Löst ein Preisdeckel die Energiekrise?

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Ob und wie die europäischen Volkswirtschaften diesen Winter überleben werden, hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die tödlich hohen Energiepreise runterzubekommen.

Ein interessantes Konzept dazu, was derzeit ernsthaft diskutiert wird, ist ein Preisdeckel. Hier gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

Löst ein Preisdeckel die Energiekrise?

Variante 1: Ein Preisdeckel nur für russisches Öl und Gas. Man zahlt Russland einfach nur noch einen bestimmten Höchstpreis. Einige EU-Politiker sind offenbar der Ansicht, die europäische Marktmacht wäre groß genug, um dies durchzusetzen.

Das ist leider Wunschdenken. In diesem Fall wird Russland seine Lieferungen einfach einstellen, wie bereits mehrfach angekündigt. Ersatz wäre in ausreichenden Mengen kurzfristig nicht zu bekommen. Dann würden die Preise noch mehr explodieren, was unsere Energie- und Versorgungskrise weiter verschärfen würde.

Variante 2: „Der Staat“ (also letztlich alle Steuerzahler) deckelt den Preis für einen bestimmten, zentral festgelegten Verbrauch. Er zahlt die Differenz zum Marktpreis. Alles, was darüber hinausgeht, ist vom Verbraucher voll zu zahlen. Der Grundverbrauch bleibt damit günstig.

Vorteil: Es gibt weiterhin einen Sparanreiz bei Energie. Außerdem nimmt die Gefahr von Insolvenzen ab. Nachteil: Die Maßnahme ist extrem teuer (mehrere Milliarden Euro pro Cent Preissenkung!). Und letztlich zahlt es eben nicht „der Staat“, wo auch kein Geld auf Bäumen wächst, sondern der Steuerzahler. Der Staat nimmt ja nur dem einen Geld weg und gibt es dem anderen. Bis wir am Ende alle gleich sind. Alle gleich arm.

Es gibt bessere Lösungen, aber erst auf mittlere Sicht

Am einfachsten wäre es natürlich, für mehr Energie zu sorgen. Die Bemühungen der Bundesregierung um neue Flüssiggaslieferungen per Schiff zum Beispiel aus dem Mittleren Osten und Mexiko/ USA sind daher sehr zu begrüßen. Aber: Das reicht mengenmäßig noch lange nicht und Flüssiggas per Schiff ist sehr teuer.

Es muss daher eine Ergänzung durch die Reaktivierung und den Bau neuer (Kohle-) Kraftwerke und der Erschließung heimischer Gasvorkommen erfolgen. Auch wenn letztgenannte Maßnahmen leider Zeit benötigen: das Signal an die Energiemärkte, dass billige Energie „im Bau“ ist, hätte bereits einen preissenkenden Effekt. An den Strom- und Gasmärkten in Europa herrscht ja derzeit eine Angstblase, die man einfach nur anstechen muss.

Was auf jeden Fall verhindert werden muss, ist das blödsinnige Vorhaben, russisches Pipeline-Öl ab Oktober ohne Not (es fällt NICHT unter die EU-Sanktionen) einfach nicht mehr zu importieren. Für solchen Unsinn ist jetzt der wohl schlechteste Augenblick. Sonst haben wir zusätzlich zur Gas- und Stromkrise bald noch eine Treibstoffkrise samt kollabierender Versorgung.

DAX stürzt ab, Märkte misstrauen der Politik

Für deutsche Anleger bleibt das Börsenumfeld damit eine große Herausforderung. Zu groß ist die Abhängigkeit der Börsen von den richtigen politischen Entscheidungen, die man dem aktuellen Personal auf der Regierungsbank höchstens noch mit großen Einschränkungen zutrauen mag. Der Absturz des DAX am Freitag unter die mittelfristig wichtige Unterstützung bei 12.500 Punkte spricht da leider Bände. Die Börse hat der Politik das Vertrauen entzogen. Deutsche Aktien würde ich vorerst nicht mehr anfassen. Zu groß ist hier die Gefahr eines weiteren Absturzes.