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Rückzug aus dem Dax: Linde bereitet Abschied aus Frankfurt vor

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Niederlage mit Ansage: Mit Linde zieht sich in Kürze voraussichtlich das wertvollste Dax-Unternehmen von der Deutschen Börse zurück.

Dax verliert mit Linde ein Schwergewicht

Der Schritt kommt wenig überraschend. Der Industriegaskonzern hat sich 2018 mit dem US-Wettbewerber Praxair zusammengeschlossen und in diesem Zusammenhang die Umfirmierung zur britischen Rechtsform plc vorgenommen. Zudem wurde der Firmensitz nach Irland verlagert.

Mit einem Börsenwert von zuletzt rund 145 Milliarden Euro hat Linde im Dax den ehemaligen Spitzenreiter SAP deutlich abgehängt, der es Ende Oktober auf eine Marktkapitalisierung von etwa 107 Milliarden Euro brachte. Doch nur ein geringer Bruchteil des Handels mit Linde Aktien findet in Frankfurt statt.

Handel schon jetzt größtenteils in den USA

Rund drei Viertel des täglichen Aktienhandels mit Linde Anteilsscheinen findet bereits jetzt in den USA statt. Das schlägt sich auch in der Eigentümerstruktur nieder: Mehr als 70 Prozent der Anteile sind in den Händen US-amerikanischer Investoren, deutsche Anleger halten nicht einmal 10 Prozent an Linde.

Die Doppelnotierung in Frankfurt und New York bringt aus Sicht der Unternehmensführung mehr Lasten als Nutzen mit sich und beeinträchtigt die Gesamtbewertung des Konzerns an der Börse. Daher soll den Aktionären der Abschied aus Frankfurt nahegelegt werden. Stimmen die Anteilseigner zu, will man eine neue Dachgesellschaft gründen. Aktionäre sollen ihre bisherigen Linde Aktien dann eintauschen können in Anteilsscheine der neuen Holding, um den Umzug abzuwickeln.

Linde überzeugt mit starken Q3-Zahlen

Es ist zu erwarten, dass viele Anleger dem geplanten Schritt folgen und ihr Investment halten werden. Gerade erst hat das Unternehmen mit frischen Quartalszahlen überzeugen können und damit kurzfristige Kursverluste, die sich mit der Meldung um den Dax-Rückzug ergeben hatten, mehr als ausgeglichen.

Im Zeitraum von Juli bis Ende September kletterte das bereinigte operative Ergebnis demnach um 11 Prozent auf gut 2 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz legte um 15 Prozent zu auf 8,8 Milliarden US-Dollar.

Jahresprognose angehoben – Absätze in Europa rückläufig

Angesichts der starken Geschäftsentwicklung – trotz des eingetrübten gesamtwirtschaftlichen Umfelds – hat Linde zudem seine Jahresprognose angehoben. Anstelle eines Gewinns je Aktie zwischen 11,73 und 11,93 Dollar rechnet das Unternehmen nunmehr mit einer Gewinnspanne zwischen 11,93 und 12,03 Dollar je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Steigerung um 12 bis 13 Prozent.

Gegenwind spürt der Industriegaskonzern vor allem in Europa, wo zuletzt Absatzrückgänge um 3 Prozent zu Buche schlugen. Finanziell ausgeglichen wurde das jedoch durch massive Preiserhöhungen, sodass unterm Strich auch hier die Umsätze um 11 Prozentpunkte zulegen konnten.

Analysten bekräftigen Kaufempfehlungen für Linde Aktie

Im Gegensatz dazu brummt das US-Geschäft, wo Linde den Löwenanteil seiner Umsätze erzielt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres kletterten die Umsätze im dritten Quartal hier um 20 Prozent.

Analysten reagierten positiv auf die Quartalsbilanz, die im Wesentlichen den Markterwartungen entsprechen konnte. Mehrere Experten bekräftigten daraufhin ihre Kaufempfehlungen, zum Teil wurden auch die Kursziele für die Linde Aktie noch einmal angehoben.

Annäherung an Jahreshoch von Juni

So sieht die Deutsche Bank das Kursziel nunmehr bei 355 nach zuvor 350 Euro. Die DZ Bank erhöhte das Kursziel für die Linde Aktie von 360 auf 363 Euro. Die Schweizer Großbank UBS bestätigte sowohl Kaufempfehlung wie auch Kursziel, das erneut mit 350 Euro beziffert wurde.

Zuletzt kostete die Linde Aktie am Freitag rund 310 Euro. Damit näherte sich der Kurs seinem Jahreshoch an, das im Juni bei gut 315 Euro markiert wurde.