Rezessionsgefahr
Henrik Voigt, DAX Daily vom 27.07.2010 08:30
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ich beobachte ständig drei sehr wichtige Frühindikatoren für die Weltkonjunktur. Alle drei fallen oder stagnieren kontinuierlich seit Oktober 2009 und notieren seit ca. sieben Wochen auf Rezessionsniveau. Die Heftigkeit und Tiefe des Einbruchs dieser Indikatoren ist dabei einzigartig in den letzten Jahren. Meinen Lesern in DAX Profits werde ich eine entsprechende Studie heute Abend in meiner Wochenausgabe präsentieren (falls Sie ebenfalls interessiert sind: siehe Link unten, Wochenausgabe Nr. 30 anfordern). Für mich lässt das nur einen Schluss zu: die USA werden noch in diesem Jahr mit über 90 Prozent Wahrscheinlichkeit in die Rezession zurückfallen. Die Rezessionsgefahr war noch nie so hoch wie heute. Da es in den letzten Jahrzehnten keinen Fall gab, an dem sich Europa davon abkoppeln konnte, werden wir wohl oder übel mit etwas Zeitverzögerung folgen. Ich sehe das natürlich alles andere als gerne. Aber es ist das, was mir die Daten derzeit sagen.
Aber jetzt schwenken Sie mal zur Börse. Zwar sieht der US-Aktienmarkt bereits angeschlagen aus, aber in Europa wird weiter Party gefeiert. Bullische Analystenstimmen, Kaufempfehlungen so weit das Auge reicht - wann merken die Anleger, dass die Musik aufgehört hat zu spielen? Ich weiß es nicht. Momentan sieht alles nach einem Ausbruch nach oben und einem weiteren bullischen Aufwärts-Schub aus. In 2007 brauchte der Markt das ganze Jahr und immer wieder aufs Neue harte Fakten, um von der Rezessionsgefahr überhaupt Notiz zu nehmen. Gier und Hoffnung sind nun mal sehr stark. Zumindest in Europa sind die Wirtschaftsdaten ja bisher alles andere als schlecht - alles andere als rezessionsverdächtig. Nur kann ich nicht an die Abkopplungstheorie glauben, zumal in letzter Zeit auch der übliche Heilsbringer China schwächelt. Speziell Deutschland ist nun einmal sehr exportorientiert und dürfte von einem Einbruch bei wichtigen Handelspartnern nicht unbetroffen bleiben.
Dem Markt war das aber gestern erst einmal egal. Da wurde erst einmal die Erholung bei den US-Neubauverkäufen gefeiert, auch wenn der dortige Hausmarkt von einer positiven Trendwende Lichtjahre entfernt ist. Die Daten überraschten jedoch positiv aus einem Sektor, aus dem in den letzten Monaten nur Hiobsbotschaften kamen. Mal sehen, wie lange die gute Stimmung anhält.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gunnar (27.07. 2010 09:51 Uhr):
Da lehnen sie sich aber sehr weit aus dem Fenster! Schön, so lange solche Dauerskeptiker die Marktmeinung dominieren, werden die Kurse unaufhaltsam steigen... Schauen sie sich den Verlauf 2004 an, damals war die Börse auch nach dem historischen Einbruch stark gestiegen und mußte konsolidieren um weiter steigen zu können. Während dieser Konsolidierung kamen die Weltuntergangspropheten auch wieder aus ihren Löchern gekrochen, was danach passiert ist dürfte noch jedem Börsianer in Erinnerung sein... Wir befinden uns imho in einer Phase, in der der Aufschwung step by step selbsttragend wird. Ferner, sehen sie irgendeine vernünftige Alternative ihr Geld gewinnbringender als am Aktienmarkt anzulegen ?! Gruß GO
Antworten- Antwort von Werner Bläser (27.07. 2010 11:32 Uhr):
Herr Voigt meint, daß "langsam die Anleger etwas merken müßten". Es ist eher so, daß er selbst langsam etwas merken sollte. Die offensichtliche Bodenbildung bei Bauholz und Kupfer, nur als Beispiel. Das "Schwächeln" in China sieht nur er, weil er sich in seiner pessimistischen Prognose festgefahren hat (Anfängerfehler an der Börse). Wenn etwas, weil es zu stark fuhr, abgebremst werden mußte und nun (o Wunder) deshalb wunschgemäß etwas langsamer läuft, "schwächelt" es noch lange nicht.
- Antwort von Werner Bläser (27.07. 2010 11:32 Uhr):
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