Übernahmepoker: Commerzbank stemmt sich mit „Momentum 2030“ gegen UniCredit
Der Übernahmepoker im europäischen Bankensektor spitzt sich weiter zu. Die Commerzbank AG wehrt sich vehement gegen die feindliche Übernahme durch die italienische UniCredit – und das mit zunehmendem Erfolg. Das Management um Vorstandschefin Bettina Orlopp setzt auf die neue, ehrgeizige Strategie „Momentum 2030“, um die eigenen Aktionäre von einer unabhängigen Zukunft zu überzeugen. Der Markt scheint dieses Vorhaben bislang zu honorieren, während die Italiener in Zugzwang geraten.
Commerzbank-Aktie: Momentum 2030 stoppt UniCredit
Dass der Plan der Frankfurter aufgeht, zeigt sich deutlich an der Börse. Am Dienstagmorgen verzeichnet die Commerzbank-Aktie am Leitmarkt Xetra weiterhin eine stabile Tendenz auf hohem Niveau und behauptet sich im Bereich der 37-Euro-Marke. Damit notiert das Papier beständig und signifikant über dem rechnerischen Gegenwert des UniCredit-Tauschangebots.
Die Mailänder Großbank bietet aktuell 0,485 eigene Aktien für jeden Anteilsschein der Commerzbank. Da der Markt die Papiere der Commerzbank jedoch höher bewertet als den von UniCredit offerierten Wert, fehlt für Anleger schlichtweg der finanzielle Anreiz, das Angebot anzunehmen. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank bezeichnen die Offerte daher als unzureichend und haben ihren Anteilseignern offiziell empfohlen, die Papiere nicht anzudienen.
Strategie „Momentum 2030“: Rekordrendite und Aktionärsgeschenke
Das stärkste Abwehrbollwerk der Commerzbank ist die neu justierte Konzernstrategie unter dem Namen „Momentum 2030“. Das Management verspricht weitreichende Effizienzsteigerungen und eine massive Zunahme der Profitabilität.
21 Prozent Eigenkapitalrendite als Zielmarke
Die Kernpunkte der Ausrichtung haben es in sich: Bis zum Jahr 2030 will das Geldhaus seine Nettoeigenkapitalrendite auf ambitionierte 21 Prozent schrauben. Um diese Margen zu erreichen, scheut die Bankführung auch nicht vor harten Einschnitten zurück – das Verhältnis von Aufwand und Ertrag soll nachhaltig sinken. Geplant sind unter anderem Zukunftsinvestitionen von 600 Millionen Euro in Künstliche Intelligenz sowie der Abbau von rund 3.000 Stellen, vorwiegend über Vorruhestandsregelungen und natürliche Fluktuation.
100-Prozent-Ausschüttung lockt Investoren
Um die treuen Aktionäre bei der Stange zu halten und den Verkauf an UniCredit abzuwenden, greift die Commerzbank tief in die Tasche. In den Jahren 2027 und 2028 plant das Institut eine beeindruckende Ausschüttungsquote von 100 Prozent des Gewinns. Anleger sollen über üppige Dividenden und großangelegte Aktienrückkaufprogramme direkt am Erfolg der Eigenständigkeit partizipieren. Diese Aussicht auf satte Renditen in den kommenden Jahren macht es UniCredit-Chef Andrea Orcel extrem schwer, mit seinem derzeitigen Angebot durchzudringen.
Annahmefrist verlängert: UniCredit auf verlorenem Posten?
Die fehlende Begeisterung der Märkte spiegelt sich mittlerweile glasklar in den nackten Zahlen wider. Bis zum ersten Stichtag Ende Mai wurden der UniCredit lediglich magere 1,1 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient – ein unmissverständliches Signal, dass die Abwehrstrategie der Frankfurter derzeit vollumfänglich greift.
Aufgrund dieser minimalen Annahmequote sah sich die italienische Bank nun gezwungen, die offizielle Annahmefrist für das Umtauschangebot bis zum 3. Juli 2026 zu verlängern. Aus dem aggressiven Übernahmeversuch ist längst ein zähes Geduldsspiel geworden. Branchenbeobachter und Analysten gehen davon aus, dass UniCredit finanziell deutlich nachbessern muss, falls der Deal nicht am selbst verordneten Sparzwang scheitern soll.
Für Sie als Anleger bleibt die Situation hochspannend. Die Commerzbank hat in den vergangenen Wochen eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich nicht kampflos schlucken lässt. Solange das Institut mit einer überzeugenden „Momentum 2030“-Vision aufwartet und der Aktienkurs Stärke zeigt, liegt der Ball nun unweigerlich in Mailand.