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Dax 30: DAX Analyse: Korrektur nach Wahlschlappe einplanen

Die Masse der Analysten ging im Vorfeld der Bundestagswahl davon aus, dass die Wahl keinerlei Überraschungspotenzial bieten würde und bereits gelaufen wäre. Die Masse lag (wie schon bei Brexit und der US-Wahl) wieder einmal falsch.

Dieses Überraschungspotenzial wird sich in den kommenden Tagen in Form einer DAX-Korrektur entladen, die sich aber in einem überschaubaren Rahmen halten wird.

Die Bundestagswahl hat zwei wichtige Entwicklungen offenbart:

Erstens: Wenn eine bestimmte Partei und deren Wähler von Medien und Politik stigmatisiert wird, dann ist Wahlumfragen/-prognosen kaum zu trauen, da sich die Befragten unter einem solchen Druck kaum wahrheitsgemäß bezüglich ihrer Präferenzen äußern.

Das Phänomen der „sozialen Erwünschtheit“ spielte bereits in den Umfragen zu Brexit und US-Wahl eine herausragende Rolle. Wahlüberraschungen sind dann die Regel.

Deshalb drohen Deutschland italienische Verhältnisse

Zweitens: Die „großen Volksparteien“ haben massiv an Stimmen verloren. Die Parteienlandschaft zersplittert immer weiter, Regierungsbildungen werden erschwert.

Deutschland ist dabei, den wichtigen Standortfaktor „politische Stabilität“ zu verlieren und begibt sich in Richtung „italienische Verhältnisse“ (wechselnde Mehrheiten, Minderheitsregierungen, politische Instabilität und häufige Neuwahlen). Soweit ist es noch nicht, aber die Richtung ist eindeutig.

Ursache dieser Entwicklung ist die Politik der ehemaligen großen Volksparteien CDU und SPD. Beide betreiben zunehmend Klientelpolitik für bestimmte Randgruppen (etwa sexuelle oder religiöse Minderheiten), verprellen damit ihre Stammwählerschaft und fahren somit Wahlergebnisse ein, die immer mehr den kleineren Klientelparteien ähneln.

Die SPD etwa wird Umfragen zufolge nur noch zu 25% von ihrer Stammwählerschaft, den Arbeitern, gewählt. In die Bresche springen neue Parteien, die die enttäuschte ehemalige Stammwählerschaft und auch einen großen Teil der bisherigen Nichtwähler absorbieren.

Mehr Parteien bedeuten mehr politische Vielfalt, aber auch schwierigere Regierungsbildungen. Nur eine Rückbesinnung der großen Parteien auf die Interessen ihrer Stammwählerschaft kann diese Entwicklung noch umkehren. Vielleicht gibt die jüngste Wahlschlappe den dafür nötigen Denkanstoß.

Schwierige Regierungsbildung belastet die Märkte in den kommenden Wochen

Eine schwierige Regierungsbildung können wir bereits in den kommenden Tagen und Wochen erleben.

Da sich die zweitstärkste Partei SPD nach ihrer Wahlschlappe (schlechtestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik) in die Opposition zurückziehen möchte, bleibt dem „Wahlsieger“ CDU (zweischlechtestes Ergebnis seit Gründung der Bundesrepublik) nur der Versuch, mit den zwei kleineren Parteien FDP und Grüne zu regieren. Was aufgrund der stark unterschiedlichen Wahlprogramme wenig Stabilität verspricht.

Märkte mögen keine Instabilität. Zudem dürfte den Märkten eine Regierungsbeteiligung der wirtschaftsfeindlichen Grünen (massive Markteingriffe via Subventionen für bestimmte Energiearten, Ablehnung von Verbrennungsmotoren sowie fossiler Energieerzeugung etc.) weiteres Kopfzerbrechen bereiten.

Es ist fraglich, ob diese Nachteile durch die Mehrheit der eher wirtschaftsfreundlichen Parteien CDU/CSU und FDP wieder kompensiert werden können. Sofern eine Regierungsbildung aus den drei Blöcken überhaupt gelingt. Falls nicht, wären Neuwahlen die nächste Hiobsbotschaft für die Märkte.

Ich halte baldige Neuwahlen für unwahrscheinlich und gehe von dem Versuch aus, eine „Jamaika-Koalition“ zu bilden. Ein Experiment, welches es auf Bundesebene bisher nie gegeben hat. Davon scheinen auch die Märkte auszugehen, denn die negative Reaktionen zu Wochenbeginn fallen relativ milde aus.

Börsendiagramme

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DAX und Euro brachen (vorbörslich) etwas ein, versuchen sich aktuell jedoch an einer Erholung. Ein weiteres denkbares Szenario wäre auch eine von der SPD tolerierte Minderheitsregierung aus CDU/CSU und FDP.

Diese beiden Schock-Ereignisse könnten den DAX noch abstürzen lassen

Ich gehe davon aus, dass diese Erholung weiterlaufen wird, sobald die Sondierungsgespräche zwischen den möglichen Koalitionspartnern Fortschritte machen. Für gewöhnlich haben politische Börsen kurze Beine.

Einen größeren Kurseinbruch sehe ich nur im Falle politischer Negativ-Überraschungen. Hier käme neben gescheiterten Koalitionsverhandlungen nur ein Krieg zwischen Nordkorea und den USA in Frage.

DAX Tageschart: Korrektur nach Wahlschlappe einplanen  

Mein favorisiertes Szenario geht von einer Rallyfortsetzung aus

Bleiben diese Ereignisse aus, dürfte der DAX nach einer mehrwöchigen Verschnaufpause direkt in die Jahresendrally übergehen. Aktuell sehe ich den Index in einer Box zwischen 12.300 und 12.600 Punkten in einer Konsolidierung.

Ein Ausbruch aus diese Spanne dürfte die Richtung der nächsten Monate vorgeben. Ich erwarte diesen Ausbruch nicht vor ca. Mitte Oktober. Die vordergründig gute Wirtschaftslage und die in Kürze wieder extrem positive Saisonalität sollte für einen Ausbruch nach oben sorgen.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
170407 Invest Voigt 72 04
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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