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Lufthansa Aktie mit Rückenwind – Techniksparte vor Abspaltung?

Inhaltsverzeichnis

Für kaum eine Branche war die Corona-Pandemie ein solch heftiger und nachhaltiger Schock wie für die Luftfahrt.

Praktisch von einem Tag auf den anderen kam der weltweite Flugverkehr nahezu vollständig zum Erliegen. Abgesehen von Frachtflügen blieb es über lange Monate bei strikten Reisebeschränkungen für Passagiere, binnen weniger Wochen geriet die vormals glänzend aufgestellte Lufthansa in existenzielle wirtschaftliche Nöte und musste mit staatlicher Unterstützung vor der Pleite bewahrt werden.

Die Auferstehung des Kranichs

Inzwischen hat sich der stolze Kranich wieder aufgerappelt. Ganz so spektakulär wie Phoenix aus der Asche erscheint die Auferstehung zwar noch nicht, dennoch gibt man sich bei der Traditionsairline optimistisch.

Zuversichtlich stimmten dabei nicht zuletzt die jüngsten Quartalszahlen. Im Zeitraum von Juli bis Ende September verbuchte die Fluggesellschaft einen Überschuss von rund 809 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte hier noch ein Verlust von 72 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Der operative Gewinn kletterte auf etwa 1,1 Milliarden Euro und konnte sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum vervierfachen. Beim Umsatz verzeichnet die Lufthansa im Vergleich zum Vorjahresquartal eine Verdoppelung auf gut 10 Milliarden Euro.

Die starken Zahlen sind vor allem beachtlich vor dem Hintergrund, dass wegen Personalmangels an den Flughäfen – insbesondere im Bereich der Sicherheitschecks – tausende Flüge aus dem Flugplan gestrichen werden mussten und zusätzlich Streiks für weitere Ausfälle sorgten.

Q4: Passagierauslastung von 80 Prozent erwartet

Als Referenz gilt in diesen besonderen Zeiten jedoch nicht das coronageplagte Vorjahr, sondern vielmehr das Jahr 2019 – also das letzte „normale“ Jahr vor dem Ausbruch der Pandemie und ihren weitreichenden Folgen. Erstmals seit 2019 schrieben im Sommerquartal alle Passagierairlines der Lufthansa-Familie wieder schwarze Zahlen.

Im Schlussquartal geht die Nachfrage saisonbedingt üblicherweise zurück. Dennoch erwartet die Lufthansa für das laufende Jahresviertel eine Auslastung im Passagierbereich von etwa 80 Prozent im Vergleich zum 4. Quartal 2019. Dass die Durchschnittserlöse im zurückliegenden Sommerquartal diejenigen von 2019 sogar schon um 23 Prozent übertreffen konnten, führt Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor allem auf höhere Ticketpreise zurück.

Kann der Höhenflug fortgesetzt werden?

Die Nachfrage ist groß, die Sehnsucht nach Reisen immens nach zwei Jahren pandemiebedingter Beschränkungen. Fraglich ist allerdings, ob sich diese Entwicklung auch im kommenden Jahr halten wird: Angesichts der anhaltend hohen Inflation gilt ein Abgleiten in eine Rezession unter Ökonomen inzwischen als ziemlich wahrscheinliches Szenario.

Ein Konjunktureinbruch könnte sich sowohl auf das Passagiergeschäft wie auch das Frachtgeschäft der Lufthansa negativ auswirken. So dürften angesichts stark gestiegener Energie- und Lebenshaltungskosten die Urlaubsbudgets für das kommende Jahr zusammenschrumpfen und auch die Kaufkraft der Konsumenten nahm zuletzt spürbar ab.

Tarifkonflikt bei Eurowings

Bei geringerer Auslastung der Maschinen dürften dann auch die Ticketpreise wieder sinken – zumal, wenn die europäische Konkurrenz auf der Kurz- und Mittelstrecke entsprechend vorlegt. Seit Langem befindet sich die Lufthansa in harter Konkurrenz zu Billiganbietern wie Easyjet oder Ryanair. Die eigene Tochtergesellschaft Eurowings, die sich vorrangig auf touristische Ziele in Europa fokussiert, tut sich da oftmals schwer, mitzuhalten.

Die Lage wird nicht einfacher durch die tarifliche Auseinandersetzung, die sich Eurowings derzeit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit liefert. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Gehaltsentwicklung. Vielmehr fordern die Beschäftigten bessere Rahmenbedingungen wie eine Ausweitung der flugfreien Zeiten.

Der Tarifkonflikt wird von beiden Seiten mit harten Bandagen geführt, Pilotenstreiks und Arbeitgeberultimatum inklusive. Zurzeit wird wieder verhandelt, doch nach den jüngsten Arbeitsniederlegungen im Oktober gelten die Fronten als verhärtet.

Premiumkonkurrenz auf der Langstrecke

Auch im Bereich der Langstrecke steht die Lufthansa unter Druck. Hier kommt die Konkurrenz vor allem von Seiten der Premiumairlines aus den Golfstaaten wie etwa Qatar Airways oder Emirates. Um bei deren Standards mithalten zu können, sind mittelfristig hohe Investitionen erforderlich – und das in absehbar turbulenterem Umfeld.

Wohin die Reise für den Kranich im kommenden Jahr gehen wird, steht somit in den Sternen. Für das aktuelle Jahr immerhin bleibt der Konzern zuversichtlich – und hat im Zuge der Q3-Bilanz die Jahresprognose für das bereinigte Betriebsergebnis noch einmal verdoppelt. Hier geht man nun von mehr als 1 Milliarde Euro aus.

Lufthansa Technik: Wird das Tafelsilber vergoldet?

Auch im Bereich Lufthansa Technik wurde die Prognose noch einmal angehoben. Hier geht das Unternehmen nun von einem Jahresergebnis von bis zu 500 Millionen Euro aus. Die Sparte steht aus Anlegersicht derzeit besonders im Fokus, denn gerüchteweise steht womöglich eine Abspaltung bevor. Aktuell sammelt die Lufthansa demnach Angebote verschiedener Investoren.

Für Anleger, die in diesem Jahr insgesamt an den Börsen wenig Grund zur Freude hatten, läuft es mit einem Lufthansa-Investment derzeit gut: Beflügelt von den Q3-Zahlen setzte die Lufthansa Aktie in den vergangenen Wochen zu einer Rally an. Seit Beginn des Jahres hat der Kurs bereits um mehr als 5 Prozentpunkte zugelegt.

Ein positives Signal setzte in der vergangenen Woche zudem die Schweizer Großbank UBS, die das Kursziel für die Lufthansa Aktie von 7,80 auf 8,55 Euro anhob und ihre Einstufung bei „neutral“ bestätigte.