Boom bei KI, Flaute in der Realwirtschaft
Die US-Wirtschaft erlebt derzeit eine historische Umwälzung. Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 verschiebt die Künstliche Intelligenz (KI) die Kräfteverhältnisse zwischen Kapital, Arbeit und Produktivität grundlegend.
Während der Aktienmarkt Rekordstände erklimmt, kühlt der Arbeitsmarkt spürbar ab – eine Kombination, die es so noch nie gegeben hat. Der S&P 500 stieg seit Anfang 2023 um fast 70 %, während die Zahl offener Stellen um knapp 30 % zurückging. Zwei Kennzahlen, die früher im Gleichschritt liefen, haben sich entkoppelt – ein klares Zeichen für den beginnenden KI-Strukturwandel.
Produktivität ersetzt Beschäftigung
Der Grund für diese Verschiebung liegt in der Natur der neuen Technologie: KI steigert massiv die Effizienz, ersetzt aber zugleich viele menschliche Tätigkeiten. Besonders betroffen sind Branchen, in denen Routinearbeit durch Algorithmen ersetzt werden kann – vom Kundendienst bis zur Verwaltung.
Laut Studien ist die Beschäftigungsquote in den KI-intensivsten Berufen seit 2022 um rund 13 % gefallen, vor allem bei Jüngeren. Eine Entlassungswelle blieb dennoch aus, weil Unternehmen mit weniger Personal mehr leisten.
Für die Börse ist das eine ideale Kombination: steigende Gewinne bei sinkenden Kosten. Genau davon profitieren die großen Tech-Giganten – allen voran Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon, Apple, Meta und Tesla.
Gemeinsam machen sie mittlerweile rund ein Drittel des S&P-500-Gesamtwerts aus. Der KI-Boom hat hier bereits über 5 Billionen USD an zusätzlichem Vermögen geschaffen – Kapital, das Konsum, Investitionen und Risikofreude anheizt.
Ein Markt mit Schönheitsfehlern
Doch der Glanz trügt. Während die Tech-Elite immer weiter steigt, geraten klassische Branchen zunehmend ins Hintertreffen. Industrie, Bau und Energie leiden unter den elf Zinserhöhungen der US-Notenbank seit 2022. Kredite wurden teurer, Projekte gestoppt, Neueinstellungen verschoben.
Besonders für kleinere Unternehmen ist das Umfeld schwierig. Inzwischen notieren rund 45 % aller US-Aktien unter ihrer 200-Tage-Linie – also im formalen Abwärtstrend. Die Rally ruht auf einem immer schmaleren Fundament.
Fazit: Chancen nutzen, Risiken beachten
Der KI-Boom verändert die Spielregeln der Wirtschaft. Produktivität wird wichtiger als Beschäftigung – und Daten wichtiger als Öl. Für Sie als Anleger gilt: Bleiben Sie in den Wachstumssektoren investiert, doch behalten Sie die Marktbreite im Auge. Eine gesunde Portion Vorsicht ist jetzt der beste Verbündete langfristiger Gewinne.
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