DHL Group: Umsatz- und Gewinneinbruch in Q2

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Zeit für Modernisierung: Der ehemalige Staatskonzern Deutsche Post hat sich kürzlich offiziell umbenannt. Der Logistikdienstleister heißt nunmehr DHL Group – und trägt damit seinen wichtigsten Geschäftsbereich im Namen.

Langfristiger Wandel: Briefgeschäft schwächelt, Paketgeschäft boomt

Spätestens seit dem Siegeszug der E-Mail werden Briefe nur noch im Ausnahmefall verschickt, meist geht es dabei um Behördenangelegenheiten. Private Grüße landen allenfalls in der Vorweihnachtszeit noch im Briefkasten, Urlaubsimpressionen werden längst in Echtzeit über Messengerdienste und soziale Medien mit den Lieben daheim geteilt.

Das Frachtgeschäft aber boomt. Der Onlinehandel hat sich als wahrer Wachstumsmotor für die Branche erwiesen, die Zahl der Paketsendungen ist vor allem während der Pandemie noch einmal deutlich in die Höhe geschossen. Damals waren Filialen des Einzelhandels monatelang geschlossen oder nur unter strengen Einschränkungen geöffnet, viele verlagerten oder intensivierten daraufhin ihre Aktivitäten in Sachen Onlineshopping.

Q2-Bilanz: Im Zeichen der „Normalisierung“

Inzwischen ist die Pandemie aus der breiten öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden, das Leben der meisten hat sich wieder normalisiert. Normalisierung ist auch das Stichwort, mit dem die DHL Group ihre jüngsten Quartalsergebnisse erklärt: Die sind rückläufig, kommen aber eben von enorm hohem Niveau aus den Pandemiejahren.

Konkret ging der konzernweite Umsatz im Zeitraum von April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahresquartal um mehr als 16 Prozent zurück auf 20,1 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach um mehr als ein Viertel ein auf nunmehr knapp 1,7 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie schrumpfte von 1,17 Euro im Vorjahreszeitraum auf nur noch 0,80 Euro.

Zahlenwerk verfehlt Expertenerwartungen

Experten waren zwar von einem Rückgang ausgegangen, allerdings verfehlten die am Dienstag vorgelegten Zahlen die Markterwartungen dennoch: Im Schnitt hatten Analysten mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 0,84 Euro gerechnet, beim Quartalsumsatz hatten sie den Bonnern knapp 22 Milliarden Euro zugetraut.

Positive Nachrichten mussten Anleger da schon mit der Lupe suchen, doch es gab einen minimalen Lichtblick. So hob der Vorstand den Jahresausblick am unteren Ende leicht an. Beim Ebit liegt die prognostizierte Spanne für das Geschäftsjahr nicht mehr bei 6 bis 7 Milliarden Euro, sondern bei mindestens 6,2 bis 7 Milliarden Euro.

Gewinneinbruch trifft ganze Branche

Mit dem Gewinneinbruch ist die DHL Group nicht allein: Die gesamte Branche steht unter dem Druck ebenjener „Normalisierung“ nach den Boom-Jahren der Pandemie. Zusätzlich belastend wirkt die seit gut einem Jahr anhaltend hohe Inflation, die die Kaufkraft der Konsumenten schmälert und damit auch das Shoppingverhalten ausbremst. Zudem sind auch für die Logistiker die Kosten gestiegen, gerade Frachttransport ist deutlich teurer geworden – ob auf der Schiene, auf der Straße, zu Wasser oder in der Luft.

Entgegenzuwirken versucht das Unternehmen durch eine Anhebung der Portokosten. Vor allem Standardbriefe sind in den vergangenen Jahren immer wieder von Preisanhebungen beim Porto betroffen. Auch für das kommende Jahr hat der Bonner Konzern bei der zuständigen Bundesnetzagentur bereits eine weitere Erhöhung des Briefportos beantragt.

Kosten sparen beim Personal?

Darüber hinaus hofft die DHL Group auf eine Zustimmung der Behörde zu dem Wunsch, Post nicht mehr wie bisher an sechs, sondern künftig nur noch an fünf Tagen in der Woche zuzustellen. Wird dieser Forderung entsprochen, ließen sich gerade beim Personal erheblich Kosten einsparen, was der Bilanz wiederum zuträglich wäre.

Auf die aktuellen Zahlen reagierten Anleger erwartungsgemäß verschnupft. Sie trennten sich von der DHL Aktie, die am Dienstag zeitweise um mehr als 5 Prozent ins Minus rutschte und auch am Mittwoch weiter nachgab.

Gewinnmitnahmen drücken DHL Aktie ins Minus

Vorangegangen war jedoch eine recht starke Entwicklung: Trotz Konjunktursorgen und branchenspezifischen Herausforderungen konnte die ehemals Deutsche Post Aktie seit Beginn des Jahres mehr als 20 Prozent zulegen. Noch am Vortag der Bilanzvorlage hatte das Papier mit einem Kurs von etwas über 47 Euro den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr erreicht. Kein Wunder also, dass im Anschluss Gewinnmitnahmen eingesetzt und den Kurs unter Druck gesetzt haben.

Analysten zeigten sich von dem frischen Zahlenwerk weitgehend unbeeindruckt. Vielfach behielten sie ihre vorherigen Einschätzungen zur DHL Aktie bei. So empfehlen Deutsche Bank und UBS das Papier weiter zum Kauf mit Kurszielen von 54 und 51 Euro. Ihre neutralen Bewertungen behielten die Analysten von Bernstein Research, Goldman Sachs und Warburg Research bei mit jeweils unveränderten Kurszielen zwischen 43,50 und 47 Euro.

Die US-Großbank JP Morgan hält hingegen an ihrer Verkaufsempfehlung fest, erhöhte zugleich aber das Kursziel von 36,70 auf 37,10 Euro. Nach der jüngsten Kurskorrektur war die DHL Aktie am frühen Mittwochnachmittag für knapp 44 Euro zu haben.