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Lufthansa Aktie: Analysten warnen vor dunklen Wolken

Inhaltsverzeichnis

Wer mit dem Flieger in den Urlaub will, braucht dieser Tage starke Nerven. Dabei sind nicht einmal Streiks das zentrale Problem. Vielmehr mangelt es an Personal – und zwar vor allem an den Sicherheitsschleusen.

Security-Check wird zur Geduldsprobe

Der Security-Check ist spätestens seit den verschärften Vorschriften nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zum Nadelöhr geworden auf dem Weg der Passagiere zum Gate. Hier dauert es am längsten, vor allem wenig erfahrene Reisende mit suboptimal gepackten Kabinenkoffern sorgen für Verzögerungen.

Nun aber mehren sich die Berichte von extrem langen Warteschlangen im Bereich der Sicherheitskontrollen. Etwa an den Flughäfen Köln/Bonn, aber auch in Düsseldorf fehlt es offenbar an qualifiziertem Personal. Etliche Passagiere haben deswegen ihre Flieger in den Oster- oder Pfingsturlaub verpasst, wie regionale Medien berichten.

Uneinheitliche Maskenpflicht sorgt für Unverständnis

Ein Ärgernis – nicht nur aus Sicht der Passagiere, sondern auch für die Airlines, die sich in diesem Jahr endlich auf eine Erholung freuen dürfen: Nach zwei Jahren Pandemie, in denen die Luftfahrtbranche – abgesehen vom Frachtverkehr – weitgehend zum Erliegen kam, ist die Nachfrage in diesem Jahr wieder deutlich angestiegen.

Reisebeschränkungen wurden aufgehoben oder gelockert, beliebte Urlaubsziele sind wieder einfacher zu erreichen. Zumindest an den Flughäfen scheint die Pandemie vorbei zu sein. Das zeigt sich auch am Wegfall der Maskenpflicht, etwa an Deutschlands größtem Drehkreuz, dem Frankfurter Flughafen.

Lufthansa weniger streng bei Maskenpflicht an Bord?

In den Terminals wurde die Maskenpflicht abgeschafft, viele Airlines verlangen sie an Bord der Maschinen aber immer noch. Auf Flügen von und nach Deutschland ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin verpflichtend. Weil entsprechende Regelungen in vielen anderen Ländern aber bereits gestrichen wurden, reagieren Passagiere immer häufiger mit Unverständnis, so die Einschätzung der Lufthansa.

Zwar halten auch andere EU-Staaten, darunter beliebte Urlaubsländer in der Mittelmeerregion, weiterhin an der Maskenpflicht in Flugzeugen fest. Doch laut einer internen Risikobewertung der Lufthansa stellt die Durchsetzung der Maskenpflicht inzwischen ein höheres Sicherheitsrisiko dar als Reisende ohne Maske gewähren zu lassen. Das Unternehmen scheint demnach seinem Kabinenpersonal mehr Spielraum zuzugestehen, wenn es darum geht, Maskenverweigerer zur Räson zu rufen.

Die Regelung gilt vorerst bis zum 23. September und betrifft neben Flugzeugen auch Fern- und Regionalzüge. Bundesverkehrsminister Volker Wissing sprach zuletzt von Anpassungsbedarf, Widerspruch kam aus dem SPD-geführten Gesundheitsministerium. Auch die Grünen stehen einem Abschied von der Maskenpflicht eher skeptisch gegenüber. Ob und inwieweit es also während der Sommersaison gesetzliche Anpassungen geben wird, ist bis auf Weiteres unklar.

Lufthansa rechnet mit kräftiger Erholung

Gerade die Lufthansa hatte unter der Pandemie besonders stark zu leiden. Das bis 2019 glänzend laufende Traditionsunternehmen stand im Frühjahr 2020 kurz vor der Insolvenz, als der internationale Flugverkehr kurzfristig fast komplett eingestellt wurde und monatelang zum Erliegen kam. Staatliche Hilfsmilliarden bewahrten den Kranich vor der Pleite, dennoch fiel die Lufthansa Aktie aus dem Dax und ist seither in der zweiten Reihe, dem MDax, gelistet.

Für das laufende Jahr rechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr jedoch mit einer deutlichen Erholung. Bereits in den ersten Monaten des Jahres sei die Ticketnachfrage deutlich gestiegen, auch für den Sommer rechnet der Konzern mit zunehmender Reiselust der Deutschen.

Höhere Ticketpreise – und eine Tarifänderung

Allerdings müssen sich Passagiere auf höhere Ticketkosten einstellen. Wegen steigender Ölpreise ziehen auch die Kosten für Kerosin an – einer der Hauptposten auf der Ausgabenseite von Fluggesellschaften.

Neben den Ticketpreisen hat die Lufthansa nun eine weitere Änderung angekündigt: Wer im günstigsten Tarif Economy Light fliegen will, muss nun den beim Check-in zugewiesenen Sitzplatz akzeptieren – andernfalls wird eine Gebühr fällig, die bei 25 Euro startet. Bislang hatten Kunden die Möglichkeit, ab 23 Stunden vor Abflug ihren Sitzplatz gebührenfrei zu ändern. Diese Option entfällt nun für den Billigtarif mit der Neuregelung ab dem 21. Juni. In höheren Preisstufen hingegen ist die freie Sitzplatzwahl weiterhin im Tarif enthalten.

Lufthansa Aktie weiter unter Druck

Dass es für die Lufthansa zuletzt wieder besser lief, zeichnet sich auch in den Quartalszahlen ab: Im Zeitraum von Januar bis Ende März konnte die Airline ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal verdoppeln – und den Verlust nahezu halbieren.

Am Parkett steht die Airline jedoch weiterhin unter Druck. Auf Jahressicht liegt die Lufthansa Aktie rund 13 Prozent im Minus und notierte am Freitag bei 6,70 Euro. Auch Analysten zeigten sich zuletzt deutlich zurückhaltend: Neben vielen neutralen Einstufungen gab es auch wieder vermehrt Verkaufsempfehlungen, so etwa von der US-Großbank Morgan Stanley, die das Kursziel jedoch mit 7,00 Euro höher ansetzt als die aktuelle Notierung.

Analysten rechnen weiter mit Schwierigkeiten

Mit einem weiteren Kursverfall rechnen hingegen Experten der britischen Barclays Bank, wenngleich sie ihr Kursziel für die Lufthansa Aktie zuletzt von 5,20 auf 5,70 angehoben haben. Den optimistischsten Ausblick wagt derzeit die Deutsche Bank, die das Kursziel von 7,90 auf 8,00 angehoben hat, aber weiterhin lediglich zum Halten der Lufthansa Aktie rät.

Mit Blick auf die Risiken verweisen Analysten neben Unsicherheiten bei den Treibstoffkosten auch auf ungünstige Wechselkurse sowie ein steigendes Rezessionsrisiko. Trotz der Erholungsphase im laufenden Jahr könnte die Airline demnach in den kommenden beiden Jahren erneut in Turbulenzen geraten.

Lange Warteschlangen auch an britischen Flughäfen

Turbulent lief es zuletzt übrigens nicht nur an deutschen Flughäfen. Auch in Großbritannien fehlt es an Bodenpersonal. Michael O’Leary, Chef des irischen Billigfliegers Ryanair, hat deswegen vor wenigen Tagen vorgeschlagen, das Militär aushelfen zu lassen. Bereits in der Vergangenheit waren Militärangehörige eingesprungen, um Engpässe abzufedern, etwa weil es an Lkw-Fahrern mangelte, um Waren in die Supermärkte und Sprit an die Tankstellen zu liefern.

Das Problem ist jedoch weitgehend hausgemacht: Seit dem Austritt aus der Europäischen Union gibt es hohe Hürden für diejenigen, die eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Großbritannien bekommen wollen. Viele Arbeiter – vor allem im Niedriglohnsektor – sind deswegen nicht auf die Inseln zurückgekehrt. Das macht sich nun bemerkbar, sehr zum Ärger der Fluggäste, die auch in London oder Manchester zuletzt Geduld mitbringen mussten – und dennoch zum Teil ihre Flüge verpassten.