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Commerzbank Aktie : Commerzbank Aktie: Wird jetzt durchgegriffen?

Manfred Knof hat keinen leichten Job. Der Manager, der zuvor für die Allianz und das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank tätig war, ist seit Anfang des Jahres neuer Vorstandsvorsitzender der Commerzbank.

Damit leitet er nicht nur Deutschlands zweitgrößte Privatbank, sondern auch eins der größten Sorgenkinder der Dax-Familie. Seit sich das Geldhaus 2009 an der Übernahme der Dresdner Bank verhoben hat und im Zuge der Finanzkrise vom Steuerzahler gerettet werden musste, ging es nicht mehr so recht aufwärts. Nach wie vor ist die Regierung als Großaktionär an Bord, das staatliche Engagement dauert damit länger, als es sich Bund und Bank gewünscht hätten.

Immerhin die faulen Schiffskredite ist man vor einigen Jahren losgeworden, doch 2020 hielt gleich mehrere neue Fallstricke parat: Coronabedingt wurden die Rücklagen für drohende Kreditausfälle auf 1,7 Milliarden Euro aufgestockt, zudem mussten 1,5 Milliarden Euro aus dem Zukauf der Dresdner Bank auf Drängen der Wirtschaftsprüfer nun komplett abgeschrieben werden. Auch der Pleiteskandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard kam die Commerzbank teuer zu stehen, hier musste ein Kreditvolumen von knapp 200 Millionen Euro abgeschrieben werden.

Knof soll liefern, was Zielke versprach

Unterm Strich verbuchte die Commerzbank für 2020 einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro und verzeichnete damit das schwächste Geschäftsjahr seit 2009. Dass Knof gerade in dieser Situation als neuer Vorstandschef das Ruder übernimmt, kommt nicht von ungefähr.

Sein Vorgänger Martin Zielke hatte in den vergangenen Jahren viel gesprochen über Umbau- und Sanierungspläne, über Digitalisierung, Filialschließung und Personalabbau. Die Versprechen waren groß, geliefert wurde wenig – zu wenig, aus Sicht von Analysten und Anlegern. Knof soll das Ruder nun herumreißen und liefern. Dabei erfindet der Mann das Rad nicht neu. Stattdessen klingt die Strategie, die Knof im Rahmen der Bilanzpräsentation am 11. Februar vorstellte, relativ ähnlich wie die seines Vorgängers, nur hier und da etwas radikaler.

Direktbank statt Filialbank

Die Digitalisierung soll vorangetrieben werden, Kunden sollen per Internet, App oder Telefon ihre Bankgeschäfte erledigen und nur noch in komplexeren Fällen vor Ort beraten werden. Ansonsten werden Mitarbeiter in den Filialen in erster Linie die Aufgabe haben, den Kunden die digitalen Funktionen näherzubringen, um diese zur eigenständigen Erledigung ihrer Bankgeschäfte von zuhause oder unterwegs aus zu befähigen.

Helfen könnte dabei die Integration der Direktbank comdirect, mittelfristig soll außerdem etwa die Hälfte der aktuell rund 1.000 Inlandsfilialen schließen. Auch im Ausland dünnt die Commerzbank ihr Standortnetz weiter aus, insgesamt 10.000 Arbeitsplätze stehen auf der Streichliste. Demgegenüber stehen rund 2.500 Stellen, die im Zuge der Digitalisierung neu entstehen sollen, allerdings wohl vorrangig in Osteuropa. Allein in der Konzernzentrale in Frankfurt soll nahezu jede dritte Stelle wegfallen.

Da Knof in Sachen Personalabbau aufs Tempo drücken will, schließt er auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus – auch wenn er betont, diese möglichst vermeiden zu wollen. Angesichts der starken Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat könnte es hier noch zum ein oder anderen Schlagabtausch kommen.

Schon 2021 zurück in die Gewinnzone?

Das Geschäft der Zukunft will Knof auf Privat- und Geschäftskunden fokussieren, Aktienhandel und Aktienanalyse hingegen werden eingestampft. Erklärtes Ziel des neuen Vorstandschefs ist außerdem, die Commerzbank eigenständig zu halten und wirtschaftlich profitabel aufzustellen. Damit erteilt er immer wieder aufkeimenden Spekulationen um eine Fusion mit der Deutschen Bank oder einer Übernahme der Commerzbank durch andere Wettbewerber eine klare Absage.

Schon für 2021 peilt Knof an, mit der Commerzbank wieder einen operativen Gewinn zu erwirtschaften. Dazu beitragen sollen neben den Vorständen, die für 2020 keine Boni erhalten, und den tausenden wegfallenden Arbeitsplätzen auch Kunden über höhere Gebühren für Girokonten oder Wertpapierdepots.

Analysten bleiben skeptisch

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits 2024 soll die Commerzbank nach der Vorstellung Knofs wieder 2,7 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaften, zudem soll Anlegern für das Jahr 2023 möglichst wieder eine Dividende ausgezahlt werden. Die Aussicht auf Zucker liegt allerdings noch so weit in der Zukunft, dass es für größere Sprünge am Parkett kurzfristig nicht reichte: Trotz kurzzeitiger Kursgewinne liegt der Wert der Commerzbank Aktie noch rund 20 Prozent unterhalb des Vor-Corona-Niveaus.

Analysten raten ebenfalls dazu, erst einmal abzuwarten, ob Knof im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht nur Versprechen abgibt, sondern tatsächlich liefert. Mit großer Mehrheit raten die Experten derzeit zum Halten der Aktie, die Kursziele bewegen sich dabei überwiegend in einem Bereich zwischen 5 Euro (JP Morgan, Credit Suisse) und 6,90 Euro (Goldman Sachs). Zum Wochenauftakt kostete die Commerzbank Aktie 5,30 Euro.

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Über den Autor
Felix-Reinecke
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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