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Aktien: Achtung: Neue Schockwellen am Aktienmarkt

Italien geht es alles andere als gut. Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas hat sich noch immer nicht von der schweren Krise erholt. Leidet nach Jahren der Stagnation unter einer geringen Produktivität, wenig Wachstum, veralteten Strukturen, einer überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit und einer extrem hohen Verschuldung.

Italien muss seit Jahren von der Europäischen Zentralbank gestützt werden. Am Sonntag wählen die Italiener nun ein neues Parlament. Europa zittert, denn es steht viel auf dem Spiel. Das Ergebnis könnte Europa in eine schwere Krise stürzen. Schon jetzt stürzen die Börsen erneut ab. Am Donnerstag verlor der DAX zwei Prozent. Auch an der Wallstreet ziehen Anleger erst einmal die Reißleine.

Italiener vertrauen dem Establishment nicht mehr

Italien ist der kranke Mann Europas. Und die Stimmung unter den Italienern ist mies. Fast Dreiviertel aller Menschen in dem südeuropäischen Land sind frustriert und beschreiben die Lage als schlecht. Fast die Hälfte glaubt fest daran, dass die Mitgliedschaft in der EU der Grund für den schlechten Zustand des Landes sei.

Das heißt, jeder Zweite ist davon überzeugt, dass es ohne Europa und ohne den Euro besser laufen würde. In keinem anderen Land wird der Euro so gehasst wie in Italien. Dementsprechend groß ist auch das Misstrauen in die Politik. Sieben von zehn Italienern vertrauen den Behörden nicht mehr. Rund 80 Prozent misstrauen der Justiz und den Parteien. Es ist ein generelles Misstrauensvotum gegen das System und gegen das Establishment.

Wirtschaft kommt nicht auf die Beine

Ein Grund für die schlechte Stimmung ist der extrem schwache Zustand der Wirtschaft. Nach Jahren der Stagnation schaffte Italien im letzten Jahr mit Mühe und Not ein leichtes Wachstum von 1,4 Prozent. Während die Konjunktur in anderen Ländern brummt wie selten zuvor.

Die Arbeitslosenquote liegt im Landesdurchschnitt bei 10,8 Prozent. Unter den Jugendlichen liegt die Quote sogar bei über 30 Prozent. Immer mehr junge Menschen verlassen das Land, weil sie keine Perspektiven haben. Dadurch blutet die ohnehin schon akademikerschwache Gesellschaft zunehmend aus.

Italien wird niemals seine Schulden zurückzahlen

Wachstum und Investitionen müssen her. Das geht aber nicht, weil Italien zu den am höchsten verschuldeten Industrieländern gehört. Die Gesamtverschuldung liegt bei mittlerweile 133 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In Europa steht nur Griechenland mit fast 180 Prozent noch schlechter da. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Italien nie in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen.

Die Situation ist aussichtslos. Das Land zählt zu den großen Verlierern der Währungsunion. Die verfügbaren Pro-Kopf-Einkommen liegen heute unter dem Stand von 1999. Zum Vergleich: In Deutschland, Spanien oder Frankreich haben die Menschen rund 25 Prozent mehr Geld zur Verfügung als damals.

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Das Italien nicht auf die Beine kommt, weiß auch die Europäische Zentralbank. Sie kauft seit Jahren tonnenweise italienische Staatsanleihen und betreibt damit Staatsfinanzierung. Das Land ist abhängig vom frischen Geld der EZB und hat über Jahre von den niedrigen Zinsen profitiert. Sehr zum Ärger anderer Länder, deren Bürger unter den niedrigen Zinsen leiden. Deren Vermögen verliert zunehmend an Kaufkraft. Milliarden wurden bislang durch die niedrigen Zinsen vernichtet.

Italien ist „too big to fail“!

Die EZB muss Italien am Leben erhalten. Egal, was es kostet. Denn Italien kann aufgrund seiner Größe nicht so einfach unter einen Rettungsschirm schlüpfen wie zuvor beispielsweise Griechenland. Eine Pleite würde die gesamte Eurozone mit in die Tiefe reißen und gigantische Schockwellen an den Finanzmärkten auslösen.

Deshalb ist davon auszugehen, dass die EZB die Zinsen bis auf Weiteres auf dem niedrigen Niveau belassen muss. Für deutsche Sparer sind das keine guten Nachrichten. Sie müssen sich auf eine weitere Enteignung einstellen.

Schutzwall um das Vermögen ist zwingend notwendig

Bei der Wahl am Sonntag ist davon auszugehen, dass die europakritischen Parteien die großen Gewinner sein werden. Der Ausgang der Wahl hat das Potenzial, Europa in eine weitere Krise zu stürzen. Und an den Finanzmärkten ein weiteres Beben auszulösen. Dementsprechend ist es sinnvoll, sich und sein Erspartes vor neuen Schockwellen zu schützen und sich vorzubereiten.

 

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Über den Autor
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Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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