Lufthansa Aktie in den Tiefflug. Zeitweise verlor das im MDax gelistete Papier mehr als 6 Prozent.

2023 – eins der besten Jahre der Konzerngeschichte?

Dabei hat der Konzern zuletzt ordentlich abgeliefert – und sieht sich auf bestem Wege, eines der 3 erfolgreichsten Jahre seiner Unternehmensgeschichte zu verbuchen. CEO Carsten Spohr geht für das Gesamtjahr von einem bereinigten Ebit von mindestens 2,6 Milliarden Euro aus. Das wäre das stärkste Ergebnis nach den Rekordjahren 2017 und 2018, als die Lufthansa unter anderem von der Pleite ihrer innerdeutschen Konkurrentin Air Berlin profitieren konnte.

Damit hat die Lufthansa die Pandemie und die damit verbundenen Belastungen endgültig hinter sich gelassen. Um ein Chaos bei der Abfertigung wie im vergangenen Jahr zu vermeiden, hat die Airline bereits zu Jahresbeginn den Flugplan zusammengestrichen. Im Sommer 2022 waren tausende Flüge gestrichen worden, nachdem es wegen akuten Personalmangels am Boden und in der Luft zu langen Warteschlangen an den Sicherheitsschleusen und chaotischen Zuständen bei der Gepäckabfertigung kam.

Knappes Angebot + hohe Nachfrage = saftige Ticketpreise

Nun fliegt die Lufthansa mit von vornherein reduziertem Angebot, das jedoch auf eine hohe Nachfrage trifft. Die Reiselust der Deutschen nach der Pandemie ist hoch – und die Bereitschaft, dafür Geld auf den Tisch zu legen, auch. Trotz drastisch gestiegener Lebenshaltungskosten verzeichnet die Lufthansa schon seit Monaten eine hohe Auslastung und kann deutlich höhere Ticketpreise durchsetzen.

Zwar sind auch für die Airline die Kosten im Tagesgeschäft gestiegen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum musste die Lufthansa im 2. Quartal rund 7 Prozent mehr aufwenden für Flugsicherung, Flughafengebühren, Wartung oder Ersatzteile. Weil sich zugleich aber die Ticketpreise um satte 13 Prozent verteuerten, konnten die Mehrausgaben mehr als kompensiert werden.

Alle Tochtergesellschaften im Plus

Insgesamt stieg der Umsatz im Zeitraum von April bis Ende Juni um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf nunmehr 9,4 Milliarden Euro. Den Nettogewinn konnte die Lufthansa binnen Jahresfrist mehr als verdreifachen auf 881 Millionen Euro. Die Zahl der Fluggäste stieg um 14 Prozent auf gut 33 Millionen.

Bemerkenswert ist auch, dass zum ersten Mal alle 11 zum Lufthansa-Konzern gehörenden Airlines Gewinne erwirtschafteten. Insbesondere Eurowings hatte in der Vergangenheit immer wieder zu kämpfen und fuhr Verluste ein, nun aber schaffte es auch der Ferienflieger in die Gewinnzone, und das noch vor Beginn der Hauptreisesaison im laufenden Sommerquartal. Die Buchungszahlen für das zweite Halbjahr beziffert Vorstandschef Spohr auf mehr als 90 Prozent des Vorpandemieniveaus. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern ein Flugangebot von knapp 85 Prozent des Vorkrisenniveaus an.

Frachtsparte bricht ein – Free Cashflow schockt Anleger

Der operative Gewinn der Passagier-Airlines Lufthansa, Eurowings, Brussels, Austrian und Swiss summierte sich auf 965 Millionen Euro – nach 86 Millionen Euro Verlust im Vorjahresquartal. Während hier nach der Pandemie der Höhenflug einsetzt, bekommt auf der anderen Seite die Frachtsparte die umgekehrte Entwicklung zu spüren: Die „Sonderkonjunktur“, die durch die pandemiebedingten Einschränkungen für das Frachtgeschäft ausgelöst wurde, ist inzwischen vorbei.

War die Frachtsparte im vergangenen Jahr noch einer der Hauptgewinnbringer für den Konzern, brach der bereinigte operative Gewinn nun drastisch ein – von 482 Millionen Euro in Q2 des Vorjahres auf nur noch 37 Millionen Euro in Q2 2023.

Die negativen Börsenreaktionen bezogen sich jedoch vorrangig auf eine andere Kennziffer in der Bilanz: Während die meisten Zahlen die Erwartungen der Analysten übertreffen konnten, lag der freie Barmittelzufluss mit 589 Millionen Euro gerade einmal bei der Hälfte dessen, was Experten prognostiziert hatten.

Wichtige Abstimmung bis Donnerstag: Tarifeinigung mit Pilotengewerkschaft?

Mit Spannung erwartet werden in dieser Woche zudem die Ergebnisse der Pilotenabstimmung. In den laufenden Tarifverhandlungen zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit können die Gewerkschaftsmitglieder noch bis zum 10. August darüber abstimmen, ob sie das jüngst vorgelegte Tarifpaket annehmen oder nicht. Falls das Verhandlungsergebnis abgelehnt wird, drohen erneut Streiks. Bereits im vergangenen Sommer hatten die Piloten zeitweise ihre Arbeit niedergelegt und für zahlreiche Flugausfälle gesorgt.

Stimmen die Piloten dem Tarifkompromiss zu, würde das aus Sicht von Lufthansa-Chef Spohr für eine Weile Stabilität bedeuten: Aus Sicht des Unternehmens besonders bedeutsam ist die außergewöhnlich lange vorgesehene Laufzeit des Tarifvertrags von 42 Monaten.